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Kultur Rentiert sich das denn?
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21:40 04.02.2014
Glas und Spaß: Der Spiegelraum des Berliner Künstlers Thilo Frank. Quelle: Liesen-Goeckeler
Umeå

Der Fluss Umeälven versteckt sich unter einer weißen Puderzuckerschicht. Er gibt der diesjährigen zweiten europäischen Kulturhaupstadt neben Riga ihren Namen – Umeå. Der Ort im Norden Schwedens mag sich als Zentrum für Hardcoremusik als Heimat der am weitesten nördlich gelegenen Oper Europas, einer weltweit führenden Designschule sowie als Geburtsort des Autors Stieg Larsson präsentieren – doch er ist vor allem eine Festung des Winters. Die meisten Menschen laufen im Alltag mit Skihosen herum, um 3 Uhr nachmittags ist es bereits wieder dunkel. „Snowhere“, sagt ein heimischer Geigenspieler zur Lage. Stimmig, dass das Logo für Umeå 2014 – ein lachendes Herz – ganz schön an das Signet von „Langnese“-Eiscreme erinnert.

In der Gegend von Umeå gibt es jede Menge Rentiere. Das Rentier, dessen herbes Fleisch den Menschen Kraft für den langen Winter gibt, verehren die Sámi als Tier, das dem Wetter trotzt. Die Sámi („Sumpfleute“) sind das einzige indigene Volk in der Europäischen Union. Das Freilichtmuseum „Västerbotten“ erzählt von dieser eigentümlichen Mischung aus skandinavischer und asiatischer Kultur, die auf eurasische Einwanderer zurückgeht, die sich kurz nach der Eiszeit in Nordskandinavien niederließen. Die samische Singtradition „Yoiken“ klingt wie eine schwermütige Variante des Jodelns.

Mehr Tourismus wagen

Heute tragen nicht mehr alle Sámi die farbenfrohen Trachten, viele sind aus ihren Tipis in die Stadt gezogen. „Sámi sein, das ist für mich eine Sache des Geistes und die Verbundenheit mit der Natur“, sagt die Künstlerin Katarina Pirak Sikku. Ihre Gesichtszüge verraten die asiatischen Wurzeln. Sie hat für ein Kunstprojekt die Verfolgung ihres Volkes durch das schwedische Institut für Rassenkunde zu Beginn des 20. Jahrhunderts dokumentiert. Die Körper der Sámi wurden vermessen, ihre Sprache war verboten. „Die Erinnerung daran schmerzt noch immer“, sagt Sikku. Samische Kultur und Konsum werden auf dem Platz vor dem Rathaus gleichermaßen gepflegt: Vor dem neuen Riesenkaufhaus mit dem hochtrabenden Namen „Utopia“ ist eine Installation aus Rentiergeweihen zu sehen.

Ein grüner Laserstrahl spannt sich als Reminiszenz an das Nordlicht durch die stetig wachsende Stadt. Zur Zeit hat sie 117 000 Einwohner, bis 2050 sollen es 200 000 sein. Zwar wurde Umeå schon 1622 vom König Gustav Adolf gegründet, doch 1888 zerstörte ein großes Feuer einen Großteil der alten Bausubstanz. Das Zentrum wurde nach einem starren Rasterstraßenmuster wieder aufgebaut, wie man es aus den USA kennt. Zugleich wurden Hunderte von Birken als Feuerschutz gepflanzt, der Baum avancierte zum Symbol der Stadt. Beim Anblick der Alleen auf Schneegrund wähnt man sich in einer Schwarz-Weiß-Fotografie. In den Cafés wird Birkensaft ausgeschenkt, eine Art Eistee mit Holzgeschmack.

Die alljährliche Auszeichnung zweier Städte durch die Europäische Union gleicht bisweilen einem Förderprogramm bislang wenig beachteter Orte. Das Label als Kulturhauptstadt kann den Tourismus voranbringen, ins Ruhrgebiet wurden 2010 zum Beispiel gut 13 Prozent mehr Gäste als in den Vorjahren gelockt. Die Organisatoren von „Umeå 2014“ wünschen sich 15 Prozent mehr Touristen als sonst. 150 000 bis 200 000 Besucher sollen zu den 300 Veranstaltungen des Kulturhauptstadtjahres kommen. Das Budget beträgt 410 Millionen schwedische Kronen, etwa 46 Millionen Euro.

