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Kultur Koreanerin gibt ein Konzert für die Liebe
Mehr Welt Kultur Koreanerin gibt ein Konzert für die Liebe
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07:45 09.08.2016
Yu Mi Lee gibt sich ihrer Liebe zum Klavier hin. Quelle: privat
Isernhagen

Mozarts Variationen über „Ah, vous dirai-je, maman“ liegt ein französisches Volkslied zu Grunde, in dem ein junges Mädchen versucht, ihrer Mutter ihre Liebe zu einem jungen Mann zu erklären. Yu Mi Lee gestaltete Variationen sehr emotional und bewies schon hier, dass ihr ein romantisch-subjektiver Interpretationsansatz sehr viel näher liegt als ein klassisch-objektiver. Noch sehr viel stärker konnte sie dies in Brahms’ Variationen über ein Thema von Robert Schumann ausleben, die der junge Komponist der von ihm angehimmelten und tief verehrten Clara Schumann gewidmet hat. Brahms zeigt schon in diesem frühen Werk seine Fähigkeit, in den Variationen das Grundmaterial sowohl expressiv als auch figurativ extrem weit zu spreizen, dabei das Variationsgerüst aber immer erlebbar zu halten. In Lees Interpretation konnte man all dies sehr gut nachvollziehen.

Die berührendsten Momente gelangen Yu Mi Lee in der Polonaise fis-moll von Frédéric Chopin und dem dritten „Liebestraum“ von Franz Liszt. In diesen hochromantischen und pianistisch anspruchsvollen Stücken durfte sie ihre subjektive Sicht der Dinge ungefiltert transportieren, was das Publikum nicht nur hören, sondern auch sehen konnte. Ihre wohldosierte, feine Agogik erzielte erhebliche Wirkung und innere Teilnahme. Liszts „Liebestraum“ ließ sie mit hinreißender Anschlagstechnik und einer schön dosierten Dynamikabstufung geradezu durch den Saal schweben. Dass sie auch zu perlender Virtuosität fähig ist, konnte man in Debussys „L’isle joyeuse“ bewundern.

Krönender Abschluss des Konzerts sollte Beethovens „Mondscheinsonate“ werden: In den ersten beiden Sätzen wusste Yu Mi Lee mit klarer Tempogestaltung und durchdachter Phrasierung auch zu überzeugen. Im abschließenden Presto agitato gerieten ihr dann allerdings die einleitenden Akkordkaskaden - wie übrigens sehr vielen bekannteren Kollegen auch - zu undurchsichtig. Dass sie es auch anders kann, zeigte sie in der Überleitung zum Seitensatz eindrucksvoll. Vielleicht würde auch besonders der Bassbereich differenzierter, wenn auf der Bühne des Isernhagenhofes ein Konzertflügel mit maximaler Länge stehen würde.

Die nächsten Termine der Reihe „Weltklassik am Klavier“: Am Sonntag, 4. September, spielt die japanische Pianistin Maya Ando im Isernhagenhof, am 9. September ist ihre hannoversche Kollegin Luiza Borac zu Gast. Das Klavierduo Tsuyuki & Rosenboom spielt am 9. November, am 4. Dezember ist Chiyan Wong zu hören. Alle Konzerte beginnen um 17 Uhr. Kartentelefon (02 11) 9 36 50 90.

Von Michael Meyer-Frerichs

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