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08:12 13.06.2017
Sommer, Sonne, Pop: Dan Auerbach wurde mit krachschönem Indiebluesrock bekannt, jetzt versucht er sich in süffigem Wohlklang. Quelle: Scott Gries/Invision/AP
Hannover/Nashville

Das Leuchten auf dem Cover stammt aus dem Sechzigerjahren. Dan Auerbach sitzt hier mit seiner elektrischen Gitarre mitten im Herbstlaub, und fast wollte man seinem Blick Verzweiflung unterstellen. „Waiting on a Song“ heißt das Album und so heißt auch der erste Song. Darin erzählt der Sänger, wie schwer sein Beruf manchmal ist, wenn nichts sich fügt, wenn ein Song einfach auf halbem Wege stecken bleibt, nicht ankommen will. Er fragt sich, ob er blind oder beschränkt sei, erzählt wie er im Kreis denkt und summt, wie er die Saiten der Gitarre zupft und Akkorde schlägt, unterm Bett nachschaut und in seiner Tasche, bis er auf der Suche nach dem Lied gegen eine Straßenlampe läuft. Boing! Aua! „Songs wachsen nicht auf Bäumen“, klagt Auerbach unter Kopfschmerzen, „du musst auf die Knie gehen und um einen beten.“

In Auerbachs Keller wurde krachschön gebluest

Dan Auerbach, 38, ist schon lange ein Meister darin, alten Sounds mit aparten Ideen ein Plätzchen in der Gegenwart zu sichern. Hauptbetätigungsfeld des Sängers und Gitarristen war stets der Blues. Der Sohn eines jüdisch-polnischen Vaters legte dem Schlagzeuger Patrick Carney, seinem Freund seit Kindertagen, unter dem Duonamen The Black Keys knalligen Indiebluesrock hin. Auerbach war von der Plattensammlung seinen Vaters geprägt, kramte auf dem College ausgiebig in der Trickkiste des Mississippi-Bluesmanns Junior Kimbrough statt zu studieren. Alben wie „Rubber Factory“ (2004) oder „Magic Potion“ (2006) künden davon, und auch sein erstes Soloalbum „Keep it Hid“ von 2009 war eindeutig vom Blues geprägt. In Auerbachs Keller wurde krachschön gebluest und gerockt, in Zeiten, in denen die meisten Bands den Rock’n’Roll radiokompatibel aufplusterten.

Ein feinmelodisches Album hatte niemand auf dem Schirm

Seither ist einiges passiert. Die Black Keys hatten 2014 mit „Turn Blue“ ihr erstes Nummer-Eins-Album in den USA, sie haben diverse Grammys gewonnen und schweigen seit nunmehr drei Jahren – die längste Pause in ihrer Bandgeschichte. Auerbach ist schon vor Längerem aus Akron/Ohio nach Nashville gezogen, er hat Dr. John, Lana Del Rey und die Pretenders produziert. Er hat mit seinem Nebenprojekt, den stärker am Rhythm & Blues orientierten Arcs, 2015 ein Album aufgenommen und mit ihnen am selben Abend in einem Club in Paris gespielt, an dem die Eagles of Death Metal im Bataclan von einem islamistischen Terrorkommando überfallen wurden. Ein Schock, der bisheute wirkt. Ein feinmelodisches Soloalbum wie „Waiting on a Song“ hatte da niemand auf dem Schirm.

Ein Lied von Sam Cookes guten Musen

Aber offenbar war der betende Auerbach fromm genug, denn sein Lied übers Warten aufs Lied ist eine Glöckchen-geschmückte Schönheit geworden, die ihm wohl eine von Sam Cookes alten Soulmusen in den Schoß hat fallen lassen, diejenige, die Cooke damals „Bring it on home to Me“ beschert hatte und „Only 16“. Auerbach schwelgt auf diesem Soloausflug von den Black Keys in der hohen Kunst des simplem Pop, die Songs klingen nach Soul und Folk und – im Fall von „Livin in Sin“ – sogar nach dem Beat, wie er zuzeiten der Shadows, der Swinging Blue Jeans und der frühen Beatles gespielt wurde. Freilich singt er von schlimmerem Begehren als John und Paul 1962, die Liebste ist sein „zynischer Guru“, er braucht ihr „spirituelles Voodoo“. Letztlich geht es in und zwischen den Zeilen um schönen bösen Sex.

Gäste spielen mit. Die Signalgitarre im sonnigen Uptempo-Poprocker „Shine on Me“ erkennt man, sie gehört Mark „Dire Straits“ Knopfler. Und da ist noch eine andere Gitarre, die immer wieder mal mit viel Hall ihre „twangs“ liefert, und die gehört – wow! - Duane Eddy. Der ist inzwischen 79 und war Ende der Fünfzigerjahre kurzzeitig selbst mal ein Weltstar, hatte instrumentale Rock’n’Roll-Hits Hits wie „Rebel Rouser“ und „Peter Gunn“, zu denen die Teenies tanzten.

Pop – aber kein Pop für die Radiosender

Die ersten Kommentare für „Waiting on a Song“ waren eher nasrümpfend, als habe hier ein Indie-Sumpfgöttlein seinen Alternative-Tümpel verlassen und sei in den Mainstream hinausgeschwommen. Und wenn Auerbach im Song „King of a One Horse Town“ singt: „Ich hätte es schaffen können, aber ich habs verpfuscht / ich bin ein König mit einer rostigen Krone“, werden die Hardcore-Fans leise ihr gehässiges „so isses“ zischen. Aber schon auf dem vorletzten Album, „El Camino“ (2011), hatten die Black Keys ihre Klangwelt vergrößert, und mit „Lonely Boy“ und Gold on the Ceiling“ beeindruckende Reminiszenzen an den Glamrock der T.Rex-Jahre geschaffen. Und garantiert wird auch die Musik von „Waiting on a Song“, so melodisch sie auch immer anmutet, von keinem der hiesigen Frühstückssender gespielt werden, höchstens tief in der Nacht, wenn alle Tellerchen und Tässchen noch fein im Schrank gestapelt sind und nur die Nachteulen den Schätzen der Magerrotation lauschen. Es fehlt hier die Monotonie des heutigen Chartspop, die rhythmische Beliebigkeit. die Unterordnung der Kreativität unter die Vorstellungen der Industrieund Sender.

In Auerbachs Erdgeschoß spielt man heuer Classic Pop, wie er in den Sechziger- und frühen Siebzigerjahren angesagt. Musik für den Sommer 2017, wie man ihn ab und zu von Epigonen findet, wie ihn die Jayhawks auf „Tomorrow the Green Grass“ (1995) und Wilco auf „Summer Teeth“ (1999) machten. Wer aber glaubt, dass das so bleibt, wird garantiert überrascht werden. Auerbach jedenfalls wartet schon wieder auf Songs.

Von Matthias Halbig / RND

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