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Kultur Atwood erhält Friedenspreis des Buchhandels
Mehr Welt Kultur Atwood erhält Friedenspreis des Buchhandels
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13:03 13.06.2017
Die kanadische Autorin Margaret Atwood wird mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Quelle: dpa
Frankfurt/Berlin

Atwood, deren Bücher in mehr als 30 Sprachen erschienen sind, gilt als erfolgreichste Autorin Kanadas. Sie hat Romane, Kurzgeschichten, Essays, Theaterstücke, Drehbücher und Kinderbücher geschrieben. Darin setzt sich Atwood, die sich auch als Umweltaktivistin und passionierte Vogelschützerin einen Namen gemacht hat, auch intensiv mit gesellschaftspolitischen Fragen auseinander.

„Humanität, Gerechtigkeitsstreben und Toleranz prägen die Haltung Margaret Atwoods, die mit wachem Bewusstsein und tiefer Menschenkenntnis auf die Welt blickt und ihre Analysen und Sorgen für uns so sprachgewaltig wie literarisch eindringlich formuliert“, würdigte der Dachverband der deutschen Buchbranche die vielfach ausgezeichnete Autorin weiter. „Indem sie menschliche Widersprüchlichkeiten genau beobachtet, zeigt sie, wie leicht vermeintliche Normalität ins Unmenschliche kippen kann.“

Einer großen Öffentlichkeit bekannt wurde Atwood 1985 mit ihrem utopischen Roman „Der Report der Magd“. Darin beschreibt sie in der Tradition George Orwells eine totalitäre Gesellschaft, in der Frauen als Gebärmaschinen benutzt und unterdrückt werden. In ihrer Endzeit-Trilogie „Oryx und Crake“ (2003), „Das Jahr der Flut“ (2009) und „Die Geschichte von Zeb“ (2013) entwirft sie angesichts der ökologischen Probleme eine postapokalyptische Welt.

Friedenspreis ist mit 25.000 Euro dotiert

Mit der weltweiten Finanzkrise hat sich Atwood in ihrem Essay „Payback. Schulden und die Schattenseiten des Wohlstands“ (2008) beschäftigt. Auf Deutsch erschienen zuletzt in diesem Jahr ihre Romane „Hexensaat“ und „Das Herz kommt zuletzt“. Ende des Jahres kommt der Essayband „Aus Neugier und Leidenschaft“ heraus. Gemeinsam mit Salman Rushdie führt Atwood seit Mai dieses Jahr eine Kampagne des Schriftstellerverbands PEN International an, die verfolgten und von Zensur bedrohten Autoren größere Aufmerksamkeit geben will.

Der mit 25.000 Euro dotierte Friedenspreis geht laut Statut an Persönlichkeiten, „die in hervorragendem Maße vornehmlich durch ihre Tätigkeit auf den Gebieten der Literatur, Wissenschaft und Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen“ haben. Die Auszeichnung wird zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse am 15. Oktober in der Paulskirche verliehen.

Mit der Auszeichnung werden seit 1950 Schriftsteller, Philosophen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland geehrt. Darunter waren Autoren wie Hermann Hesse, Astrid Lindgren, Siegfried Lenz, Amos Oz, Mario Vargas Llosa, Orhan Pamuk und Swetlana Alexijewitsch. Im vergangenen Jahr hatte die Publizistin Carolin Emcke die Auszeichnung erhalten.

Friedenspreis-Preisträger seit 2007

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels wird seit 1950 vergeben. Die Preisträger der vergangenen zehn Jahre:

2007: Saul Friedländer (israelischer Historiker und Autor)

2008: Anselm Kiefer (deutscher Maler und Bildhauer)

2009: Claudio Magris (italienischer Schriftsteller)

2010: David Grossman (israelischer Schriftsteller)

2011: Boualem Sansal (algerischer Schriftsteller)

2012: Liao Yiwu (chinesischer Schriftsteller)

2013: Swetlana Alexijewitsch (weißrussische Schriftstellerin)

2014: Jaron Lanier (US-Digitalpionier und Schriftsteller)

2015: Navid Kermani (deutscher Schriftsteller und Orientalist)

2016: Carolin Emcke (deutsche Publizistin)

Von RND/dpa