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Kultur Judith Holofernes stellt Tiergedichte vor
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12:27 07.12.2015
Judith Holofernes schreibt jetzt Gedichte über Tiere.  Quelle: Stephanie Pilick/dpa
Hannover

Maki, Kuh, Lemur und Marabu: Judith Holofernes mag Tiere. Bereits während ihrer Zeit bei Wir sind Helden hat sie so einige Tierarten in ihren Songs versteckt: Da treffen Elefanten („Rüssel an Schwanz“, „Ein Elefant für Dich“) auf große Fische („Echolot“), Möwe und Hund („Lass uns verschwinden“). Alle haben sie nun auch einen Platz in dem Gedichtband „Du bellst vor dem falschen Baum“ (Tropen-Verlag, 17,95 Euro) gefunden.

Neben einheimischen Tieren, wie dem Schaf oder dem Reh, tummeln sich in diesem bunten Lyrikzoo auch andere Arten wie die Qualle oder der Sekretär, ein großer Vogel. Holofernes bewundert sie: „Tiere sind deutlich besser drauf als Menschen. Wenn es nichts zum Leiden gibt, dann leiden sie nicht – das können Menschen nicht.“ Den Menschen über das Tier zu verstehen, das sei das Komische, das ihre Lyrik ausmache, sagt Holofernes im Gespräch mit Charlotte Milsch vom Literarischen Salon und fühlt sich sichtlich wohl in der Rolle als Autorin: „Eigentlich habe ich schon immer Gedichte geschrieben. Jetzt mache ich nur keine Musik mehr dazu.“

Dass das nicht so ganz stimmt, weiß sie selbst: Die Ukulele liegt griffbereit neben der 39-Jährigen, das Lied „John Irving“ aus ihrem Soloalbum „Ein leichtes Schwert“ (2014) gibt sie spontan sogar ohne instrumentale Unterstützung wieder. Das gefällt den Besuchern des Salons. Da ist nichts mehr von der melancholisch-düsteren Stimmung der Texte des letzten Wir-sind-Helden-Albums „Bring mich nach Hause“ (2010). Das Solo-Dasein tut Holofernes gut. Und das Nichtstun. „Nach Wir sind Helden habe ich mir erst einmal eine Hängemattenphase verordnet“, erzählt sie. Der Müßiggang ist eine produktive Lebens- und Arbeitsform, davon ist Holofernes überzeugt.

Sie wisse aber auch, dass diese Einstellung auf viele anstößig wirke: „Das ist dann plötzlich ein hochpolitisches Thema. Nichtstun als Kapitalismuskritik, als eine Verweigerung von einem gewissen Narrativ von Welt – nicht jeder kommt damit klar.“ Was Wir sind Helden bereits 2003 mit dem Song „Ist das so?“ infrage stellte, führt Holofernes nun mit ihren (nichtstuenden) Tieren weiter aus: das philosophische Interesse an unserer (Arbeits-)Gesellschaft, die es komisch-kritisch zu untersuchen gilt. Ein durchaus gelungener Jahresabschluss des Literarischen Salons.

Ins neue Jahr startet der Literarische Salon am Montag, 11. Januar, mit dem ehemaligen „Star Wars“-Produzenten Rick McCallum.     

Von Melanie Huber

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