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Kultur Deutschland schickt NSU-Drama ins Oscar-Rennen
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15:22 24.08.2017
Regisseur Fatih Akin liefert mit seinem neuesten Werk wieder Kino mit persönlichem Bezug ab. Quelle: dpa
Hannover

Mit diesem Film lief es für Fatih Akin von Anfang an gut: Erst wurde „Aus dem Nichts“ für den Wettbewerb in Cannes nominiert, dann gewann Hauptdarstellerin Diane Kruger dort im Mai die Darsteller-Palme. Und nun hat der Hamburger Regisseur mit seinem NSU-Rachedrama den ersten Schritt im Oscar-Rennen gemacht: Zumindest von deutscher Seite wurde er am Donnerstag nominiert. Damit hat sich ein aktuell brisanter Stoff durchgesetzt und kein gut abgehangenes Historienstück, wie es in den vergangenen Jahren immer wieder von der deutschen Auswahljury favorisiert worden war.

Unter den elf Kandidaten für den deutschen Oscar-Beitrag befand sich ebenso die Flüchtlingskomödie „Willkommen bei den Hartmanns“, einer der erfolgreichsten Filme des Vorjahres. Akins grimmiges Werk wurde zu Recht als gewichtiger erachtet: Ein Bombenattentat in Hamburg tötet einen Familienvater mit türkischen Wurzeln und dessen kleinen Sohn. Die Witwe (Diane Kruger) verzweifelt an der Blindheit der deutschen Behörden, die die Täter partout nicht am rechten Rand, sondern im türkischen Drogenmilieu finden wollen. Sie entschließt sich, das Gesetz in die eigene Hand zu nehmen.

Akin verarbeitet persönliche Betroffenheit in seinen Filmen

Akin ist ein Regisseur, der Kino persönlich nimmt. Das galt genauso für „The Cut“ (2014) über den Genozid der Türken an den Armeniern, und das gilt auch jetzt wieder: „Vor ein paar Jahren tauchte ich selbst auf einer Neonazi-Website als Ziel auf“, hat er in Cannes im Gespräch gesagt. „Ich habe schwarze Haare, meine Eltern sind aus der Türkei, ich bin das perfekte Ziel.“

Hauptdarstellerin Kruger, geboren als Diane Heidkrüger in Hildesheim, ist ein zusätzlicher Pluspunkt: Sie hat seit „Troja“ (2004) einen Status als Hollywoodstar, muss also in den USA nicht erst bekannt gemacht werden (anders als im Vorjahr Sandra Hüller in „Toni Erdmann). Akin, Gewinner des Goldenen Bären in Berlin mit „Gegen die Wand“ (2004), ist im internationalen Kino ein alter Hase - und feiert just am Freitag seinen 44. Geburtstag.

Große Konkurrenz aus Schweden

Man muss in „Aus dem Nichts“ (Kinostart am 23. November) also nicht unbedingt ein Meisterwerk sehen, um die Entscheidung als clever zu begrüßen. Der Weg bis zur Oscar-Gala am 4. März nächsten Jahres ist allerdings noch weit: Die Oscar-Academy siebt im Januar aus allen nationalen Nennungen fünf Kandidaten aus, nur sie können letztlich in der Kategorie bester nicht-englischsprachiger Film gewinnen. Die Konkurrenz wird hart: Zeitgleich haben die Schweden am Donnerstag Ruben Östlunds brillante Gesellschaftssatire „The Square“ für ihr Land nominiert. Und dieser Film hat in Cannes im direkten Vergleich mit Akin die Goldene Palme gewonnen.

Von RND/Stefan Stosch

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