Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Kultur Bartoli begeistert im Kuppelsaal
Mehr Welt Kultur Bartoli begeistert im Kuppelsaal
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:25 08.06.2013
Von Rainer Wagner
Cecilia Bartoli begeisterte im Kuppelsaal nicht nur mit Gesang und Klangreizen. Sie zeigte  sich auch mit Freundin und Komplizin Donna Leon. Quelle: Florian Petrow
Hannover

Dabei rennt sie zumindest in Hannover offene Kirchen- und Konzertsaaltüren ein. Während im weiten Musikkreis der Theologe und Tonsetzer Steffani tatsächlich ziemlich vergessen war, haben sich Musiker in Hannover schon seit vielen Jahren für ihn eingesetzt, allen voran Lajos Rovatkay mit seiner Capella Agostino Steffani. Sie waren auch dabei, als 1989 die hiesige Staatsoper ihren 300. Geburtstag mit jenem Werk feierte, mit dem einst die damalige Schlossoper eröffnet wurde: Steffanis „Enrico Leone“. Bei Cecilia Bartoli schreibt der sich allerdings „Henrico Leone“. Und weil die Sängerin auch eine gründliche Musikforscherin ist, wird sie schon ihre Gründe haben, warum sie Heinrich den Löwen so schreibt. Aber wenn er dann im zweiten Teil ihres hannoverschen Konzerts mit einer Mord-und-Totschlag-Arietta zu Wort kommt, hört man den Unterschied sowieso nicht.

Für ihren Einsatz hat sich Cecilia Bartoli mächtig ins Zeug gelegt. Sie hat ihre Freundin Donna Leon überredet, aus der Lebensgeschichte des Diplomaten, Geheimnisträgers, Strippenziehers und möglicherweise auch Spions einen Krimi zu machen („Himmlische Juwelen“, Diogenes), aus dem die Autorin vor dem Konzert (das sie hinterher natürlich verfolgte) las. Und für Werbefotos und Booklet-Illustrationen zu ihrer Steffani-CD „Mission“ hatte die Bartoli ihre Haarpracht unter einer Perücke verborgen und trat als glatzköpfiger Geistlicher auf.

In Hannover aber schüttelte sie dann doch ihre Locken. Und die Töne. Nach der einleitenden Ouvertüre zu „Henrico Leone“ tänzelt sie mit dem Tambourin in der Hand die kurze Treppe zum Orchesterpodium herab. Da gibt es kein divenhaftes Auftrittsgetue, und auch den ganzen Abend über verzichtet die Sängerin auf die üblichen Rituale des Abgehens und gefeierten Wiederauftretens. Wann immer sie zu schweigen hat, weil das blendend aufgelegte Orchester I Barocchisti Steffani konzertant präsentiert, setzt sich Cecilia Bartoli an der Seite auf eine Couch und verfolgt mit sichtbarer Freude, was die Musiker an Feinheiten herausarbeiten. Sie findet großen Gefallen an der Zwiesprache mit Instrumentalsolisten, die Agostino Steffani offenkundig liebte. Die Arie des Tassilone bietet neben großer Lamento-Kunst ein wunderbares Duett mit der Solo-Oboe (Pier Luigi Fabretti), während das Miteinander mit der Trompete in der Arie des Sigardo (aus derselben Oper) mehr einem Duell gleicht. Nach dem Motto „Alles, was du kannst, das kann ich viel besser“ demonstriert sie, dass eine geläufige Gurgel auch einem Virtuosen wie Thibaud Robinne an der heiklen Naturtrompete überlegen ist. Ganz zum Schluss gibt es nicht nur ein weiteres Duett mit der Oboe, sondern auch einen Trigesang von Oboe, Trompete und Mezzosopran. Wenn der streitlustige Alarich die unbesiegbaren Krieger aufstachelt, dann feuert Cecilia Bartoli die Spitzentöne ab wie wohlgesetzte Pfeile, aber noch eindringlicher ist sie, wenn sie ganz auf die leisen Töne setzt. Dann halten die rund 1200 Zuhörer den Atem an, um keinen Pianissimo-Ton zu verpassen: Selten war das Leise im Kuppelsaal so gut zu hören.

Zusammen mit dem reaktionssicheren Ensemble unter dem stimmungsstarken Dirigenten Diego Fasolis führt Cecilia Bartoli die Bandbreite der Gefühle vor, die Agostino Steffani verhandelt. Vom Wutbürger Ermelao aus der Oper „La superbia d’Alessandro“ bis zum intimen Zwiegespräch mit der Laute, das Steffani für „Niobe, Regina di Tebe“ (eine seiner bekanntesten und wohl auch besten Opern) vorgesehen hatte. Wenn Sabina (aus „Alarico il Baltha“) sich und uns in den Schlaf singen will, dann umhüllt uns Hörer ihr Gesang wie Äther. Um uns gleich danach mit dem quicklebendigen Alkibiades wieder zu wecken.

Dass Steffani der ausladenden Arie (gerne mit viel Wiederholung) lieber die pointiertere Arietta entgegensetzte, machte die Programmfolge kleinteiliger und auch kurzweiliger. Man durfte sich über die Klangreize bis hin zum Windspiel und zum Zauberglöckchen wundern und freuen, mit denen Steffani seine Zeitgenossen beeindruckte. Bis sich dann doch der widerborstige Gedanke einschlich, dass dem italienischen Vielzwecktalent als Opernkomponist vielleicht doch das Rampensau-Gen fehlte.

Das Publikum, in dem die Zahl der Bartoli-Fans wohl doch die der Opernkenner und Steffani-Fachleute überwog, ließ sich von ihrem Idol mit auf die Reise in die Musikgeschichte nehmen und fand hörbar Gefallen. Der Beifall steigerte sich zunehmen und entlud sich am Ende in Ovationen im Stehen.

Vier Zugaben! Eine davon war von Georg Friedrich Händel - und das war dann doch nicht ganz fair gegenüber Steffani, zumal „Lascia la spina“ (die Zweitverwertung seines Opernhits „Lascia ch’io pianga“) ein Volltreffer ist. Dennoch kann Cecilia Bartoli nach diesem gefeierten abendfüllenden Plädoyer für Agostino Steffani verkünden: Mission erfüllt.

Kultur Johnny Depp feiert runden Geburtstag - Der Mann mit den 1000 Gesichtern wird 50

Sanfter Verführer, wilder Pirat, teuflischer Mörder – Johnny Depp hat fast alle Rollen ausprobiert. Der Exzentriker zählt zu Hollywoods Topverdienern. Am Sonntag wird er 50 Jahre alt.

07.06.2013

Als Schwimmerin wollte Esther Williams Olympia-Gold holen, doch daraus wurde nichts. Anstelle dessen erlangte die Kalifornierin als Hollywoods Badenixe Weltruhm. Jetzt ist der schwimmende Filmstar im Alter von 91 Jahren gestorben.

06.06.2013
Kultur Dumme Anglizismen, überflüssiges Englisch - Was der Duden und Schäuble gemeinsam haben

Der Verein Deutsche Sprache geißelt überflüssiges Englisch in der deutschen Sprache. Anwärter auf den Titel „Sprachpanscher“ sind Politiker, ein Kirchenmann, ein Unternehmen und - man höre und staune - ein Wörterbuch der deutschen Sprache.

06.06.2013