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06:44 13.02.2015
Von Martina Sulner
Nach 70 Jahren dem Tod von Antoine de Saint-Exupéry sind seine Urheberrechte am "Kleinen Prinzen" abgelaufen. Quelle: dpa (Symbolbild)
Hannover

Der Weihnachtsfilm für die gesamte Familie steht wohl schon fest: Ende des Jahres soll Mark Osbornes Version von „Der kleine Prinz“ in die Kinos kommen. Der US-Regisseur, erfolgreich mit Trickfilmen wie „Spongebob“ und „Kung Fu Panda“, arbeitet an einem Animationsfilm nach Antoine de Saint-Exupérys Klassiker. Die Geschichte des kleinen Prinzen, der auf einem fernen Planeten lebt und jede Menge Weisheiten verbreitet, ist ein Dauerbrenner: Es gibt das Buch, Verfilmungen, Theater- und Ballettbearbeitungen, Kalender, Taschen, T-Shirts.

Jetzt kommt ein weiterer Schwung an Büchern über die winzige Majestät auf den Markt. Die Urheberrechte an dem Buch sind – wie rechtlich festgelegt 70 Jahre nach dem Tod des Autors – abgelaufen, und mehrere Verlage wollen am Erfolg des Klassikers teilhaben. Allein in Deutschland hat sich die Geschichte des Prinzen rund elf Millionen Mal verkauft. Dabei sei, so heißt es zumindest, die erste Auflage nur schleppend an den Leser gegangen. Am 6. April 1943 erschien das Buch erstmals: in den USA. Autor und Pilot Antoine de Saint-Exupéry, der die Geschichte in den Jahren zuvor geschrieben und gezeichnet hatte, lebte damals im amerikanischen Exil. Bald darauf verließ der Spross einer französischen Adelsfamilie die USA Richtung Nordafrika. Am 31. Juli 1944 startet er zu seinem letzten Flug. Wahrscheinlich ist er über dem Mittelmeer abgestürzt. Möglicherweise wurde seine Maschine abgeschossen. Saint-Exupérys französischer Verlag klagte die Rechte an dem „Kleinen Prinzen“ vom amerikanischen Verlag ein. 1950 veröffentlichte der Düsseldorfer Karl- Rauch-Verlag die deutsche Übersetzung von Grete und Josef Leitgeb.

Saint-Exupérys Geschichte ist ein globaler Bestseller geworden, übersetzt in mehr als 270 Sprachen und Dialekte. Verständlich, dass jetzt weitere deutsche Verlage damit Gewinn machen wollen. Der Deutsche Taschenbuch-Verlag (dtv) in München hat gerade eine Neuübersetzung von Hans Magnus Enzensberger auf den Markt gebracht (128 Seiten, 5,95 Euro). Diese Übertragung kommt mit einer Auflage von 40 000 heraus – in einer Aufmachung für Erwachsene und in einer für Kinder. „Übersetzungen altern schneller als Originale“, sagt Enzensberger. „Darum lohnt es die Mühe, jüngeren Ohren die alten Stimmen zu verdolmetschen.“ Der 85-Jährige überträgt das Original in eine eher alltägliche Sprache, befreit es vom Schwelgerischen der frühen Übersetzung. Der Anfang von Kapitel sechs heißt bei ihm: „Nach und nach, kleiner Prinz, habe ich kapiert, was dich in deinem jungen Leben so bekümmert.“

Ulrich Bossier übersetzt denselben Satz so: „Ach, kleiner Prinz, erst so nach und nach habe ich verstanden, wie melancholisch dein kleines Leben einst gewesen ist.“ Das klingt zwar romantisch-gestrig, stammt aber auch von heute: Bossiers Neuübersetzung ist gerade im Reclam-Verlag erschienen (112 Seiten, 3,80 Euro). Enzensberger hat sich auch in den zentralen Stellen von der alten Übertragung entfernt. „Man begreift gar nichts, wenn das Herz nicht dabei ist. Das, worauf es ankommt, ist mit bloßem Auge nicht zu sehen“, lautet bei ihm einer der meistzitierten Sätze aus dem Buch. Vielen „Prinz“-Fans ist das in der alten Version deutlich im Ohr: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Der Karl-Rauch-Verlag, der jetzt erstmals Konkurrenz bekommt, kommentiert die Neuübertragungen etwas beleidigt: Die zentralen Sätze aus dem Werk – wie eben „Man sieht nur mit dem Herzen gut“ – seien in dieser Übersetzung seit 1950 bekannt; und welche Leser, heißt es in einer Erklärung des Verlags, wollte diese Sätze schon anders hören!

So ganz sicher scheinen sich die Düsseldorfer aber nicht zu sein. Der Karl-Rauch-Verlag jedenfalls bringt in diesem Frühjahr viele Titel heraus, die sich um Saint-Exupérys Buch drehen. Da gibt es kommentierende Texte, ergänzende Erzählungen, „Kinderbriefe an den kleinen Prinzen“ sowie Geschenk- und Sonderausgaben. Da erscheint das Hörbuch – einmal gelesen von Ulrich Mühe, ein anders Mal von Jan Josef Liefers – in Geschenkboxen. Für den Verlag Roof Music hingegen hat gerade Bastian Pastewka „Der kleine Prinz“ eingelesen – in einer Neuübersetzung von Thomas Pigor (14,99 Euro). Immer wieder könne man den Klassiker hören oder lesen, meint Tullio Aurelio, Chef des Karl-Rauch-Verlags. Der Prinz „überrascht jedes Mal mit bislang unbemerkten Sinnzusammenhängen. Reich an Sinn ist er, deshalb spricht er die Menschen an.“ Auch für Petra Büscher von dtv ist der Klassiker eines der ungewöhnlichsten modernen Märchen, weil es vielfach ausdeutbar sei. Das Buch „steckt voller Magie, die uns nach wie vor berührt“. Und es steckt voller Verkaufspotenzial, das die Verlage begeistert. Für April ist eine Ausgabe bei S. Fischer angekündigt (96 Seiten, 8 Euro), übersetzt vom Schweizer Autor Peter Stamm.

Werksschutz

Das Urheberrecht schützt das geistige Eigentum von Künstlern. Literaten, Musiker, Fotografen, Maler bestimmen und kassieren mit, wenn ihre Werke veröffentlicht, kopiert, zitiert oder anders wiederverwertet werden. Dabei gelten in den Ländern verschiedene gesetzliche Regelungen. Nach US-Recht sind vor 1923 erschienene Werke frei. In Deutschland muss beispielsweise ein Autor mindestens 70 Jahre tot sein, damit das Urheberrecht erlischt. Aufgrund des Urheberrechts ist es möglich, Texte von Goethe oder Nietzsche frei im Netz zu veröffentlichen, Werke lebender Autoren jedoch nicht. Mithilfe des Urheberrechts kann man auch verhindern, dass ein Buch wiederveröffentlicht wird. Der Freistaat Bayern hielt bis 2015 die Rechte an Hitlers „Mein Kampf“. Er konnte damit bislang  gegen jede Veröffentlichung vorgehen.

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