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Kultur „Detroit“ – Polizeiterror im Sommer der Liebe
Mehr Welt Kultur „Detroit“ – Polizeiterror im Sommer der Liebe
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08:00 22.11.2017
Versucht zu retten, was zu retten ist: Der Wachmann Dismukes (John Boyega) wird Zeuge sadistischen Polizeiterrors. Quelle: Foto: Concorde
Hannover

Hier wird ein ganz finsteres Kapitel Amerika aufgeschlagen, das sich auch anderthalb Jahrhunderte nach dem Ende der Sklaverei nicht wirklich aufhellen will. Kathryn Bigelow („Zero Dark Thirty“) blickt in ihrem neuen Film auf den Rassismus im eigenen Land. Sie erzählt von Ereignissen, die 50 Jahre her sind. Anderswo in den USA war im Juli 1967 der „Summer of Love“ im Gange, die Hippiesonne schien. In Detroit aber war es das Jahr des „12th Street Riot“.

Flackernde Kamera, hastende Bilder

Fünf Tage, 43 Tote, fast 1200 Verletzte. Protestierende, mehrheitlich schwarz, gegen die Polizei von Michigan, fast ausschließlich weiß. Bigelow zeigt die Unruhen und richtet den Blick schließlich auf den „Algiers Motel Zwischenfall“, eines der fürchterlichsten Beispiele von Polizeigewalt in den USA, das sie mithilfe von Protokollen und Augenzeugenberichten rekonstruiert hat.

Bigelow und Kameramann Barry Ackroyd lassen die Welt von damals regelrecht auf den Zuschauer einstürzen. Nach einem kurzen sozialgeschichtlichen Intro über die Diskriminierung der Afroamerikaner im Norden der USA wird man jäh in eine brutale Razzia in einer illegalen Schwarzenbar geworfen. Die Härte des Polizeiauftritts führt zu einem Aufstand ohne Plan, bei dem Schwarze, blind vor Zorn, plündern und ihre eigene Nachbarschaft abfackeln. Die Handkamera flackert, die Bilder hasten am Auge vorbei. Wir sehen Menschen – angreifend, flüchtend, wie sie schlagen, sich am Boden krümmen, wie sie Weglaufenden in den Rücken schießen, wie sie sich zum Sterben unter ein Autowrack verkriechen.

Beispielloser Polizeiterror im Algiers Motel

Bigelow zoomt auf ein Musiktheater. Das Konzert des Soulsängers Larry Reed (Algee Smith) und seiner Band Dramatics wird in letzter Sekunde abgesagt, er strandet im Algiers, wo eine kleine Party Schwarzer mit zwei jungen weißen Frauen steigt. Das Domizil verspricht Schutz, bis dann der 17-jährige Carl (Jason Mitchell) eine Spielzeugpistole Richtung Nationalgarde abfeuert. Unter Führung des jungen Polizisten Krauss (unvergesslich grausam: „Maze Runner“-Star Will Poulter) stürmen drei Cops das Haus. Sie sind auf Beute aus, entfesseln einen beispiellosen sadistischen Terror.

„Detroit“ ist keins der üblichen bewegend-beunruhigenden Rassendramen mit hoffnungsvollem Ende, kein filmischer Versöhnungshändedruck, eher inszenierter Journalismus, der sich niemals in Wohlfühlzonen abregt. Auf die Lust an Provokation auf der einen Seite folgt der Rausch der Macht über die Ohnmächtigen auf der anderen. Die Angst ist greifbar, die Eskalation schrecklich, der anschließende Prozess eine Farce. Nie rückte dem Betrachter der US-Rassismus so zu Leibe. Wenn der Abspann kommt, hat man nicht das Gefühl, dass hier ein Film ausklingt, eher das hier eine große Explosion verraucht. In seiner Schroffheit steht der Film Steve McQueens „12 Years A Slave“ in nichts nach.

„Es ist 1967!“ schreit eine der Frauen im Film die Polizisten an, die sie als „Negerhure“ beschimpfen. Und heute ist 2017. Was sich seither verändert hat? Praktisch nichts. „Black Lives Matter!“ muss noch heute auf Protestplakaten geschrieben werden.

Von Matthias Halbig / RND

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