Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Kultur „Fences“: Träume, die nicht fliegen dürfen
Mehr Welt Kultur „Fences“: Träume, die nicht fliegen dürfen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:04 24.02.2017
Denzel Washington als Troy und Viola Davis als Rose in dem oscarnominierten Film „Fences“. Quelle: epd
Hannover

Der Baseballschläger lehnt immer noch im Hinterhof. Der Ball, den es zu treffen gilt, baumelt an einer Schnur. Viel sinnbildlicher geht es kaum: Troys Träume können nicht wirklich fliegen. Seine einstige Hoffnung, ein Baseballstar zu werden, hat er schon vor langer Zeit begraben müssen. Als Troy (Denzel Washington) jung war, durften Schwarze noch nicht in der Major League spielen, und später saß er im Gefängnis.

Jetzt ist er Müllmann in Pittsburgh, bringt eine schmale Lohntüte nach Hause und genehmigt sich mit seinem Kumpel Bono freitags eine Flasche Gin. Alles, was Troy in seinem Leben noch zu erreichen hofft, ist der Aufstieg vom Trittbrett ins Führerhaus des Müllwagens. Und schon das ist für ihn ein gewagter Schritt über Rassenschranken hinweg.

Über zweieinhalb Stunden erzählt das Drama „Fences“ von verbotenen Träumen. Auch räumlich wird das spürbar: Viel mehr als Troys Hinterhof und Wohnzimmer bekommen wir nicht zu sehen. Hier lernen wir Ehefrau Rose (Viola Davis), Teenagersohn Cory (Jovan Adepo) und dessen viel älteren Stiefbruder Lyons (Russell Hornsby) kennen. Und hier zerbricht auch der Zusammenhalt der Familie – denn der desillusionierte Troy verbietet es allen anderen, ihre Träume zu verwirklichen.

„Fences“ beruht auf einem Theaterstück des 2005 gestorbenen US-Bühnenautors August Wilson. In zehn Stücken – für jedes Jahrzehnt eines – hat der zweifache Pulitzer-Preisträger den „Zyklus eines amerikanischen Jahrhunderts“ aus afroamerikanischer Sicht verfasst. „Fences“, angesiedelt in den Fünfzigern, war schon am Broadway ein Riesenerfolg, Washington und Davis spielten dort in einer Inszenierung gemeinsam die Hauptrollen. Nun hat Washington das Stück ins Kino gebracht (seine dritte Regiearbeit nach „Antwone Fisher“ und „The Great Debaters“) und sich sklavisch an die Vorlage gehalten.

Pessimistischer Film über das Leben von Afroamerikanern

Cineastische Kabinettstückchen sollte man bei dieser Theaterlastigkeit nicht erwarten. Hier zählen das gesprochene Wort und die glänzenden Darsteller. „Fences“ ist der wohl pessimistischste Film über das Leben von Afroamerikanern, der in eineinhalb Wochen zu Oscar-Ehren kommen könnte. Er konkurriert mit dem Feel-good-Movie „Hidden Fi- gures“ über drei schwarze Nasa-Wissenschaftlerinnen und dem Drama „Moonlight“ über einen jungen schwulen Afroamerikaner. „Fences“ dürfte es da schwer haben. Doch es lohnt, diesen traurigen Troy kennenzulernen, der schwer an der Last des Rassismus trägt.

Von RND/Stefan Stosch

Manche Menschen haben Angst für Höhe, andere vor engen Räumen. Ingeborg-Bachmann-Preisträger Tex Rubinowitz schlottern die Knie, wenn er telefonieren muss.

24.02.2017

Der große Globe-Sieger im Kino: Ryan Gosling und Emma Stone tanzen sich ins „La La Land“. Der Musical-Film ist mit 14 Oscars für die meisten Kategorien nominiert.

24.02.2017

Die Buchautorin und Hippie-Ikone Jutta Winkelmann ist tot. Sie erlag am Donnerstag im Alter von 67 Jahren in München einem Krebsleiden, wie ihr Verlag Weissbooks mitteilte.

23.02.2017