Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Kultur Literatur-Nobelpreis für Herta Müller
Mehr Welt Kultur Literatur-Nobelpreis für Herta Müller
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:09 08.10.2009
Literatur-Nobelpreis für Rumäniendeutsche Herta Müller. Quelle: afp
Anzeige

Die Vergabe des Literaturnobelpreises an Herta Müller ist in Deutschland mit Begeisterung aufgenommen worden. Bundespräsident Horst Köhler gratulierte der 56-Jährigen „von ganzem Herzen“. Immer wieder habe Müller nach den Erfahrungen, die sie selbst in ihrem Geburtsland Rumänien mit der kommunistischen Diktatur gemacht habe, „gegen das Vergessen angeschrieben“ und so an den hohen Wert der Freiheit erinnert, hob Köhler in einem Glückwunschschreiben hervor. Es sei „eine besonders glückliche Fügung, dass Müller den Nobelpreis gerade in diesem Jahr erhalte, „in dem wir an das Ende der Diktaturen in Osteuropa vor 20 Jahren erinnern“.

Der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Gottfried Honnefelder, feierte die Entscheidung der Schwedischen Akademie als „großes Ereignis“ für die deutsche Sprache und Kultur. Sie mache deutlich, wie stark die Wirkung deutscher Literatur über die Ländergrenzen hinweg ist. Müller selbst reagierte nahezu sprachlos. „Ich bin überrascht und kann es noch immer nicht glauben, mehr kann ich im Moment nicht dazu sagen“, sagte sie am Donnerstag in einer ersten Reaktion. Am Telefon habe die 56-Jährige „gelacht und geweint“, berichtete eine Sprecherin des Carl Hanser Verlags, bei dem auch Müllers aktuelles Buch „Atemschaukel“ erschienen ist.

Verleger Michael Krüger sagte, mit ihr werde eine Autorin ausgezeichnet, „die auch 20 Jahre nach dem Ende des Ost-West-Konflikts darauf beharrt, die unmenschlichen Seiten des Staatskommunismus in Erinnerung zu behalten.“ Ihre „hochliterarische Trauerarbeit“ sei ein eindrückliches Beispiel einer engagierten europäischen Literatur, „die mit analytischer Schärfe und poetischer Genauigkeit unsere Geschichte zur Gegenwart macht“.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) lobte Müller als „eine Schriftstellerin von großer poetischer Kraft“. Er selbst habe sie bei einer Lesung im Kanzleramt erlebt und sei „von ihrer Persönlichkeit und ihrer Literatur“ tief beeindruckt gewesen.

Der Generalsekretär des P.E.N.-Zentrums Deutschland, Herbert Wiesner, nannte die Wahl der Akademie eine „großartige Entscheidung“. Müller habe diese Auszeichnung verdient. Er verwies zudem darauf, dass durch diese Ehrung indirekt auch ein weiterer Schriftsteller gewürdigt werde, nämlich der 2006 verstorbene, rumäniendeutsche Autor Oskar Pastior, dessen Schicksal Müller in „Atemschaukel“ schilderte.

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, Klaus Reichert, reagierte ebenfalls erfreut. Auch mit ihrem neuen Roman „Die Atemschaukel“ habe Müller „Weltliteratur“ geschrieben, sagte der Präsident Klaus Reichert. In „Atemschaukel“ schreibt Müller über die Deportationen von in Siebenbürgen lebenden Deutschen nach Russland im Jahr 1945.

Dass jemand dieses Thema aufgegriffen habe, nannte der Bundesgeschäftsführer des Verbandes der Siebenbürger Sachsen, Erhard Graeff, „wichtig und eine große Leistung“. Peter-Dietmar Leber von der Landsmannschaft der Banater Schwaben sagte, er freue sich, dass Müller mit ihren Büchern die Geschichte ihrer Volksgruppe einer breiten Öffentlichkeit zugänglich mache.

Dass mit Herta Müller zum 13. Mal ein deutschsprachiger Autor mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wird, zeigt nach Ansicht des Geschäftsführers des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, „die Bedeutung der deutschsprachigen Literatur für die Weltliteratur“.

Grünen-Chefin Claudia Roth sagte, mit ihrer Wahl setze die Schwedische Akademie auch ein Zeichen für das Zusammenwachsen europäischer Lebensräume. Sie bedeute „eine riesige Anerkennung nicht nur für die deutsche Literatur, sondern auch für die Widerspiegelung jüngster europäischer Geschichte in der Literatur“. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) gratulierte der in Berlin lebenden Autorin zu ihrem „einzigartigen Erfolg“.

ddp

Leseprobe: Herta Müller liest auf www.lyrikline.org

Hier geht es zur OP-Umfrage: Freude oder Unverständnis - was ist Ihre Reaktion auf die Auszeichnung für Herta Müller?

Jaap Brakke der neue Direktor des Landesmuseums spricht im Interview über Stärken und Schwächen seines neuen Arbeitsplatzes.

Johanna Di Blasi 07.10.2009

Romanübersetzer können von den Verlagen grundsätzlich eine prozentuale Erfolgsbeteiligung am Bucherlös verlangen. Das hat der Bundesgerichtshof am Mittwoch in Karlsruhe in einem Grundsatzurteil entschieden.

07.10.2009

Elke Heidenreich meldet sich als Verlegerin und Romanautorin zurück – mit zwei erstaunlich rückwärtsgewandten, ja weltflüchtigen Büchern.

Jutta Rinas 06.10.2009
Anzeige