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Kultur Doda gewinnt Wettbewerb der Ballett Gesellschaft Hannover
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21:16 25.04.2011
15 Kandidaten, die aus 170 Bewerbern ausgewählt worden waren, traten gegeneinander an. Quelle: Spiering

Schnell, variantenreich und leicht ist die Musik. Und genauso bewegt sich der große kahlköpfige Mann am Boden. Er zieht die Beine vor und zurück, setzt die Füße versuchsweise auf, krümmt sich, streckt sich in fließenden Bewegungen. Kein Zweifel: Er tanzt Tango-Walzer. Halb liegend. Das macht ihm so schnell keiner nach. Die Choreografie „1/2 Waltz“ des Albaners Gentian Doda ist denn auch beim 25. „Internationalen Choreographenwettbewerb“ der Ballett Gesellschaft Hannover am Wochenende in der Staatsoper gleich zweimal prämiert worden: mit dem ersten Preis der aus acht renommierten Ballettdirektoren zusammengesetzten Expertenjury (6000 Euro) und mit dem von Ed Wubbe, dem künstlerischen Leiter des Wettbewerbs, gestifteten Scapino-Produktionspreis. Dieser ermöglicht es Doda, am „Scapino-Ballet Rotterdam“, dessen Direktor Wubbe ist, ein neues Stück zu kreieren.

„1/2 Waltz“ ist ein Duett, das im Gegensatz zu den vielen anderen Paartänzen dieses Wettbewerbs keine ermüdende Beziehungsgeschichte mit herkömmlichen Mann-und-Frau-Klischees erzählt. Vielmehr steht die Allmacht des Bösen im Vordergrund, das Bekämpfen einer schleichenden Bedrohung. Das Walzer tanzende Wesen (Dimo Kirilov Milev) heftet sich mit mephistophelischer Tücke an einen jungen Mann (Gentian Doda selbst), der ihm mal verfällt, dann aber wieder zu entkommen versucht. „1/2 Waltz“ besticht durch raffiniertes Bewegungsvokabular, perfektes Timing und Phantasie. An diesem letzten Kriterium mangelte es leider allzu oft bei diesem Wettbewerb.

15 Kandidaten, die aus 170 Bewerbern ausgewählt worden waren, traten gegeneinander an. Darunter auch zwei Mitglieder des hannoverschen Staatsballetts. Moriel Debi und David Blazquez schafften es jedoch nicht unter die besten acht, die am Sonntagabend das Finale bestritten. Inhaltlich zu plakativ, tänzerisch zu konventionell waren ihre Arbeiten. Eher schwach muteten auch die mit dem zweiten (3000 Euro) und dritten (2000 Euro) Preis ausgezeichneten Stücke an. Guiseppe Spota, derzeit als Tänzer unter Stephan Thoss am Staatstheater Wiesbaden engagiert, präsentierte ein vor Kraftmeierei strotzendes Männerduett. Dabei übernahm er selbst die tragende Rolle, während sein Partner Julio Quintanilla eher als Statist agierte – fragwürdig, wenn man zugrunde legt, dass die Choreografen selbst nicht als Solisten auftreten dürfen.

Immerhin war Spotas „Un/Attainable“ im Vergleich zum Stück des dritten Preisträgers noch atmosphärisch gelungen. Guillaume Côté aus Kanada spulte mit „No. 24“ zu einer Fingerübung von Paganini Bewegungsfolgen der Danse d’école ab. Das Duett mit Alexander Antonijevic und Elena Lobsanova bestach allein durch technische Präzision. Wie man Genauigkeit mit einer spannenden und temporeichen Bewegungssprache verknüpft und dabei noch Gespür für den punktgenauen Einsatz von Licht und Musik zeigt, stellte die Taiwanerin Fang-Yu Shen, derzeit Studentin an der Essener Folkwangschule, eindrucksvoll unter Beweis. Für die Viererformation „In a Frame of Reference“, einer abstrakten Arbeit, bei der kaleidoskopartig immer wieder neue geometrische Formen entstehen, gab es den Kritikerpreis (1500 Euro).

Die Zuschauer im fast ausverkauften Opernhaus kürten ebenfalls ein Gruppenstück zum Sieger: Ishan Rustems sphärisches „State of Matter“ bekam den meisten Applaus und gewann konsequenterweise den Publikumspreis (1000 Euro). Rustem, aus England stammend und als Tänzer in Luzern engagiert, nahm bereits im Vorjahr am „Choreographenwettbewerb“ teil. Diesmal gab es die verdiente Auszeichnung für ein Stück mit sieben Tänzern, das buchstäblich mit Licht und Schatten spielt. Zu Max Richters (als Komponist in diesem Jahr besonders beliebt bei den Nachwuchschoreografen) „On the Nature of Daylight“ bewegen sich ätherische Lichtgestalten in neoklassischer Manier. Ein philosophischer Monolog aus dem Off darüber, dass Menschen wie Wolken sind und alles immer im Auflösen begriffen ist, geben dem Stück eine Art Rahmenhandlung. Das Gute und Schöne hat gesiegt. Und doch lässt dieser Wettbewerb durchaus auch Raum für das weniger Schwerelose, wie Gentian Doda gezeigt hat.

Der freischaffende Choreograf hat sich mit seinem düsteren Gedankenspiel an ein nicht unbedingt populäres Thema gewagt. Er war einer der wenigen, die den Mut zu solch einem Experiment hatten und ist belohnt worden. Die Vorjury täte gut daran, bei der Auswahl der Kandidaten künftig mehr auf unkonventionelle Inhalte zu setzen – damit der Wettbewerb auch die nächsten 25 Jahre spannend bleibt.

Kerstin Hergt

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