Bisher brachte der Titel der Stadt Umeå ein neues Kulturzentrum mit einer Bibliothek und einem Museum für Frauengeschichte, ein Zentrum für Dokumentarfotografie und den Neubau des „Bildmuseet“ ein. Das Museum für zeitgenössische Kunst zeigt derzeit etwa einen Spiegelraum des Berliner Künstlers Thilo Frank, in dem die Besucher auf einer Schaukel sitzend ihren Gedanken nachhängen können.

Hauptstadt der Hardcoremusik

Ebenfalls frisch eröffnet ist das Gitarrenmuseum mit Rockklub, das auf 2500 Quadratmetern mehr als 500 Oldtimer-Gitarren und Verstärker versammelt. Den Charme dieses Hauses machen die beiden Sammler aus: Die eineiigen Hippie-Zwillinge Samuel und Michael Åhdén aus Umeå, die einen Musikladen betreiben und selbst in einer Rock-’n’-Roll-Band spielen, haben ihre erste gemeinsame Gitarre in den Siebzigern gekauft. Die Rockabilly-Brüder fügen sich mit ihren Umeå-Cowboystiefeln und -hemden sowie den zurückgegelten Haaren gut in die Ausstellung ein.

Michaels Lieblingsgitarre ist eine Gibson Les Paul aus dem Jahr 1958, das wertvollste Objekt der Sammlung. Led Zeppelin, Peter Green und Keith Richards spielten auf Instrumenten dieser Marke. Einer roten Stratocaster sieht man den jahrzehntelangen Gebrauch an. Michael sagt: „Es ist ein gutes Gefühl, wenn man bei jedem Kratzer weiß, woher er stammt.“ Er will nicht verraten, welchen Stars seine Gitarren einmal gehörten: „Das würde den Fokus vom Instrument nehmen.“

Eine solche Sammlung würde man eher in New York oder London vermuten, doch das Gitarrenmuseum passt an diesen Ort, denn Umeå galt zwischen 1989 und 2000 als Hauptstadt der Hardcoremusik. Die heimische Band Refused lockte Fans der härteren Musik aus der ganzen Welt nach Schweden. Auch wenn die Blütezeit mit der Auflösung der Band vorbei war, ist die alternative Musikszene Umeås noch immer sehr lebendig.

Das liegt auch an der Universität, die den Altersdurchschnitt der Einwohner auf 30 Jahre drückt. In den Bars kann man am Abend etwa einer Singer-Songwriterin mit dem schönen Namen Queenfish and other Tales lauschen. Mit ihrer Punkfrisur und der zierlichen Statur erinnert die Sängerin an Lisbeth Salander, aus der Verfilmung von Stieg Larssons Romantrilogie „Millennium“. Der 2004 verstorbene Bestsellerautor wuchs in Umeå auf. Im Café Mekka, das im Schaufenster die traditionelle schwedische Kaffee-und-Kuchen-Pause als „Kultur-Fika“ anpreist, plante Stieg Larsson als Jugendlicher mit Freunden jede neue Ausgabe des Sciene-Fiction-Magazins „Sfären“. In der Vretgatan 12 mieteten die Eltern ihm ein Zimmer gegenüber der eigenen Wohnung, weil das nächtliche Rattern der Schreibmaschine den Nachbarn störte. Und im Restaurant Sävargården verdiente er sich als Tellerwäscher das Geld für eine Anhaltertour durch Algerien.

In Larssons Leben begann damit eine „Zeit der Wanderungen“. Diese ist neben den Phasen des Erwachens und des Nachdenkens eine der acht Jahreszeiten der Sámi. Der Winter ist für sie die Zeit der Pflege. Und in Umeå, der Stadt der Rentiere, kann man gerade erleben, wie Traditionen gepflegt werden. Einige Sámi befürchten, dass es damit vorbei sein könnte, sobald Europa wieder abreist.

Von Nina May

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