Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Kultur Zu viel Theater von Katja Riemann
Mehr Welt Kultur Zu viel Theater von Katja Riemann
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:45 03.02.2016
Dick aufgetragen: Katja Riemann und Arne Jansen.Foto: Schaarschmidt Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Die Idee ist so naheliegend wie vielversprechend. Nur knapp 30 Jahre liegen zwischen Heinrich Heines Gedicht „Deutschland, ein Wintermärchen“ und Franz Schuberts Liederzyklus „Winterreise“. Zweimal Winter, zweimal Reise. Zwei kritische, freie Geister, die heute oft genug außerhalb ihrer politischen Zusammenhänge betrachtet werden. Sie müssten sich doch endlich einmal auf einer Bühne begegnen, mit ihren jeweiligen Perspektiven auf Heimat, Patriotismus, Sehnsucht und Verbundenheit.

„Warum das noch keiner gemacht hat, weiß ich jetzt nicht genau“, schreibt Katja Riemann über ihr Projekt „Winter. Ein Roadmovie“. Sie entwickelte es gemeinsam mit dem Jazzgitarristen Arne Jansen im Jahr 2012 für die Ruhrfestspiele. Nun gastierten beide damit im gut besuchten Pavillon.

Katja Riemann will zu viel gleichzeitig

Das Problem in der Umsetzung liegt nicht darin, dass Katja Riemann viel mehr Schauspielerin ist als Sängerin. Sie zeigt ausreichend Musikalität und Einfühlungsvermögen, auch als Musikerin an einem halben Dutzend Instrumenten, von der Melodica über Xylofon und Blockflöte bis zum Harmonium. Zudem sorgt Arne Jansen an der Gitarre für Ruhe und Konstanz. Er erdet den Abend mit warmen, präzisen Klängen. Die Arrangements sind mutig und konsequent zeitgenössisch. Schubert erscheint nicht als Widerspruch zu Chanson, Sprechgesang, Jazz oder gar Rock. Das Problem liegt vielmehr darin, dass Katja Riemann zu viel gleichzeitig will.

Da ist zu viel Theater, sind zu viele Haltungen, Stimmen, Stimmungen, Posen und Brüche. Riemann rezitiert Heine und Schubert (beziehungsweise Wilhelm Müller, dessen Texte dieser vertonte) mal als kehlige Revoluzzerin, mal als Mutter Courage, mal als kleine Kokette. Sie brüllt, lispelt, lallt, fällt von einem Dialekt in den anderen. Sicherlich: Heinrich Heine hat das „Wintermärchen“ als Satire verfasst, mit teils wunderbarem Sprachwitz und böser Komik. Doch in Riemanns dick aufgetragener Interpretation haben seine Worte oft keine Chance. Sie gehen unter in einer zu lauten Personality-Show.

Entharmlosung täte den Worten gute

Das ist umso bedauerlicher, da diesen Worten ihre Entharmlosung sehr gut täte. So leicht es fällt, Versatzstücke aus „Winterreise“ und „Wintermärchen“ wiederzuerkennen, so schwierig scheint es, diese in ihren ursprünglich ernsthaften Zusammenhängen wahrzunehmen. Zu rekonstruieren, welche Ansichten über Deutschland Heine ins Exil trieben, während seine Texte in der Heimat verboten wurden. Und welche Schubert zwangen, Razzien zu entkommen und sich Müllers Texte illegal zu besorgen. Katja Riemann setzt eher auf assoziative Bezüge zum heutigen Erleben. Bei Sätzen wie diesen liegen sie nahe: „Fatal ist mir das Lumpenpack, das, um die Herzen zu rühren, den Patriotismus trägt zur Schau mit allen seinen Geschwüren.“

Von Thomas Kaestle

Ein Kunstwerk zum Thema Flucht ist in einer Kirche in Mannheim von einer Putzfrau zerstört worden. Diese hatte auf dem Boden nahe dem Altar liegende Folienteile des Kunstwerks in eine Mülltonne geworfen, wie Pfarrerin Kyra Seufert von der evangelischen Gemeinde Käfertal am Dienstag mitteilte.

02.02.2016
Kultur Ertrunkener Flüchtlingsjunge - Ai Weiwei stellt Foto von Aylan Kurdi nach

Anfang September erschütterte ein Bild die ganze Welt: Das Foto des syrischen Flüchtlingsjungen Aylan Kurdi, der tot am Strand der türkischen Stadt Bodrum lag. Jetzt hat der chinesische Künstler Ai Weiwei das Foto auf der griechischen Insel Lesbos nachgestellt. Damit wolle er auf die Situation der Flüchtlinge aufmerksam machen.

Ronald Meyer-Arlt 04.02.2016
Kultur Aus dem Archiv - IBAN, die Schreckliche

Dass die IBAN nicht gerade zu den Nummern gehört, die leicht zu merken sind, darauf hat schon unser Autor Imre Grimm in seiner Glosse „IBAN, die Schreckliche“ vom 25. Januar 2014 aufmerksam gemacht. Aus aktuellem Anlass haben wir die Grimm'sche Anleitung zur Ermittlung der IBAN aus dem Archiv geholt.

Imre Grimm 01.02.2016