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Kultur Spiel mit dem Tod
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18:28 03.08.2014
Von Gabriele Schulte
72 und noch immer vielseitig: Isabel Allende. Quelle: dpa

Nicht zuletzt ist der Roman ein liebevolles Porträt ihrer Wahlheimat geworden, der Bucht von San Francisco. Treffender deutet der spanische Originaltitel „El juego de Ripper“ (das Ripper-Spiel) darauf, worum es in dem Buch geht. Beim Online-Rollenspiel „Ripper“ versucht sich eine Gruppe junger Leute um die 17-jährige Spielleiterin Amanda und ihren Großvater vor ihren Computern als Hobbyermittler. Als dann in San Francisco ein Mörder die Vorhersagen einer Wahrsagerin von einem Blutbad erfüllt, wird aus dem Spiel Ernst, bis sogar Amandas Mutter in Gefahr gerät.

Nach den über weite Strecken in der Karibik und in Chile angesiedelten Romanen „Die Insel unter dem Meer“ (2010) und „Mayas Tagebuch“ (2012) ist Allende nun vollständig in Kalifornien angekommen. In „Amandas Suche“ beschreibt sie das hügelige, häufig nebelverhangene San Francisco als liberalen Ort für Künstler, Schwule und allerlei schräge Bewohner - wobei sie sich den Amerika-kritischen Blick etwa bei den Themen Krieg und Kriminalität bewahrt hat. Im Zentrum steht die esoterische ganzheitliche Klinik, an der Amandas 33 Jahre alte Mutter Indiana mit Ausstrahlung und Einfühlungsvermögen Patienten zu neuen Kräften verhilft. „Indiana war der Inbegriff der überdimensionierten Amerikanerin, vor Gesundheit und guten Absichten strotzend“, meint einer ihrer Kunden, ein traumatisierter Irak-Rückkehrer. Nicht nur ihm erscheint die lebenslustige, sinnliche Masseurin „unwiderstehlich“.

Mit Indiana und ihrer kriminalistisch veranlagten Tochter hat Isabel Allende auch diesmal starke Frauen ins Zentrum gerückt. Doch auch die vielen Nebenfiguren im Familien- und Freundeskreis schmückt sie mit menschenfreundlichem Witz mit vielerlei Schrullen aus, ohne sie lächerlich zu machen. Für die Menschen, die in der Region ab Oktober 2011 Monat für Monat einem Serienmörder zum Opfer fallen, gilt das leider nicht. Sie sind nur böse gewesen, scheinen ihr Schicksal verdient zu haben und dienen vor allem dazu, den potenziellen Familienroman zum Krimi zu machen. Tatsächlich löst in der zweiten Hälfte Spannung die zunächst ruhige und heitere Grundstimmung ab. Die Handlung gerät in Fahrt.

Auf den Krimi-Zug ist Allende zu einer Zeit aufgesprungen, in der sich manch früherer Freund von Kriminalgeschichten längst wieder nach unblutiger Lektüre sehnt. Die Idee dazu stamme von ihrer Agentin, verrät die mit einem Krimi-Autor verheiratete Schriftstellerin im Dankeswort. Sie selbst habe großen Spaß daran gefunden und sich dem Genre mit Distanz und Humor genähert; es werde aber wohl ihr einziger Kriminalroman bleiben.

Auch wenn dies ein unterhaltsames Buch geworden ist - grausige Tatorte wie in „Amandas Suche“ werden die Fans der Bestsellerautorin in aller Welt wohl nicht vermissen. Sie erfreuen sich an den originellen Sprachbildern Allendes, bei der sich etwa ein „Holzhaus knarzend über die jähen Temperaturschwankungen beschwert wie eine alte Frau mit Gelenkschmerzen“. Und sie suchen nach der Magie des „Geisterhaus“-Debüts, die sich auch in diesem Roman an vielen Stellen entfaltet.

Isabel Allende: „Amandas Suche“. Aus dem Spanischen von Svenja Becker. Suhrkamp. 512 Seiten, 24,95 Euro.

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