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21:58 05.06.2013
Das Autokino wird 80 Jahre alt. Quelle: dpa
Hannover

Wer je mit der Ente ins Autokino gefahren ist, wird die Zeit dort  unter Schmerzen verbracht haben – und das wohl nicht wegen des Films. Denn von der vielleicht sogar 15 mal 40 Meter riesigen Leinwand sind durch den Sehschlitz, den der Citroen 2 CV statt einer Frontscheibe hat, nur Bruchteile zu erkennen. Aber darum ging’s ja auch gar nicht. Worum denn? Darum: „Kissing in the Back Row of the Movies“, sangen die Drifters 1974. Und Meatloaf schwärmte im selben Jahr: „Climbed in the Back Seat. Really had a good time.“

Liebe zum Film ist nicht der entscheidende Grund für den Siegeszug des Autokinos. Der hatte schon 1971 mit 40 Kinos in (West-)Deutschland seinen Höhepunkt hinter sich. Der Siegeszug des Autokinos hatte ganz uncineastische Faktoren: Wachsende Automobilisierung, enger Wohnraum, andauernde Prüderie führten dazu, dass junge Menschen sich existenzielle Kultur- und Kommunikationstechniken auf Autorücksitzen erarbeiten mussten. Das galt nach dem Krieg in Deutschland und schon davor in den USA, wo heute vor 80 Jahren in Camden im Bundesstaat New Jersey das erste Autokino eröffnete. Jenseits des Atlantiks gab es um 1960 rund 4000 Autokinos, heute werden dort gerade noch 1,5 Prozent der Filme vor Autoinsassen abgespielt.

Das Autokino, ein Opfer des Fortschritts von Freizügigkeit und Wohnungsbau? Es ist auch ein Opfer fortschreitend steigender städtischer Grundstückspreise. Die meisten der heute noch 20 deutschen Autokinos liegt auf dem Lande, die Mehrzahl davon – ein Zufall? – in Ostdeutschland, wo es einen kleinen Autokino-Boom erst nach der Wende gab. Denn in der DDR war man nicht sexuell, wohl aber automobil ähnlich weit zurück wie im Westen die Ente in Sachen Bequemlichkeit: Deren starre Rückbank ist von Stahlrohren durchzogen, die schmerzfrei eigentlich nur ein sittsames Nebeneinander zulassen. „A good time“ fühlt sich anders an.

das

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