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Kultur Beklemmende Geschichten von der innerdeutschen Grenze
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20:04 26.04.2011
Fotografien, Filme und Objekte sollen 25 Stationen an der niedersächsischen DDR-Grenze beleuchten. Quelle: dpa

Anhand von Fotografien aus Archiven und Privatbesitz, Filmmaterial und knapp 100 Objekten werden „Grenzerfahrungen“ - so der Titel der Schau - sichtbar gemacht. „Der längste Abschnitt der innerdeutschen Grenze, etwa 550 Kilometer, begrenzte Niedersachsen“, sagte Museumsdirektor Thomas Schwark am Dienstag. Themen sind unter anderem Massenfluchten ganzer Dörfer, schmerzhafte Trennungen von Familien sowie Gewalt und Tod an der Grenze.

Ursprünglich sollte die 1400 Kilometer lange Demarkationslinie nur die Sowjetische Besatzungszone (SBZ) von den westlichen Zonen trennen. Mit der Gründung von zwei Staaten auf deutschem Boden wurde daraus 1949 eine Staatsgrenze. Bis 1952 konnten die Menschen noch relativ einfach die mit Stacheldrahtzäunen, Schildern und Holzpfählen gesicherte Linie zwischen Ost und West passieren. In den Jahrzehnten darauf folgte eine technische Hochrüstung mit Tretminen, Beobachtungstürmen, Sperrmauern und Selbstschussanlagen.

Vorbereitet wurde die Schau durch ein mehrjähriges von der Volkswagenstiftung gefördertes Forschungsprojekt mit Studierenden der Leibniz Universität Hannover. „Wir versuchen, die Grenze auch als kulturelles Phänomen in den Blick zu nehmen, ohne die Flüchtlinge und die Toten zu verleugnen“, sagte Detlef Schmiechen-Ackermann, Geschichtsprofessor an der Uni Hannover. Es geht um Mentalitäten: So hatte nach Meinung der Forscher der starke katholische Glauben im Eichsfeld „hüben wie drüben“ seinen Anteil daran, dass am 2. Oktober 1961 mehr als 50 Bewohner aus Böseckendorf in Thüringen ins niedersächsische Immingerode flohen.

Eine Station beleuchtet die Arbeit der Zentralen Erfassungsstelle der Landesjustizverwaltungen im niedersächsischen Salzgitter. Die 1961 von der Bundesrepublik gegründete Behörde registrierte mehr als 40 000 in der DDR verübte Gewaltakte, dazu zählten Verurteilungen, Verhaftungen und Misshandlungen. Die Arbeit der Behörde sei noch nicht wissenschaftlich umfassend aufgearbeitet, sagte Schmiechen-Ackermann. Dies solle in einem weiteren Forschungsprojekt geschehen.

Die Schau läuft in Hannover bis zum 14. August. Ein umfassendes Begleitprogramm richtet sich vor allem an Gruppen und Schulklassen. Von September an ist die Ausstellung in der Gedenkstätte Deutsche Teilung in Marienborn (Sachsen-Anhalt) zu sehen. Der Leiter der Gedenkstätte, Sascha Möbius, sagte über die von Studenten konzipierten Stationen: „Die Verbrechen der SBZ und DDR werden nicht geleugnet oder weichgespült, aber die Schau liefert Diskussionsstoff."

dpa

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