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„Big Time“ – Der Mann, der an den Wolken kratzt

Kino „Big Time“ – Der Mann, der an den Wolken kratzt

Eigentlich wollte er Comiczeichner werden. Der dänische Regisseur Kaspar Astrup Schröder porträtiert in „BIG Time“ (Kinostart am 8. Februar) seinen Landsmann, den Stararchitekten Bjarke Ingels. Der Film ist stylish wie Ingels’ silgern-gläserne Bauten.

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Die Silhouette der Stadt wird neu: Stararchitekt Bjarke Ingels plant den vierten Turm des neuen World Trade Centers. Die Fertigstellung wird erst in den Zwanzigerjahren erfolgen.

Quelle: Salzgeber

Hannover. Man hört die Manhattan-Kakophonie der Straße. Ein Mann sitzt im Stau im Taxi. Irgendwo festzusitzen ist nicht sein Ding, er verlässt das Auto und geht zu Fuß durch die Straßen New Yorks. Es ist Bjarke Ingels, 40, dänischer Stararchitekt, der die Skyline der Stadt verändern wird, der „Two World Trade Center“ baut, einen gläsernen, sich verjüngenden Schachtelturm, den vierten Tower, der in den Zwanzigerjahren die Heilung von Ground Zero abschließen soll. Es ist der Ort des 11. September 2001, als von Terroristen gesteuerte Linienflugzeuge in die Zwillingstürme des alten World Trade Center rasten.

„Es gibt nichts Tolleres als Gebäude zu bauen“

Regisseur Kaspar Astrup Schröder lässt seinen Landsmann aus seinem Leben erzählen, seine Visionen darlegen. Er fährt mit ihm durch Kopenhagen, wo sich Ingels an seine Anfänge erinnert: Kinderspiele im Elternhaus, erster Job als Zeitungsausträger. Wir besuchen mit ihm seine Eltern und erfahren, dass der Sohn Comiczeichner werden wollte und sich gegen die von den Eltern empfohlene Architekturschule sträubte. „Es gibt nichts Tolleres als Gebäude zu bauen“, sagt er heute. „Etwas zu kreieren, was so nie zuvor in der Welt existiert hat.“

Die Kamera zeigt die großen Ingels-Kreationen, die hell und harmonisch sind, geschwungen, gläsern, silbern, kühl und grün. Sein künstlerisches Herangehen: verspielt, träumerisch, mit Fantasie. Er will ein Kraftwerk erschaffen, dessen Schornstein Rauchringe ausstößt. „Wenn Opa Rauchringe macht, geht es ihm verdammt gut“, sagt er zur Begründung. Schröder zeigt uns ein smartes Genie in seiner Einsamkeit – die Bauherren glauben meist nicht an sein Team sondern allein an ihn. Im Versuch, sein Sujet zu spiegeln, hat Schröder allerdings ein allzu hochglänzendes Porträt abgeliefert, ein Filmgebäude, silbern und kühl, das dann auch eine dramatische Spitze besitzt - als Ingels‘ Arbeit von einer Krankheit torpediert zu werden scheint.

Von Matthias Halbig / RND

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