Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Kultur Kestner-Chef Schepers geht nach Düsseldorf
Mehr Welt Kultur Kestner-Chef Schepers geht nach Düsseldorf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:11 14.08.2014
Von Daniel Alexander Schacht
Wolfgang Schepers, der scheidende Direktor des Museums August Kestner. Quelle: von Ditfurth
Hannover

Kühl und kantig steht er da, der Schreibtisch aus den zwanziger Jahren. Lächelnd und verlegen steht er daneben, der Mann, der das Designmöbel nach Hannover geholt hat. „Das ist mein Lieblingsstück“, sagt Wolfgang Schepers. Der Schreibtisch von Paul-Erich Küppers, dem legendären ersten Leiter der Kestnergesellschaft, bleibt im Museum August Kestner. Dessen Direktor Schepers, der das Büromöbel 1999 als seine ersten Kauf für das Museum erworben  hat, wurde gestern in den vorzeitigen Ruhestand verabschiedet.

Legendär hätte auch seine Ära in Hannovers ältestem Museum werden können. Doch die Hoffnungen, mit denen er vor 15 Jahren vom Rhein gekommen und an der Leine empfangen worden ist, haben sich nur zum Teil erfüllt. Was in jüngerer Zeit vor allem an mangelnder Rückendeckung der Stadt liegt.

Der damalige Kulturdezernent Harald Böhlmann hatte den bisherigen Vizechef des Kunstmuseums Düsseldorf mit guten Gründen nach Hannover geholt: Schepers hatte sich als Mann mit neuen Ideen profiliert, er stand für Publikumsnähe, war bekannt dafür, Besucher anlocken zu können. Der damals 47-Jährige war als Problemlöser gefragt.

Deutlicher Besucheranstieg

Denn die Antiken- und Ägyptenschätze August Kestners lockten nur noch wenig Publikum an – im Durchschnitt damals keine 100 Leute am Tag. „Böhlmann wollte die alte Sammlung durch neue Designstücke ergänzen“, sagt Schepers. „Eine attraktive Designsammlung aufzubauen, war mein erklärter Auftrag.“ Das war ihm zuvor schon in Düsseldorf gelungen, dort hatte er Ausstellungen zu neuem Design wie „Wohnen von Sinnen“ oder zum stilprägenden Einfluss der 68er präsentiert und noch die Megaschau „Das Jahrhundert des Design“ konzipiert, die der Beitrag des Kestner-Museums zur Expo wurde.

„Mich hat Design immer besonders interessiert“, sagt Schepers, der in Heidelberg Kunstgeschichte, Archäologie und Soziologie studiert hat. „Design ist gestaltete Funktionalität, nahe am Alltag, an den Menschen, an gesellschaftlich-politischen Fragen.“ Design passte also ideal zu seinem Verständnis vom „Museum als Ort der permanenten Konferenz“, frei nach Joseph Beuys. „Wir wollten ein Forum für Debatten sein, wir haben auch deshalb stets mit Kunststudenten, Künstlern und Produktdesignern kooperiert.“ 

Jährlich 100.000 Mark konnte er anfangs für Designkäufe aufwenden. Heute ist das einstige Antikenhaus eines der wichtigsten deutschen Museen für angewandte Kunst; der größere Teil der Sammlung besteht aus etwa 11.500 Designobjekten. Gezielt ist Schepers über den Kreis der Altertumsfreunde hinausgegangen. Er hat die Gebrauchskunst als Klammer zwischen Antike und Neuzeit genutzt, hat 2008 mit „Hannover goes Fashion“ Mode zum epochenübergreifenden Thema gemacht oder 2013 mit „Food Design“ die Esskultur. Diese Ausstellung hat 24.000 Leute angelockt, insgesamt hatte das Kestner-Museum 2013 fast 42.000  Besucher, knapp 20.000 mehr als vor dem Schepers-Amtsantritt.

Doch der Platz ist mit der Sammlung nicht gewachsen, und er war zuvor schon knapp. Gegen Ende der Ära Böhlmann gab es für das Haus keinen Ankaufsetat mehr, und mit dem Wunsch nach einem Erweiterungsbau stieß man bei der Stadt, die dem Sprengel Museum gemeinsam mit dem Land eine zweite Ausbaustufe bescherte, auf taube Ohren. „So viel Medienrummel für so eine kleine Ausstellung, hat sich jetzt ein Besucher von ,Aufbruch, Umbruch, Stilbruch‘ beschwert“, sagt der Museumsmacher zu der gerade beendeten Ausstellung zum Design der fünfziger und sechziger Jahre. „Aber so klein ist nun mal die Fläche.“

