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Kultur Deutscher Buchpreis hat an Bedeutung gewonnen
Mehr Welt Kultur Deutscher Buchpreis hat an Bedeutung gewonnen
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11:50 19.09.2014
Susanne Link gehört zur Jury, die darüber entscheidet, wer am 6. Oktober eine Auszeichnung erhält. Quelle: dpa
Trier

Der Deutsche Buchpreis hat nach Ansicht von Jurymitglied Susanne Link über die vergangenen Jahre deutlich an Bedeutung gewonnen. „Im zehnten Jahr ist er einfach da. Man sieht ihn, man guckt drauf, man kann sich das Maul zerreißen, aber er ist da. Und das ist gut so“, sagte die Buchhändlerin in Trier. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels wird die mit insgesamt 37 500 Euro dotierte Auszeichnung am 6. Oktober zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse verleihen. Warum eine Jury es nicht allen recht machen und keiner alle Bücher lesen kann, erklärte Link in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa.

Frage: In der Jury sitzen fünf Kritiker und zwei Buchhändler wie Sie. Gab es da manchmal Probleme?
Antwort: Überhaupt nicht. Wir waren von Anfang an ein ganz klasse Miteinander. Ich fühlte mich immer gleichberechtigt behandelt. Die Diskussion war freundschaftlich und immer zielorientiert. Es gab nie den Punkt, dass man gesagt hätte: „Wir finden jetzt keinen Weg mehr.“

Frage: 176 Bücher standen zur Auswahl. Wie einigt man sich denn auf eine Longlist?

Antwort: Wir werden begleitet von zwei Menschen vom Börsenverein. Eine Woche vor unserer Longlist-Sitzung sollten wir an diese zwei Personen unsere Top 12 bis 35 mailen. Und die haben daraus eine Liste gebastelt, auf der nach wie vor alle 176 standen. Und die, die Punkte bekommen haben, standen weiter oben.

Frage: Und wie kamen dann die 20 besten Bücher auf die Liste?

Antwort: Wir Jury-Leute sind in der Sitzung jedes noch einmal durchgegangen und haben überlegt: Ist es okay, dass es jetzt rausfällt? Die ersten zehn waren schnell gefunden und in der zweiten Hälfte, da war dann mehr Akrobatik dabei. Aber auch das hat alles funktioniert.

Frage: Und bei der Sitzung für die Shortlist war schnell klar, dass es jene sechs Titel werden?

Antwort: Nein, es hat schon ein paar Stunden gedauert. Ich glaube vier. Wir haben uns nicht geschlagen. Es war absolut demokratisch. Die Mehrheit hat bestimmt.

Frage: Was ist Ihr persönlicher Favorit?

Antwort: Ich habe alle sechs wirklich gerne gelesen, weil sie sehr unterschiedlich sind. Ich mag Inseln - und es sind zwei Inselromane dabei. Die „Pfaueninsel“ (Thomas Hettche) hat mich total überrascht. Ich war direkt drin. Ich war auf der Insel, die ich nicht kannte, im dunklen Dickicht. Und bei Lutz Seilers „Kruso“ auf Hiddensee ist es ähnlich. Da geht das Abenteuer im Kopf sofort los.

Frage: Haben Sie alle 176 Bücher gelesen?

Antwort: Nein. Das geht nicht. Jeder kriegt eine bestimmte Anzahl, die er besprechen muss. Und die Ergebnisse haben wir in der Jury per E-Mail ausgetauscht.

Frage: Wie viele Bücher haben Sie bekommen?

Antwort: Zunächst 30. Die muss man lesen. Und dann, um diskutieren zu können, muss man natürlich so viel wie möglich lesen. Die kamen in Kisten, später digital. Bei 176 Büchern ist klar: Die können nicht alle toll sein. Einige erfüllten gar nicht die Kategorie Roman. Ich habe über 60 intensiv gelesen, und dann waren es vielleicht noch mal so viele, die ich dann quer gelesen habe.

Frage: Jede Entscheidung für ein Buch ist ja auch eine Entscheidung gegen ein anderes ...

Antwort: Richtig. Ja. Da waren noch andere dabei, die gut sind.

Frage: Es gab auch kritische Stimmen, die Jury hätte die falschen Bücher ausgewählt.

Antwort: Wir sind sieben. Und sieben Menschen müssen sich erst mal finden und durch die Bücher finden. Kann sein, dass eine andere Jury anders entschieden hätte. Menschen sind verschieden. Menschen lesen anders, so ist es.

Frage: Und die Kritik, es seien mit fünf Autorinnen zu wenig Frauen auf der Longlist ausgewählt worden?

Antwort: Finde ich total albern. Wir waren vier Frauen zu drei Männern in der Jury. Das ist eine gute Mischung. Und wir haben einfach nach Inhalt gelesen. Und nach Relevanz. Alles, was zwischen den zwei Buchdeckeln steht. Und nicht, was ein Autor oder eine Autorin macht.

Frage: Wann wird entschieden, wer der Gewinner ist?

Antwort: Am 5. Oktober. Wir treffen uns sonntags um 14 Uhr in Frankfurt und haben drei Stunden Zeit. Da wird es festgelegt. Und montags ist dann die Preisverleihung.
ZUR PERSON: Susanne Link (44) kommt aus Koblenz und hat an der Universität Trier Anglistik, Politikwissenschaft und Kanadistik studiert. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Sortimentsbuchhändlerin bei Stephanus Bücher Trier. Seit 2005 leitet sie die Universitätsbuchhandlung Stephanus, die 2010 vom Branchenblatt Buchmarkt zur Fachbuchhandlung des Jahres gekürt wurde.

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