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Kultur Ein Preis für den unbequemen Versöhner
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20:04 04.12.2016
Schriftsteller Navid Kermani erhält von Martin Schulz die Auszeichnung. Quelle: dpa
Hamburg

Bequem ist er für keine Seite. Nicht für die Muslime, denen er schon mal vorhält, sie machten es sich ein bisschen zu einfach, wenn sie behaupten, Terrorismus und Islam hätten nichts miteinander zu tun. Aber bequem ist er auch für die Christen nicht, denen er entgegenhält, dass er das Kreuz rundweg ablehnt. Man kann es sich zweifellos leichter machen als der Schriftsteller Navid Kermani.

Mit seiner kritischen Distanz zu beiden Religionen hat sich der 49-Jährige jedoch zugleich eine große Glaubwürdigkeit erworben – und das ist einer der Gründe, warum Kermani in Hamburg den Marion-Dönhoff-Preis für internationale Verständigung und Versöhnung erhielt. „In einer Zeit, in der unsere so tief gespaltenen Gesellschaften vor enormen Herausforderungen stehen und wir deshalb Brückenbauer brauchen, ragt Navid Kermani wahrlich heraus“, erklärte der Laudator, der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz. Als Versöhner und moralische Instanz nehme Kermani deshalb eine Sonderstellung ein. Der Weg von Kafka zum Koran, könnte man sagen, war für ihn noch nie so fürchterlich weit.

Auch bei seiner Dankesrede gestern im voll besetzten Deutschen Schauspielhaus wurde Kermani seinem Ruf durchaus gerecht. Den Vormarsch populistischer Politiker in Europa und den USA hält der Publizist zum Beispiel keineswegs für das Ergebnis begriffsstutziger Bürger, die eben schlicht das Falsche wählen.

Martin Schulz beglückwünscht Schriftsteller Navid Kermani. Quelle: dpa

Verantwortung trügen vielmehr die etablierten liberalen Parteien und ihr wenig inspirierender Pragmatismus, sagte Kermani. Dagegen habe der künftige US-Präsident Donald Trump mit seinen Visionen Begeisterung geweckt. Ein Grünen-naher Intellektueller, der vor dem liberalen Hamburger Publikum der „Zeit“, die den Preis zusammen mit der „Zeit“-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius und der Marion-Dönhoff-Stiftung vergibt, ausgerechnet Donald Trump lobt? Das muss man sich erst mal trauen.

Für Navid Kermani ist es durchaus konsequent. Dass er dennoch 2014 im Bundestag die Festrede zu 65 Jahren Grundgesetz halten durfte, dass er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhielt und zuletzt als Bundespräsidentenkandidat gehandelt wurde, liegt daran, dass dennoch stets klar ist, wo er steht. Seine Kritik gilt der eigenen intellektuellen Heimat – sie ist ein Zeichen, wie sehr ihn etwas beschäftigt.

Für das Christentum jedenfalls empfindet Kermani tiefe Sympathie – und auch seine Parteienkritik sollte man nicht missverstehen. Kermani sagte: „Europa ist und bleibt die positive Antwort auf die Herausforderungen.“

Von Ulrike Cordes und Thorsten Fuchs

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