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Kultur Menschenleben für die Madonna
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00:15 23.02.2014
Von Stefan Stosch
Die Jagd beginnt: Sam Epstein (Dimitri Leonidas, v. l.), Walter Garfield (John Goodman), Frank Stokes (George Clooney), James Granger (Matt Damon) und Preston Savitz (Bob Balaban). Quelle: dpa

Das konnte George Clooney nicht ahnen: Als Anführer eines Trupps von Museumsleuten zieht er in den Zweiten Weltkrieg, sein Kinoheld rettet Michelangelos Brügger Madonna, den Genter Altar und noch ein paar Tausend Meisterwerke mehr – und stößt im Jahr 2014 unvermutet in ein mediales Wespennest: Die aktuelle Debatte um NS-Raubkunst und die in München-Schwabing aufgetauchte Sammlung Gurlitt lässt sich bis zu der Geschichte zurückverfolgen, die Produzent, Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller Clooney in „Monuments Men“ erzählt.

Der Kunsthändler Hildebrand Gurlitt wurde 1945 tatsächlich von den uniformierten Kunstfahndern der Spezialeinheit „Monuments, Fine Arts and Archives Section“ vernommen – auch wenn das im Film nichts zur Sache tut. Nachweisen ließ sich Gurlitt damals nichts. 125 sichergestellte Werke französischer Provenienz bekam er später zurück.

Gurlitt war Pariser NS-Chefeinkäufer für das geplante „Führermuseum“ in Linz – und das taucht tatsächlich im Film auf: Die Kamera schwebt über riesige Gebäude und breite Alleen. Das gesamte Ensemble erstrahlt in einem irreal makellosen Weiß. Es handelt sich um ein architektonisches Modell des gigantomanischen Projekts. In einer Ecke des Saals steht in schemenhaftem Licht eine verdächtig bekannte Gestalt. Adolf Hitler bewundert das in seiner Heimatstadt Linz geplante Museum, in dem er die in Europa zusammengeraubten Kunstschätze präsentieren will.

Hitlers Beutezug war damals schon weit gediehen. Es ist einem kleinen Offizierstrupp von Architekten, Kunsthistorikern, Kuratoren und Konservatoren zu verdanken, dass die in Bergwerken oder auch im Schloss Neuschwanstein versteckten Schätze der Menschheit bewahrt blieben. Hitler hatte den Befehl gegeben, sie im Falle seines Todes zu zerstören.

Dieser genauso skurrilen wie heldenhaften Truppe setzt Clooney nun ein Denkmal. Er beruft sich dabei auf ein Buch des Hobbyhistorikers Robert M. Edsel. Clooneys Film ist ein geradliniges, ja, braves Kostümstück, das der üblichen Hollywood-Dramaturgie gehorcht – und gerade deswegen enttäuscht.

Das beginnt schon damit, wie Museumsmann Frank Stokes (Clooney) seine Mitstreiter anheuert. So ähnlich haben bereits die Blues Brothers ihre Band zusammengetrommelt. Mit Buddy-Filmen kennt sich Clooney seit der „Ocean’s“-Reihe ja aus. Immer wieder streut er sanfte komödiantische Bezüge ein – und muss sich dann umso mehr mühen, den richtigen Ton für die heroischen Momente zu finden. Ein schwieriger Spagat.

Zu traurig soll dieser Feldzug für die Kunst jedenfalls nicht ausfallen, weshalb Stokes auch cool mit Sonnenbrille im offenen Geländewagen herumdüsen darf. Es bleibt sogar Zeit für den Hauch einer Romanze: Museumsmann James Granger (Matt Damon) trifft in Paris auf eine als graue Maus gekleidete Französin (Cate Blanchett), die die Jäger des geraubten Schatzes auf die richtige Spur bringt. Aber auch dieses Rendezvous verläuft letztlich bedenklich unerotisch.

Der Auftrag, den Stokes und Co. zu erfüllen haben, ist einmalig: Sie sollen Chagalls und Picassos retten, während um sie herum Menschen sterben. Ja, sie werden selbst in die Kämpfe hineingezogen. Ein britischer Kollege wird erschossen beim Versuch, Michelangelos Madonna in Brügge zu retten.

Ist eine noch so kostbare Madonna ein Menschenleben wert? Diese Frage stellen sich die Kunstretter selbst, beantworten sie mit Ja und schieben eine wohlformulierte Begründung hinterher, die nach Lehrbuch klingt: „Man kann Menschen töten, ihre Häuser niederbrennen, aber wenn man ihre Kultur zerstört, ist es, als ob sie nie existiert hätten.“

Clooney verdeutlicht, woher viele der Schätze stammen, die in riesigen Depots gestapelt sind: Einmal bringt James Granger ein Gemälde in eine leer stehende Wohnung zurück, deren jüdische Besitzer deportiert wurden, und hängt es wieder an die Wand – das ist vielleicht die stärkste Szene, weil sie das Grauen im Absurden zeigt. Ein anderes Mal taucht Stokes seine Hand in ein Fass voller Goldbröckchen – es handelt sich um Zahngold. Und auch ein fieser Kunsträuber (Justus von Dohnányi) wird zur Strecke gebracht, der sich klammheimlich in Lederhose in die bayerische Alm-idylle absetzen will.

Man muss Clooney bescheinigen, dass er alles daransetzt, der Historie Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Doch gerade diese pädagogische Rundumabsicherung verhindert, dass „Monuments Men“ zu einem wirklich berührenden Heldenepos wird.
Sollte Regisseur Clooney irgendwann auch noch den Film über ungeklärte Besitzrechte und nicht zurückgegebene Kunstwerke nachliefern, empfehlen wir einen Abstecher ins Krimigenre – und für Hildebrand Gurlitt findet sich dann ja vielleicht auch noch ein Plätzchen als Leinwandfigur.

Mein Fazit: Mal lustig, mal tragisch, mal heroisch: Da wird kein Ganzes draus.

Pech für Goslar: Szene gestrichen

Wochenlang hatte George Clooney den Harz mit den Dreharbeiten für seinen Film „Monuments Men“ in Aufregung versetzt. Zum Casting für 2000 Minirollen standen 4000 Interessenten Schlange. Für mehrere Hundert Komparsen dürfte der Film nun eine Enttäuschung parat halten: Eine mit großem Aufwand gedrehte Szene in der Goslarer Altstadt ist gar nicht zu sehen.

Ein Sprecher der Produktionsfirma Studio Babelsberg bestätigte die Streichung. Für die Komparsen sei das schade, sagte Stadtsprecher Christian Burgart. Allzu tragisch nehme man die Sache aber nicht. Denn in zwei weiteren Szenen, die unter anderem am Rammelsberg gedreht wurden, ist die Stadt erkennbar. Für die Dreharbeiten waren im April 2013 Teile der historischen Innenstadt hermetisch abgeriegelt worden. Zuvor hatte Clooneys Filmteam die Breite Straße in tagelanger Arbeit in eine Straße der belgischen Kleinstadt Veume verwandelt. Gedreht wurde der Einmarsch alliierter Kräfte nach der Landung in der Normandie.

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