Kampf ohne Leidenschaft

Seit die Stadt 2011 zu Sparzwecken die Fusion des Kestner-Museums mit dem Historischen Museum beschlossen hat (die formell schon im Juli vollzogen wurde), führt Schepers statt einer Offensive einen Abwehrkampf. Kulturdezernentin Marlis Drevermann hatte 2013 auf der Basis eines 34.000 Euro teuren Beratungspapiers monatelang die Umwandlung in ein Museum der Alten Kulturen verfolgt, zulasten des Designs. Mindestens 12.000 Euro – inoffiziell ist auch die Summe von 20.000 Euro zu hören – hat ein Architektenentwurf zur Umwandlung des Museumsfoyers in eine Cafeteria gekostet – genau dort, wo bis vor Kurzem die hochgelobte Designausstellung war. „Das würde die Ausstellungsfläche weiter verkleinern“, sagt Schepers.

Seit der Widerstand dagegen gewachsen ist, sollen Antike und Design wieder gleichgewichtig im Kestner-Museum vorkommen. Jenseits der Synergien aus der Fusion bestehen die Raum- und Geldprobleme fort. Es gibt Pläne für eine neue Dauerausstellung, die Thomas Schwark, ab September Direktor beider Museen, präsentieren wird. Ansonsten aber liegt die Zukunft des Hauses am Trammplatz im Nebel. Klar, es wird weitergehen. Im September startet eine Kinderausstellung. Im November soll es eine Feier zum 125. Gründungstag des Museums geben. Da wird Schepers zwar längst wieder in Düsseldorf leben, wo die Studenten der Fachhochschule auf seine Lehrveranstaltungen zu Kunst- und Designgeschichte warten. Doch für diesen Termin will er noch einmal nach Hannover kommen.

„Der Kampf um die Erhaltung des Museumsprofils hat sich gelohnt“, sagt er zu der jahrelangen Auseinandersetzung mit Kulturdezernentin Drevermann. Zuletzt wurde dieser Kampf mit sichtlicher Ermüdung und ohne Leidenschaft geführt – was immerhin den Vorteil hat, dass auch das Leiden der Kombattanten sich in Grenzen hält.

Lob und Tadel

„Es ist ihm gelungen, das Museum aus der Antike in die Gegenwart zu führen“, lobte Hannovers Bürgermeister Stefan Schostok den scheidenden Kestnermuseumschef Wolfgang Schepers vor den knapp 30 Teilnehmern eines Abschiedsempfangs, zu dem neben Vertretern der Stadt wie Kulturdezernentin Marlis Drevermann und dem Kulturausschussvorsitzenden Lothar Schlieckau die Museumsdirektoren Gisela Vetter-Liebenow, Reinhard Spieler sowie Thomas Schwark gekommen waren, der das Haus künftig zusammen mit dem Historischen Museum führt.

Außer Lob für Schepers gab es auch Tadel – für die Stadt: Deren Etatkürzungen hätten das Haus ins Hintertreffen gebracht, sagte Wolfgang Gebler, der Vorsitzende des Museumsfreundeskreises. Aussagen von Schostoks Vorgänger Stephan Weil, alles werde nicht so schlimm kommen, hätten sich als „Täuschung“ erwiesen, sagte er mit Blick auf Kulturdezernentin Drevermann und fügte gegenüber Schepers hinzu. „Sie gehen nicht als Sieger vom Kampfplatz, aber sie haben Haltung gezeigt und gehen aufrechten Hauptes.“ das

Mit einem offenen Brief protestieren mehr als 100 deutsche Schriftsteller gegen den Internetkonzern Amazon und sein Geschäftsgebaren. Sie werfen dem amerikanischen Konzern unter anderem vor, die Empfehlungslisten für Bücher zu manipulieren.

14.08.2014
Kultur Interview mit Oliver Rohrbeck - "Die drei ??? sind ein Phänomen"

Justus Jonas ist dickköpfig, rechthaberisch und ein Klugscheißer. Oliver Rohrbeck macht das überhaupt nichts aus - im Gegenteil. Der Stimmkünstler spricht den oberschlauen Detektiv Justus in der kultigen Hörspiel-Serie "Die drei ???".

14.08.2014
Kultur Lauren Bacall ist tot - Abschied von Bogarts großer Liebe

Er war ein gefeierter Hollywood-Star, sie eine blutjunge Anfängerin, knapp 25 Jahre jünger. Doch Humphrey Bogart und Lauren Bacall wurden über Nacht zum Traumpaar, auf der Leinwand und im wirklichen Leben. 57 Jahre nach Bogies Tod ist nun Bacall mit 89 Jahren gestorben.

13.08.2014