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„Baby Driver“ – PS-Action mal ganz anders

Kino „Baby Driver“ – PS-Action mal ganz anders

Edgar Wright lässt „Baby Driver“ (Kinostart am 27. Juli) durchs Kino schlittern. Ein musikalischer Fluchtwagenfahrer mit dem Herz am rechten Fleck verliebt sich und muss zum berüchtigten „letzten Coup“ antreten. Es geht auf Leben und Tod.

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Knopf im Ohr: Ansel Elgort hört alles – von Stax-Soul bis Golden-Earring-Rock. Die Musik hilft dem Fluchtwagenfahrer gegen seinen Tinnitus.

Quelle: Sony

Hannover. Der neue Film von Edgar Wright ist schnittig wie ein gutes Popstück und heißt auch nach einem: „Baby Driver“. Das ist derjenige Song im Repertoire des Folkpopduos Simon-&-Garfunkel, der sich am ehesten nach klassischem Rock ’n’ Roll anhört, nach der Musik, die Paul Simon und Arthur Garfunkel machten, als sie sich noch nach den Zeichentrickfiguren Tom und Jerry benannten. Das Lied erzählt die Geschichte eines Mannes, der „mit Musik im Ohr“ geboren wurde und den man – hat er erst mal vier Reifen unterm Hintern - nur noch von hinten sieht.

Ein Mann, aufgelöst in der Musik

Haargenau so einen Typen spielt Ansel Elgort. Musik hat dieser junge Mann, der auf den Namen Baby hört (aber anders heißt), allerdings erst seit einem schweren Unfall seiner Kindheit im Ohr. Sie übertönt zwar dienlichst seinen Tinnitus, aber er gibt sich ihr auch komplett hin, löst sich tanzend in ihr auf, wird zu Rhythmus und Melodie. Wunderbar, wenn er zu Bob & Earls „Harlem Shuffle“ durch die Straßen von Atlanta federt.

Der herzensgute Baby, der zu Hause seinen alten Ziehvater pflegt, ist durch nie ganz geklärte Umstände in der Schuld des Bankräubers Doc (Kevin Spacey. Wenn die anderen das nächste große Ding abziehen, wartet er hinterm Steuer des Fluchtwagens, lässt die Scheibenwischer rhythmisch flappen, spielt Luftvioline, trommelt Percussions auf Lenkrad und Fahrertür. Für jeden Tag und jede Stimmung hat Baby einen iPod. Er schneidet Sätze seiner Komplizen mit, um sie in die Songs zu sampeln. Was ihn in Schwierigkeiten bringen wird.

Die Verfolgungsszenen sind spektakulär

Eines Tages sind er und Doc quitt. Da hat Baby sich gerade in die niedliche Debora (Lily James) aus „Bob’s Diner“ verliebt. Mit ihr will er durchbrennen, nach Westen, ins Glück. Doch dann kommt der im Kino unvermeidliche „letzte Job“. Bei dem ist Bats (Jamie Foxx) im Team, ein durchgeknallter Hochrisikogangster, der schon für ein paar Kaugummis tötet. Vibrierend vor Mordlust lässt er Baby ausgerechnet Bob’s Diner ansteuern, wo Debbie nicht nur erfährt, welche Art von Chauffeur ihr Liebster ist, sondern auch in höchste Lebensgefahr gerät.

Die Verfolgungsszenen hier sind spektakulär. Ein Subaru ist nicht gerade das, was man einen Schlitten nennt, aber Baby fährt ihn wie einen, und obwohl er zwischenzeitlich Streifenwagen am Kofferraum kleben hat wie einst Jake und Elwood in „Blues Brothers“, schlittert er denen doch immer wieder um Haaresbreite davon. Baby ist eins mit Kupplung, Gaspedal und Bremse – der perfekte Fahrer.

Und weil seine Moves in vollkommenem Einklang mit der Musik stehen, ist die Action in diesem romantischen Räubermärchen rasanter und beeindruckender als selbst die verwegensten Stunts der „Fast & Furious“-Streifen. Sogar wenn die Schnellfeuergewehre ihr Blei spucken, klingen die Schüsse wie Beats. Edgar Wright, Regisseur von „Shaun of the Dead“ und „Hot Fuzz“, hat den Film gedreht, den Blockbuster-Macher selbst mit 200 Millionen Dollar nicht hinkriegen, den perfekten Mix aus Sound, Vision, Story und Timing.

So schnell ist der Baby Driver im Simon-&-Garfunkel-Song weg, dass man sich nicht mal mehr das Kennzeichen merken kann. Und so ist man überrascht, als der Baby des Films den Zündschlüssel abdreht, in den Fluss wirft und aussteigt, als er in eine Polizeisperre gerät. Wir wünschen dieser überaus sympathischen Actionfigur alles Gute.Und wenn er nicht gestorben ist er unterwegs nach Westen, ins Glück.

Von Matthias Halbig / RND

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