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15:19 25.01.2018
Lady Gaga im August 2017 bei einem Auftritt in New York. Beim Konzert in Hamburg waren Fotografen nicht zugelassen. Quelle: Live Nation
Hamburg

Als Hors d’Oeuvre zu Lady Gaga gab’s Lady Gaga. Denn statt einer Vorband lief die Netflix-Dokumentation „Five Foot Two“, bei der Stefani Joanne Angelina Germanotta tiefe und schonungslose, wenn auch manchmal etwas narzisstische Einblicke in ihr (Seelen-)Leben gewährt. Ob Germanotta oder Gaga – die Lady ist immer im Dienst, Nähe ist für sie ein Elixier aus Aufrichtig- und Eitelkeit. Diese Frau lebt ihre Kunst wirklich durch ihre Fans. Teilhabe an den eigenen Abgründen, das ist keine PR-Masche, sondern offenbarer Wesenszug der Lady.

Auf die Leinwand-Gaga folgte gegen 21 Uhr dann die Live-Gaga – nach einem praktischen Countdown für Getränkeholer und Waschraumbesucher ging es los mit „Diamond Heart“ auf einer minimalistisch-kubistischen Plattform, die sich später noch als raffiniertes Rampen-Bühnenbild auf mehreren Ebenen entpuppen sollte. Nach dem ebenso dynamischen zweiten Titel „A-Yo“ begann die Kommunikation mir dem Hamburger Publikum – unter anderem mit einem a cappella geschmetterten „Willkommen, bienvenue, welcome“ aus dem Musical „Cabaret“. Bevor die hervorragend besetzte Band „Pokerface“ intonierte, gab’s von der Chefin noch eine klare Ansage ans hanseatisch zurückhaltende Publikum, jetzt die Hintern hochzukriegen. Gefolgt von einem militärisch auf Deutsch gebrüllten „Aufstehen“. Derlei funktioniert noch immer.

An praktisch jedem Platz schaute sie während des Konzerts mal vorbei

Im Laufe des mehr als zweistündigen Abends hielt es aber sowieso kaum jemand in der gut gefüllten Halle auf den Sitzen. Was einerseits an der perfekten Show und deren so schlicht wie genial anmutenden Bühnenbild lag. Drei unter der Decke angebrachte Stege, die in geschlossenem Zustand wie Riesen-Hotdogs anmuteten und als Video-Projektionsfläche dienten, ließen sich in Kombination mit Inseln im Innenraum zu Brücken durch die ganze Halle legen. Lady Gaga verteilte die Gunst, sie aus der Nähe hören und sehen zu können, also gänzlich demokratisch. An praktisch jedem Sitzplatz schaute sie während des Konzerts einmal vorbei – natürlich auch in der wie üblich ständig wechselnden Garderobe, wobei der Kostümtausch häufig in Sekundenschnelle in einem Kreis von Tänzern stattfand.

Hier zeigte sich deutlich der Show- und Performance-Charakter der Lady-Gaga-Konzerte, der mit Blick auf ihr kommendes Engagement in Las Vegas auch zunehmend wichtiger werden dürfte. In sieben Akte und eine Zugabe war das Programm des Abends eingeteilt – doch bei all der Professionalität des Auftritts und der Perfektion der gesanglichen Leistung, Gagas teils in Richtung Belcanto schmetternder Mezzosopran kann seine italienische Herkunft nicht verleugnen, fehlen doch nie Empathie und Dialog. Bevor sie „Come to Mama“ aus dem neuen Album Joanne singt, führt Gaga einen längeren Dialog mit dem Publikum über Anderssein und den Glauben an Toleranz. Eine Spontan-Befragung des Publikums ergibt dann unter großem Jubel allerorten eine etwa 60-prozentige Mehrheit für LGBT-Gäste, die Heteros sind augenscheinlich etwas weniger, wenngleich sie durch die eher fantasielose Normalbekleidung auch schneller auffallen an diesem Abend der Paradiesvögel. Als einer der Fans ihr eine Regenbogenflagge reicht, schwenkt Gaga die minutenlang über ihrem Piano hin und her – schön, dass wir alle wissen, wie tolerant wir doch sind.

Große akustische Momente

Neben einer heiteren Elektro-Hommage an die lebendige deutsche Clubszene und unsere Muttersprache („Scheiße“) sind es eher die großen akustischen Momente, die diesen Abend prägen, etwa die anrührende Hommage an ihre mit 19 Jahren gestorbene Tante „Joanne“, auch Titel des neuen Albums oder „Angel Down“, ihre Hymne gegen Straßengewalt. Dass sie ihre „Little Monsters“ immer noch so lieben wie vor zehn Jahren, dafür präsentiert die Lady als Zugabe auch noch mal „Million Reasons“. Zuvor las sie den Brief eines kranken Fans namens Paul, der 1700 Kilometer weit angereist war – das kollektive Tränenbad war wieder einmal eingelassen.

Dann ging sie ganz leise nach den „Million Reasons“. Was blieb, war ihr rosafarbener Hut und die Erkenntnis, dass Lady Gaga mittlerweile wohl die kompletteste Künstlerin im ganzen Musikbusiness ist. Es bleibt zu wünschen, dass in Las Vegas die Kunst und Performance nicht zulasten der Show auf der Strecke bleiben.

Von Daniel Killy/RND

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