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17:02 19.08.2015
Bunt statt Braun: Die Band Frei.Wild hat mit einem Facebook-Post überrascht. Quelle: Isabel Schiffler (Archiv)

„Die Welt ist bunt! Und Frei.Wild’s Ländereien sind es auch!“ ist der Artikel überschrieben, in dem die Band sich zudem gegen Gewalt und für Menschlichkeit einsetzt, insbesondere für Flüchtlinge. „Ganz egal, ob ,Pegida’, ,AfD’, ,Keine Asylanten in ...’ usw: Ihr seid Scheiße und diese Scheiße werden wir nicht zulassen!“ Was folgte: Ein Schwall von verbalen Exkrementen in den Kommentaren auf der Facebook-Seite von Frei.Wild. Dass sich Frei.Wild jetzt für Flüchtlinge einsetzt, verwunderte manche, schließlich wurde der südtiroler Deutschrock-Band gern vorgeworfen, eher rechts zu stehen.

Die Worte des ersten Artikels vom Wochenende hätten genau das bewirkt, was man bewirken wollte, schreibt die Band nun. Es gab viele Reaktionen - Unterstützung, aber auch Unverständnis. Die Band habe, so die Einschätzung von Frei.Wild, „die Wölfe im Schafspelz ein für allemal enttarnt und ihnen die Masken schonungslos vom Gesicht gerissen.“ Oha. Das Pathos der Worte passt zur Band. Es findet sich auch in den Liedtexten.

Sänger Philipp Burger ist ein Viel- und Schnellschreiber, das merkt man den Liedern an, die oft voll von recht einfach gebauten Bildern sind. Und das merkt man auch seinen vielen Einträgen und Reaktionen in sozialen Netzwerken an. Die echten Fans, so die Band, müssten nun noch einmal die pauschalen Vorwürfe aushalten. „Gewisses Saatgut will erstmal komplett gekocht werden, um die Faulen, Verdorbenen und auch Unverkraftbaren zu erkennen und auszusortieren“, heißt es in dem Artikel der Band.

Zusammenhalt unter Anhängern

Natürlich melden sich „die Unverkraftbaren“ vehement weiter zu Wort. Die neuerlichen Aussagen der Band seien der nächste Schritt in den Mainstream, sagen sie. Die Band würde sich anbiedern, ihre echte Meinung verbergen, kein Rückgrat zeigen. Andere nennen die Musiker einen Haufen Verräter oder als Diffamierer von allem, was nicht „politisch korrekt“ sei und was man ja nun mal sagen dürfe. Manche Kommentare sind auch differenzierter, etwa der Verweis auf ein Lied von Frei.Wild, in dem es heißt: „Ich scheiß auf Gutmenschen, Moralapostel ...“. Die Diskussionen zeigen auch, dass keine Fangruppe homogen ist. Auch wenn sie sich vielleicht manchmal so gefühlt hat.

Der Druck von Außen lässt die Teilchen im Innern zusammenrücken. Das gilt für die Physik, und es gilt auch für Menschengruppen. Je größer etwa Spott und Hass gegen Musiker, umso größer ist auch der Zusammenhalt unter den Anhängern - egal, ob diese nun den Wendler oder Justin Bieber mögen.

Dieses „Wir gegen euch“ ist schon lange ein Erfolgsfaktor von Frei.Wild. Die Band mit Sänger Philipp Burger kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Burger sang erst rechtsextreme Texte für die Band Kaiserjäger, gründete dann 2001 Frei.Wild. Mit hartem Rock, Pathos und Heimatliebe füllte die Band ein stückweit auch die Lücke, die die zwischenzeitlich aufgelösten Böhsen Onkelz gelassen hatten. Manche Journalisten nannten die Musik der Band Rechtsrock. Andere, wie Jugendforscher Klaus Farin, verwiesen auf die besondere Bedeutung des Wortes Heimat für die Südtiroler und bezeichneten die Lossagungen der Band vom Extremismus als glaubhaft.

Für öffentlichen Einsatz gibt es Hass

Frei.Wild kann man wegen vieler Textzeilen auch heute weiter merkwürdig finden, mit all dem diffusem Heimatstolz und der fehlenden Differenzierung von rechtem und linkem Extremismus.

Die Diskussionen um Frei.Wild und deren Fans zeigen aber auch einen anderen Kampf: Wer sich als öffentliche Person, mit welchen Motiven auch immer, für Schwache einsetzt, der bekommt Hass zu spüren. Die Band Culcha Candela etwa unterstützte kürzlich eine Petition gegen Abschiebung - und verlor „Fans“ auf Facebook. Verunglimpfende Kommentare löscht die Band nur noch.

Fans auf Facebook sind natürlich nicht identisch mit den Fans vor der Bühne. Trotzdem fühlen sich Musiker wie Farin Urlaub (Die Ärzte) oder Jennifer Weist (Jennifer Rostock) überfahren und angeekelt, wenn auf der Seite, die ihren Namen trägt, übelster Rassismus ausgedrückt wird. Und Til Schweiger versucht fast täglich, die rechten Schmierer von seiner Facebookseite zu verbannen. Ihn treibt dabei sicher auch die bittere Erkenntnis, dass ein beträchtlicher Teil der Menschen in Deutschland offen für rechte Aussagen ist. Das ist eben beim „Tatort“-Publikum oder den „Honig im Kopf“-Kinogängern nicht anders.

Die Spaltung ist ein weiterer Prozess, den sowohl Physiker als auch Soziologen kennen. Dazu wird es bei Frei.Wild aber eher nicht kommen. Das aktuelle Album „Opposition“ steht nach dem Einstieg auf Platz eins im Frühjahr immer noch in den deutschen Top 30. Im Frühjahr strömten mehr als 5000 Fans in die ausverkaufte Swiss-Life-Hall in Hannover.

Ein paar Fans werden die Südtiroler verlieren, so wie bei den anderen Extremismuslossagungen zuvor. Und wie bei den anderen Lossagungen werden sie mehr neue Fans gewinnen.

Von Gerd Schild

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