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Kultur „Ich bin jetzt ein besserer Mensch“
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00:16 29.06.2013
Von Stefan Stosch
In Asien schon lange ein Star: Tony Leung. Quelle: dpa

Herr Leung, kann jemand aus dem Westen diesen sehr meditativen Film wirklich verstehen?
Nicht einmal Chinesen wie ich verstehen alles. Der Film spielt in der goldenen Zeit der Martial Arts, und damit sind viele Traditionen verbunden. Aber Sie sind ja frei zu interpretieren, es gibt kein Richtig oder Falsch. Wenn Sie sich ein Bild anschauen, kommen Sie ja auch zu einem ganz persönlichen Urteil.

Heute hat Kung-Fu vornehmlich einen sportlichen Aspekt. Auch für Sie?
Kung-Fu ist viel mehr. Vier Jahre habe ich die Kampfkunst für diesen Film studiert. Wir möchten mit „The Grandmaster“ etwas vom wahren Geist des Kung-Fu vermitteln. Das ist nicht nur eine Kampftechnik. Die Geschichte von Kung-Fu ist jahrtausendealt. Es geht eher ums Spirituelle und um die Art, wie wir leben.

Vier Jahre? Was haben Sie all die Zeit gemacht?
Ich habe jeden Tag drei Stunden trainiert, zu Beginn die grundsätzlichen Techniken, später ging es ums Verstehen. Bücher bringen wenig, du brauchst die Praxis. Ich musste das durchleben, was auch ein Großmeister durchlebt. Da geht es um Seele – noch viel mehr als um Dialoge oder dramatische Szenen.

Sind Sie durch Kung-Fu auch ein besserer Schauspieler geworden?
Kein besserer Schauspieler: ein besserer Mensch. Meine Art, das Leben zu verstehen, hat sich verändert.

Wie meinen Sie das?
Ich kann die Wirklichkeit nicht verändern. Aber ich kann sie in einer optimistischen oder in einer pessimistischen Weise annehmen. Das hat mit Weisheit zu tun. Wissen Sie, ich bin Buddhist und meditiere sowieso. Es gibt eine Verbindung zwischen Buddhismus und Kung-Fu. Auch durch Buddhismus möchte man zu einer besseren Person werden.

Haben Sie auch an Selbstbewusstsein gewonnen?
Oh ja, früher habe ich oft gedacht, dass ich kein wirklich guter Schauspieler bin. Das hat sich geändert. Mein Kung-Fu-Lehrer hat immer gesagt: Ich lehre dich dieses und jenes, aber: Denk selbst! Es war gut, dass ich schon 46 war, als ich mit Kung-Fu begonnen habe. Da war die Selbstreflexion leichter.

Es gab auch Rückschläge – gesundheitlicher Art. Was ist passiert?
Ich habe mir den Arm gebrochen, gleich zweimal. Beim ersten Mal war es ein Trainingsunfall. Der Knochen am Unterarm war glatt durch. Der Doktor sagte, das würde vier Monate dauern. Nach zwei Wochen bin ich heimlich joggen gegangen, unter großen Schmerzen.

Und dann?
Fünf Monate später haben wir mit dem Drehen begonnen. Endlich! Und gleich in der ersten Kampfszene, in der ich gegen acht Gegner antrete, habe ich mir den Arm wieder gebrochen. Es hatte dieselbe Stelle wieder erwischt. Ich konnte nicht einmal mehr eine Teetasse hochheben. Wong Kar-Wai hat die kompletten Dreharbeiten umschmeißen müssen.

Sie sind Stammschauspieler bei Wong Kar-Wai. Er ist kein ganz einfacher Regisseur, oder?
Ich kenne das Team seit 20 Jahren. Trotzdem ist es immer ein Abenteuer. Du weißt oft nicht, worum es in der Geschichte geht. Es gibt kein Drehbuch wie bei Ang Lee. Aber so ist das, wenn du mit Wong Kar-Wai arbeitest.

Wie laufen denn die Dreharbeiten normalerweise ab?
Er weist mich nie in Details ein. Ich soll raten, wie die Szene funktioniert. In diesem Fall hatte ich Glück: Ich konnte mich mit Yip Man beschäftigen. Es gibt viele Filme über diesen Großmeister, zu dessen berühmtesten Schülern Bruce Lee gehörte.

Wenn ich Sie heute Nacht auf der Straße angreife, wehren Sie sich dann mit Kung-Fu?
Auf jeden Fall. Sie sollten es lieber lassen.

Ein Mann, das Meer, ein Kampf ums Überleben. Es gibt offenbar ein tiefes Bedürfnis nach Geschichten wie dieser, nach Heldenepen, die von der Würde des Menschen erzählen, selbst wenn er im Kampf mit der Natur unterliegt.

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