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15:07 06.04.2011
Wim Wenders sagt die Zusammenarbeit mit den Bayreuther Festspielen ab. Quelle: dpa (Archivbild)

„Zurück vom Ring!“ Den Aufschrei des Verräters Hagen, mit dem Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ endet, hat Wim Wenders offenbar wörtlich genommen. Mit seinem überraschenden Rückzug von der geplanten „Ring“-Inszenierung 2013 stürzt der berühmte Filmregisseur die Bayreuther Festspielchefinnen Katharina Wagner (32) und Eva Wagner-Pasquier (65) in die allergrößte Verlegenheit.

Denn 2013 jährt sich zum 200. Mal der Geburtstag des Komponisten Richard Wagner (1813-1883). An den Bayreuther „Jubiläums-Ring“ (dirigieren soll ihn der Russe Kirill Petrenko) knüpfen sich hohe Erwartungen, vergleichbar jenen an den „Jahrhundert-Ring“ von Patrice Chéreau 1976 - das war 100 Jahre nach der Einweihung des Bayreuther Festspielhauses. Zugleich gilt die Besetzung der „Ring“-Regie als eine Art Nagelprobe für die beiden Wagner-Schwestern, die die Leitung 2008 von ihrem Vater Wolfgang Wagner übernommen hatten. Denn bisher haben sie weitgehend das Programm abgearbeitet, das der im letzten Jahr gestorbene Vater teilweise schon bis 2015 festgezurrt hatte.

Der 65-jährige Wim Wenders („Der Himmel über Berlin“, „Paris, Texas“) hat soeben mit seinem erfolgreichen Dokumentarfilm „Pina“ über die 2009 gestorbene Wuppertaler Tanzlegende Pina Bausch den 3D-Film für sich entdeckt. Begeistert von den neuen technischen Möglichkeiten kündigte er an, weiter in 3D zu drehen. Auch wenn über die Gründe der Absage Stillschweigen vereinbart wurde, so wird im Umfeld des Grünen Hügels doch bestätigt, dass Wenders die „Ring“-Inszenierung mit einem 3D-Filmprojekt verbinden wollte und sich beide Seiten über die Modalitäten nicht einig geworden sind. So sei Bayreuth an einem Public Viewing im Premierenjahr interessiert, während Wenders ein fertiges Produkt frühestens 2015 veröffentlichen wollte, schrieb am Mittwoch die „Welt“.

Wer springt nun ein? Eines steht fest: Katharina Wagner selbst wird es nicht machen. „Das ist auszuschließen“, sagt Festspielsprecher Peter Emmerich. Ihre Inszenierung der „Meistersinger von Nürnberg“ steht aktuell auf dem Bayreuther Spielplan, und für 2015 will sie sich „Tristan und Isolde“ vornehmen. Auch eine Lösung mit vier verschiedenen Regisseuren, wie sie zum Beispiel die Stuttgarter Oper einmal verwirklicht hat, ist unwahrscheinlich - denn das hieße vier verschiedene Bühnenbilder und ist zeitlich kaum zu schaffen.

„Wir müssen nun schnell fündig werden“, sagt Emmerich. Doch zum Jubiläumsjahr 2013 gibt es an vielen Häusern große Wagner-Pläne, und viele Regisseure sind schon vergeben. „Die Festspielleiterinnen können kein Ass aus dem Ärmel ziehen“, räumt Emmerich ein. Ein paar Namen kursieren freilich: So ist Oscar-Preisträger Florian Henckel von Donnersmarck (37) immer wieder mal für Bayreuth genannt worden. Er liebäugelte schon einmal mit einem „Ring“ in Baden-Baden, sagte dann aber ab.

Doch es ist mehr als fraglich, dass die Festspiele erneut das Wagnis mit einem Opern-unerfahrenen Regisseur wie Wenders eingehen. Wahrscheinlicher ist da schon der renommierte Opernregisseur Christof Loy (48), der kürzlich ein für 2013 geplantes „Ring“-Projekt in der Schweiz abgesagt hat. Auch Hans Neuenfels (69), Regisseur der aktuellen Bayreuther „Lohengrin“-Inszenierung, hatte sich bei Gesprächen auf dem Hügel am „Ring“ interessiert gezeigt.

Immerhin: Mit Zeitdruck beim „Ring“ haben die Bayreuther Festspiele Erfahrung. 2004 hatte ihnen der dänische Filmemacher Lars von Trier abgesagt, nachdem er schon zwei der vier „Ring“-Opern konzipiert hatte. In der Not rief Wolfgang Wagner seinen alten Freund, den Dramatiker Tankred Dorst, zu Hilfe. Der stellte 2006 eine brave Inszenierung auf die Bühne, die dann fünf Jahre lang gezeigt wurde. Aber noch eine solche Notlösung können sich die Bayreuther Festspiele 2013 nicht leisten.

dpa

Dieser Text wurde aktualisiert.

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