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Kultur „Kingsmen 2“: Agenten leben nur zweimal
Mehr Welt Kultur „Kingsmen 2“: Agenten leben nur zweimal
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00:00 20.09.2017
Wehret den Drogen! Eggsy (Taron Egerton, l.) und Merlin (Mark Strong) in misslicher Lage. Quelle: Foto: Fox
Hannover

Schon während der Vorspann noch läuft und eine Dudelsack-Version von John Denvers Evergreen „Country Roads“ aus dem Off erklingt, wird klar, dass in diesem zweiten „Kingsman“-Film der Horizont vom Vereinigten Königreich Richtung Amerika erweitert werden wird.

Ritterorden hinter der Tür eines Herrenausstatters

Vor zwei Jahren erzielte Matthew Vaughn mit der Agenten-Comic-Verfilmung „Kingsman“ ein beachtliches weltweites Einspielergebnis von 414 Millionen Dollar. Die Rezeptur wirkte frisch, weil sie bis dahin scheinbar unvereinbare Genreversatzstücke miteinander verwurstete. Einerseits gab sich die Story um einen neuzeitlichen, geheimen Ritterorden als urbritische Angelegenheit. Das Hauptquartier der Organisation befand sich hinter den Türen eines noblen Herrenausstatters. Maßanzüge, Budapester Schuhe und Regenschirm gehörten zur Berufskleidung. „Manieren machen den Menschen“ lautete die Losung der Gentlemen-Vereinigung.

Demgegenüber standen ausufernde Martial-Arts-Schlägereien sowie sehr direkt ausformulierte Gewaltexzesse, die dem Splatter- und Horrorkino entlehnt schienen. Das Ganze war eingebettet in eine Comic-Film-Atmosphäre, in der man sich nicht unbedingt an die Möglichkeitsgesetze der Physik halten musste. Diese Grundzutaten bleiben in „Kingsman: The Golden Circle“ die gleichen, auch wenn das Sequel mit dem Erbe des Vorgängerwerkes ziemlich respektlos umgeht.

Die Londoner Zentrale sinkt in Schutt und Asche

Der Film ist noch keine halbe Stunde alt, da liegt die Londoner Zentrale bereits in Schutt und Asche, und bis auf zwei haben alle Agenten der Organisation gewaltsam den Tod gefunden. Schuld daran ist die Drogenkartell-Betreiberin Poppy (Julianne Moore), die zwar einen Jahresumsatz von 250 Milliarden Dollar macht, aber unter fehlender gesellschaftlicher Anerkennung leidet. In der Einöde des kambodschanischen Dschungels residiert sie in einem Fünfziger-Jahre-Themenpark.

Moore spielt die Schurkin als Albtraumversion einer frustrierten Hausfrau, die in der Küche einen überdimensionalen Fleischwolf hat, in dem gelegentlich in Ungnade gefallene Mitarbeiter entsorgt werden. In ihre Drogen hat Poppy nun ein todbringendes Gift gemischt, dessen Gegenwirkstoff sie zur Verfügung stellen will, wenn die USA ihren „War on Drugs“ endlich aufgeben. Aber der amtierende US-Präsident (Bruce Greenwood) hofft mit den vergifteten Drogen endlich die ganzen Junkies ein für alle Mal loszuwerden und setzt auf destruktive Verhandlungsstrategien. Am Schluss wird ein Amtsenthebungsverfahren gegen ihn eingeleitet – eine hoffentlich visionäre Analogie zu den gegenwärtigen Zuständen im Weißen Haus.

Die Kollegen in der Whiskey-Destillerie helfen gern

Aber damit erschöpfen sich auch schon die politischen Verweise, schließlich gehört „Kingsman“ zu der Spaßfraktion der Comic-Verfilmungen und hatte nie gesellschaftskritische Ambitionen. Für moderaten Spaß sorgt zumindest das aufgefrischte Ensemble. Denn nach der Zerstörung ihres Geheimbundes suchen Eggsy (Taron Egerton) und Merlin (Mark Strong) Hilfe bei der amerikanischen Pendant-Organisation „Statesman“, die sich in einer Bourbon-Fabrik in Kentucky etabliert hat. Jeff Bridges, Channing Tatum und Halle Berry als bebrillte IT-Spezialistin greifen den „Kingsmen“ unter die Arme und sogar Colin Firth, dessen Harry Hart im letzten Teil nach einem Kopfschuss für tot erklärt wurde, erlebt die Wiederauferstehung seiner Figur.

Die hochkarätige Besetzung in den Nebenrollen kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Taron Egerton als Hauptheld immer noch deutliche Charisma-Defizite aufweist und es dem additiven Drehbuch erneut deutlich an Komplexität und erzählerischer Relevanz fehlt

Von Martin Schwickert / RND

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