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Kultur An den Rändern der Welt: „Untitled“
Mehr Welt Kultur An den Rändern der Welt: „Untitled“
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06:00 26.10.2017
Blick aufs Besondere: Afrikaner beim Ringkampf entdeckte der Regisseur auf seiner Reise. Quelle: Foto: Real Fiction
Hannover

Kein Thema, keine Wertung, keine Handlung, kein roter Faden. Als der österreichische Filmemacher Michael Glawogger im Dezember 2013 mit Kameramann Attila Boa und Tonmeister Manuel Siebert zu einer auf ein Jahr angelegten Reise aufbrach, wollte er sich nur von der eigenen Neugier und Intuition treiben lassen und die Welt an entlegenen Orten so einfangen, wie sie ist. Der Trip dauerte dann nur viereinhalb Monate. Im April 2014 starb Glawogger in Liberia an Malaria. Der Schock über den plötzlichen Tod des renommierten Regisseurs saß tief.

Araber im Hamam, Männer auf Krücken

Auch bei seiner Cutterin Monika Willi, die mit Glawogger schon oft zusammengearbeitet hatte: beispielsweise bei seinen Dokus „Workingman’s Death“ und „Whores’ Glory“ sowie seinem Spielfilm „Contact High“. Sie hat sich der schwierigen Aufgabe angenommen, aus dem in Italien, auf dem Balkan, in Nordwest- und Westafrika bereits entstandenen Material ein Werk zu montieren, das als Glawoggers Vermächtnis gelten kann. Man sieht etwa Spuren des Kriegs im ehemaligen Jugoslawien, Menschen, die auf einer riesigen Kippe im Müll nach Verwertbarem suchen, einen von Maden zerfressenen Eselskadaver am Wegesrand, Afrikaner beim Ringkampf, Araber beim gegenseitigen Durchkneten in einem Hamam und einbeinige Männer auf Krücken in einem rasanten Fußballmatch.

Kommentar nur von Minichmayr

Monika Willi hat das ursprüngliche Konzept nicht verwässert. Die ungefilterten Aufnahmen – mal trostlos, mal voller Leben – sind keinem speziellen Kontext zugeordnet. Anstatt genauer Erläuterungen gibt es allenfalls von Birgit Minichmayr eingesprochene, poetisch angehauchte Off-Kommentare, die auf Notizen und einen ebenfalls unterwegs verfassten Blog des Regisseurs zurückgehen. Ansonsten ist der Zuschauer beim Betrachten der Bilder ganz auf sich selbst zurückgeworfen.

Ob man mit diesem Filmessay etwas anfangen kann oder will, hängt vor allem von der eigenen Neugier auf das Leben an den Rändern dieser Welt ab. Die Voraussetzungen sind jedenfalls günstig. Michael Glawogger hat sich bis zuletzt seinen Blick für das Besondere bewahrt.

Von Jörg Brandes / RND

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