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Kultur Ein hörenswerter Film über Jazz
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00:00 08.06.2017
Liebe auf Zeit: Chet Baker (Ethan Hawke) überspielt seiner geliebte Jane (Carmen Ejogo) mit Jazz das Meeresrauschen. Quelle: Foto: Alamode
Hannover

Er war eine faszinierende und schillernde Künstlerpersönlichkeit: Chet Baker, dessen Karriere als „James Dean des Jazz“ begann und der als Drogenwrack 1988 im Alter von nur 58 Jahren aus einem Hotelzimmer in Amsterdam zu Tode stürzte. Dem Leben dieses weißen Trompeters und Sängers nähert sich nun die filmische Biografie „Born To Be Blue“, die der kanadische Regisseur Robert Budreau inszeniert hat und die einen kurzen Ausschnitt aus Bakers Leben frei nachzeichnet; und zwar die 60er Jahre, als der Musiker Anfang 30 war. Der Film beginnt in einer Gefängniszelle in Italien, wo Baker (Ethan Hawke) wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz mal wieder einsaß und endet mit seinem legendären Auftritt im New-Yorker-Club Birdland, wo er nach einer Lebenskrise vor berühmten Kollegen wie Miles Davis und Dizzy Gillespie sein Comeback feierte.

Ein qualvoller Neubeginn

Dazwischen erleidet er einen schweren Schicksalsschlag, als er vermutlich von Drogendealern zusammengeschlagen wird. Dabei verliert er die obere Zahnreihe – eine Katastrophe für einen Trompeter, der ohne seine Schneidezähne seinen Ansatz am Mundstück verliert – und damit seinen Ton. Doch Baker gibt nicht auf, dafür liebt er seine Musik zu sehr. In qualvollen Monaten bringt er sich, nun mit künstlichem Gebiss, wieder das Spielen bei. Wie quälend diese Zeit war, zeigt eine selbst beim Zuschauen schmerzhafte Szene. In ihr sieht man, wie Baker angezogen in einer Badewanne sitzt und sein Instrument zu spielen versucht. Das Blut läuft ihm dabei aus dem Mund, sein Gesicht und seine Kleidung sind verschmiert. Anschließend bricht er völlig zusammen.

Seine Freundin Jane (Carmen Ejogo) – eine fiktive Figur – hilft ihm schließlich mit ihrer Liebe wieder auf die Beine, ja ihretwegen nimmt er eine Zeit lang auch keine Drogen mehr und arbeitet verbissen, trotz einiger heftiger Rückschläge, an seinem Comeback. Das gelingt ihm dann auch, dafür aber geht seine Beziehung zu Jane in die Brüche, und er greift wieder zu Drogen. Letztes zeigt der Film ganz am Ende in einer herzergreifend melancholischen Szene: Bei dem schon erwähnten Konzert im Birdland singt Baker „I’ve Never Been in Love Before“, eines der schönsten Liebeslieder des Jazz. Im Club ist natürlich hollywoodgerecht auch seine Freundin Jane, die plötzlich schmerzhaft erkennen muss, das er dabei nicht von seiner Liebe zu ihr, sondern zu seiner Musik und zu Heroin singt.

Bisweilen wird die Grenze zum Kitsch überschritten

Solche schön traurigen Momente gibt es zahlreiche in diesem Film, der bisweilen sogar die Grenze zum Kitsch überschreitet. Und der die reale Figur Chat Baker zur Musik-Ikone verklärt. Dabei beruht vieles, was zu sehen ist, nicht auf Fakten, sondern auf Mythen und Legenden über den Protagonisten. Aber: Schwamm drüber! Dafür ist der Soundtrack einfach zu wunderbar, obwohl kein Ton von Chet Baker selber stammt. Die Trompete im Film spielt Kevin Turcotte erstaunlich stilsicher. Und Hauptdarsteller Hawke entpuppt sich als guter Sänger, der mit samtweicher, fast femininer Stimme Lieder wie „My Funny Valentine“ haucht. Und der auch ansonsten in seiner Rolle überzeugt, dabei versteht man sogar den Vergleich mit James Dean.

Noch eines schafft dieses melancholische Musikerdrama: Es weckt neues Interesse an der Musik Chet Bakers und an dessen faszinierende, allerdings auch selbstzerstörerische Hingabe für den Jazz. Da nimmt man gern in Kauf, dass der Film selbst nur wenig zu tun hat mit dem realen Leben dieses einzigartigen Künstlers.

Von Ernst Corinth / RND

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