Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Kultur Da braut sich etwas zusammen
Mehr Welt Kultur Da braut sich etwas zusammen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:00 12.08.2014
Einst „Fräuleinwunder“, jetzt Romanautorin: Judith Hermann. Quelle: Labes
Hannover

Würde der jungen Mutter nicht ein Wahnsinniger nachstellen, wäre ihr ruhiger Alltag kaum der Rede wert. Irgendwo in der angelsächsischen Welt wohnen Vater, Mutter, Kind in einer austauschbaren Siedlung am Stadtrand. Vor etwa fünf Jahren hat sich Stella mit dem gut aussehenden Handwerker Jason zusammengetan und damit dem Provisorium ihrer Jugend und der unschlüssigen Suche ein Ende gesetzt. Das Paar hat ein nettes Häuschen bezogen, und Töchterchen Ava fühlt sich im nahen Kindergarten wohl.

Auch aus Judith Hermann, dem einst gefeierten „Fräuleinwunder“, ist mittlerweile eine erwachsene Mutter geworden. Die 1970 in Berlin-Tempelhof geborene Autorin hat dem Genre der Erzählung in Deutschland zu neuem Ansehen verholfen. Mit Bänden wie „Sommerhaus, später“ (erschienen 1998) oder „Nichts als Gespenster“ (2003) machte sie sich außerdem zur Spezialistin einer Generation, die sich schwer tut mit dem Glück, obwohl ihr die Welt zu Füßen liegt. Nun legt die mittlerweile 44-Jährige mit „Aller Liebe Anfang“ erstmals einen Roman vor; morgen erscheint das Buch. Auch über die längere Distanz bleibt Judith Hermann ihrem Erfolgsrezept treu: Ähnlich wie in Hermanns Erzählungen geschieht auch in ihrem Roman kaum etwas, und die Zeit scheint stillzustehen. Das Besondere auch an diesem Buch ist, dass der Leser mehr in eine Atmosphäre als in eine Handlung hineingezogen wird.

Mit Leib und Seele Mutter

Früher war Stella melancholisch und hatte eine anarchische Lust auf Kapriolen - jetzt ist mit Leib und Seele Mutter. Als Krankenpflegerin sieht sie den schlimmsten Zumutungen des Lebens tapfer und tatkräftig ins Gesicht. Der Leser erlebt sie bei ihren Hausbesuchen und lernt drei Patienten näher kennen.

Das Verhältnis zu ihrem Mann, der auf Fernbaustellen sein Geld verdient, bleibt ziemlich rätselhaft. Kehrt Jason nach tagelanger Abwesenheit heim, fällt sich das Ehepaar nicht in die Arme. Leidenschaft, Gefühle und Sexualität scheinen in dieser Beziehung keine Rolle zu spielen. Einmal heißt es, Stella sei „süchtig nach dem Alleinsein“.

Ein Rest von alter Unvernunft offenbart sich in ihrem manchmal poetischen Blick auf die Welt, der mit ihrem tagtäglichen Pragmatismus kontrastiert. Stellas banale Verrichtungen erscheinen aufgewertet, und das Unheil, das sich wie ein Gewitter zusammenbraut, taucht die Szenerien in ein dramatisches Licht. Die berechenbare Normalität wird unberechenbar.

„Worauf wartet sie?“

Ein paar Häuser weiter wohnt Mister Pfister, ein einsamer Psychopath, der sich nicht abschütteln lässt. Er stalkt Stella und ist „ein verdammtes Gespenst“ mit einer „schlaffen, gepeinigten Aura“. Sobald Stellas Mann weggefahren ist, klingelt er zu jeder Tages- und Nachtzeit. Bis zum bitteren Ende von „Aller Liebe Anfang“ bleibt Mister Pfister eine unscharfe, dämonische Gestalt im schwarzen Kapuzenpulli. Er steckt immer wieder Briefchen und merkwürdige Dinge in den Briefkasten. Stella möchte sich „ihre Passivität erklären, ihr Warten. Worauf wartet sie?“ Ihr Fluchtwunsch zerstört die Statik des kleinen Glücks, das Gleichgewicht aus Beruf, Ehe und Nachbarschaft.

Spannung erzeugen die vielen Details des Romans, weil der Leser nicht weiß, ob sie noch einmal wichtig werden. Doch so ziemlich alles - auch der schleierhafte Titel „Aller Liebe Anfang“ - folgen dem Prinzip der Willkür. Die Autorin liebt das Vage, das Sowohl-als-auch. Nur drei Beispiele, es gibt noch mehr davon: Ein Haus „sieht nicht unbewohnt aus und auch nicht bewohnt“. Irgendwas an einem „blonden Mädchen ist zu wenig. Oder irgendwas ist zu viel.“ Und Stella „weiß so viel“ von jemandem „und so wenig“. Mit dem Buch ergeht es dem Leser ähnlich: Es ist spannend, und es ist langweilig, es ist glanzvoll, und es ist trivial.

■ Judith Hermann: „Aller Liebe Anfang“. S. Fischer Verlag. 220 Seiten, 19,99 Euro.

Karim Saab

Kultur „Teenage Mutant Ninja Turtles“ - Die „Turtles“ stürmen die US-Kinocharts

Vier kampfwütige Schildkröten sind die neuen Stars in den US-Kinos. Mit unerwartet hohen Einnahmen setzten sich die „Teenage Mutant Ninja Turtles“ gegen Weltraum-Action und Tornado-Katastrophen durch.

12.08.2014

Mit Spannung wurde die Neuproduktion von Giuseppe Verdis "Il Trovatore" bei den Salzburger Festspielen erwartet. Sopranistin Anna Netrebko und Startenor Placido Domingo jubelten die Zuschauer zu – für den Regisseur fiel der Beifall verhaltener aus.

10.08.2014
Kultur Kritik zu „Planet der Affen: Revolution“ - Affen sind auch nur Menschen

Ende der Koexistenz zwischen Menschen und Affen: Im Science-Fiction-Abenteuer „Planet der Affen: Revolution“ gewinnt der Hass die Oberhand. Der Film läuft seit dem 7. August im Kino.

Stefan Stosch 11.08.2014