Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Kultur Mit Koffern voller Geld ...
Mehr Welt Kultur Mit Koffern voller Geld ...
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:04 05.08.2014
Ab ins Museum: Die Stiftung Niedersachsen hat dem Sprengel Museum Kunst von Christiane Möbus als Dauerleihgabe überlassen. Quelle: Moritz Küstner
Hannover

Nach Karl Marx gehören Krisen zum Funktionieren des Kapitalismus dazu. Dem konjunkturellen Auf und Ab enthoben sind Stiftungen - oder sollten es zumindest sein, insbesondere wenn es „auf Ewigkeit“ ausgelegte gemeinnützige Einrichtungen sind. Doch die Finanzkrise hat manche Stiftung ins Trudeln gebracht. Die anhaltende Niedrigzinsphase nagt am Kapital. Stiftungen geht es nicht anders als Privatanlegern: Große Summen lassen sich noch vergleichsweise sicher parken, kleineres Kapital droht dagegen wegzuschmelzen wie Schnee in der Sonne.

Dennoch boomt das Stiftungswesen. In Deutschland existieren mittlerweile 20 000 Stiftungen, allein im Vorjahr gab es 638 Neugründungen. Viele davon fördern auch Kultur: die örtliche Theatergruppe, die Tanzkompanie mit internationalen Ambitionen oder die musikalische Früherziehung in Kindergärten. Dieses Engagement ist umso willkommener, da die öffentliche Hand sich aus Verpflichtungen sukzessive zurückgezogen hat. Bis zu einem gewissen Grad kompensieren Stiftungsneugründungen die Fördernot. Dennoch wird so manches Kulturereignis wegen Geldmangel stillschweigend aus dem Programm genommen. Manche Stiftungen unterhalten eigene Kulturstätten wie etwa die Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Stiftung in Leipzig oder - im großen Stil - die Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin. Andere vergeben Preise, Stipendien oder Projektmittel.

Immer mehr kleine und mittlere Stiftungen erproben inzwischen unorthodoxe „Assets“, um weiter das Kulturleben fördern zu können. Die Berliner Stiftung Markstein hat beispielsweise in venezolanische Staatsanleihen und ins Containergeschäft investiert. Insgesamt habe sich die Lage der Stiftungen in jüngster Zeit „eher verschärft“, sagt Berenike Wiener vom Bundesverband Deutscher Stiftungen. Bei einer aktuellen Untersuchung gaben etwa ein Drittel der Einrichtungen verminderte Erträge aus Vermögen an. Jede dritte Stiftung geht davon aus, ihr Kapital nicht in voller Höhe erhalten zu können. Manche setzen vermehrt auf Risiko, und immer mehr Stiftungen werben selber um Spenden - und treten potenziell in Konkurrenz zu jenen, die sie fördern wollen.

Die noch junge Bert-Kaempfert-Stiftung mit Sitz in Hamburg hat ihr Kapital von 50 000 Euro langfristig angelegt. „Wir vergeben einmal jährlich einen Hauptförderpreis an junge Musiker von 4000 Euro“, sagt Doris Kaempfert, die Tochter des Musikarrangeurs, der zu den Beatles-Entdeckern gehört. „Wenn der Spendenhaushalt es erlaubt“, unterstützt die Kaempfert-Stiftung zusätzlich Projekte mit 2000 Euro. Wer 50 000 Euro für die Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Stiftung übrig hat, kann Kuratoriumsmitglied werden und „die Geschicke der Stiftung mitgestalten“. Für 1000 Euro gibt es eine Urkunde mit der Unterschrift des Dirigenten Kurt Masur.

Auch das gibt es: „Niedrigzins ist für uns super“, sagt Holger Maack von der Deutschen Rockstiftung mit Sitz in Hannover (Stiftungskapital 25 000 Euro). So seien günstige Kredite zu bekommen. Schon 80 Übungsräume bietet die Stiftung im norddeutschen Raum an. „Wir könnten 1000 bauen. In ganz Deutschland herrscht Mangel“, sagt Maack. Die Räume würden nicht nur an Rockmusiker, sondern auch „an Klavierprofessoren, Geiger, Trompeter“ vermietet.

„Sechs Jahre nach Ausbruch der Krise ist eine deutliche Erholung zu spüren. Der Aktienmarkt verzeichnet sogar historische Höchststände“, sagt Dieter Lehmann, Mitglied der Geschäftsleitung der Volkswagenstiftung und Leiter der Vermögensanlageabteilung. Als Reaktion auf die Krise habe die Volkswagenstiftung noch stärker als zuvor in „Sachwertkomponenten, Aktien und Immobilien“ investiert. „Griechenland-Staatsanleihen und US-amerikanische Papiere hatten wir nie.“ Das sei „ein Stück weit Glück“ gewesen, sagt Lehmann. Die Ausschüttungen der VW-Stiftung hätten in den schwierigen Jahren „in keiner Weise gelitten“.

Viele Stiftungen sind dabei, sich neu aufzustellen, zu professionalisieren, zu kooperieren oder sich sogar zusammenzuschließen („Pooling“). Noch in der Pilotphase ist ein Fonds für Stiftungen, die ihr Kapital nicht nur sicher, sondern konform zu Stiftungsanliegen anlegen wollen. Der MRI-Fonds („Mission Related Investments“) der Eberhard von Kuenheim Stiftung und der BMW Stiftung Herbert Quandt soll Anlage und Form der Förderung zugleich sein. Idee ist es, in Unternehmen zu investieren, die positive soziale und ökologische Effekte erzielen. Die Fondsinitiatoren sprechen von „Sinnvestition“.

Auch wird mit alten Idealen gebrochen, zum Beispiel der Idee des Ewigwährenden. „Gerade jüngere Leute finden es interessant, 100 000 Euro nicht auf Ewigkeit, sondern beispielsweise auf 20 Jahre in einer Verbrauchsstiftung anzulegen“, sagt Michael Göring. Er ist nicht nur Vorstandsvorsitzender der „Zeit“-Stiftung, sondern auch Vorstandvorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen. Auf diese Weise würde eine Weile intensiv Kultur gefördert, dann wäre das Kapital aufgebraucht. Geht das auch bei der „Zeit“-Stiftung, die über ein Kapital von 845 Millionen Euro verfügt? Nein, sagt Göring. Derartiges müsse in den Gründungsakten festgeschrieben sein und empfehle sich nicht für große Stiftungen.

Für mehr als zwölf Millionen Euro baut das Filmstudio Babelsberg eine neue Außenkulisse. Die sogenannte modulare Hybridkulisse sei einmalig in Europa und biete Drehmöglichkeiten unter neuesten technologischen Bedingungen, teilte das Unternehmen am Montag mit.

05.08.2014
Kultur „Amandas Suche“ - Spiel mit dem Tod

Wieder ein ganz anderes Buch: Isabel Allende, die am Sonnabend ihren 72. Geburtstag feierte, ist und bleibt vielseitig. Heute erscheint mit „Amandas Suche“ der erste Kriminalroman der Exilchilenin.

Gabriele Schulte 03.08.2014
Kultur Künstlerin Christiane Möbus - Völlig vom Sockel

Die Künstlerin Christiane Möbus gibt ihre Professur auf und schafft in Göttingen ein weiteres Denkmal für die berühmten Göttinger Sieben. Es soll in den kommenden Monaten vor dem Hauptbahnhof entstehen.

02.08.2014