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Kultur Gandersheimer Domfestspiele sind eröffnet
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12:10 15.06.2013
Von Ronald Meyer-Arlt
Die Gandersheimer Domfestspiele sind mit dem Musical „Cabaret“ eröffnet worden. Quelle: Handout
Bad Gandersheim

Dieser Club hat schon bessere Zeiten gesehen – und dieser Conférencier erst recht. Sein Hemd ist in Fetzen gerissen, die Schminke um die Augen zerlaufen, und sein Gesang ist alles andere als strahlend. Aber magisch wirkt der Kerl immer noch. Und das soll er auch. Der schmierige Conférencier (Jens Schnarre) heißt die Gäste Willkommen („Bienvenue, Wäälkaaham“) und empfiehlt ihnen hemmungslose Hingabe an Rausch und Spaß. Währenddessen geht nebenan die Welt unter.

Das Musical „Cabaret“ von Joe Masteroff, John Kander und Fred Ebb ist eine sichere Nummer auf den deutschen Spielplänen. Es hat schillernde Figuren, eingängige Melodien, zwei Liebesgeschichten (eine große und eine kleine), die beide traurig enden, und eine Botschaft: Lerne die Zeichen der Zeit zu verstehen! Missachte nicht die Politik! Vielleicht ist es ein bisschen kitschig, aber meine Güte, welches Musical ist das denn nicht?

Nun wurden mit „Cabaret“ die Domfestspiele in Bad Gandersheim eröffnet, die seit vergangener Spielzeit von Intendant Christian Doll geleitet werden. Als neuer Intendant will er neue Akzente setzen – und so hat er für „Cabaret“ den amerikanischen (und – wie die Hauptfigur des Stückes - in Berlin lebenden) Regisseur Craig Simmons verpflichtet. Der legt das Stück tiefer als gewöhnlich, bei ihm ist der Kit-Kat-Club ein bisschen schmieriger und Sally Bowles (Franziska Schuster), die erste Tänzerin im Club, ein bisschen kaputter als üblich. Das Stück spielt zwar noch am Vorabend der Machtübernahme der Nazis, könnte aber auch von heute sein. Eine krachende Modernisierung ist das aber nicht, eher ein freundlicher Hinweis darauf, das vielleicht doch mal so zu sehen. Und es funktioniert.

Technisch ist alles, was in Bad Gandersheim geboten wird, auf sehr hohem Niveau. Die Band um den musikalischen Leiter Heiko Lippmann spielt souverän und sehr präzise, alle Darsteller singen und tanzen (in eindrucksvollen Choreographien von Mathias Schwarz) ausgesprochen sicher. Die Bühne (Kati Kolb) nutzt mit zwei Podesten links und rechts geschickt die ganz Breite des wuchtigen Domportals. Franziska Schuster und Dirk Schäfer als Sally Bowles und Cliff Bradshaw geben die beiden Hauptpersonen - beide im Gesang noch etwas ausdrucksstärker als im Spiel. Auffällig ist, wie stark hier die Alten sind. Petra Welteroth und Hans-Jörg Frey als Vermieterin und Gemüsehändler geben ein hervorragendes altes Liebespaar. Rebecca Siemoneit-Barum (bekannt aus der „Lindenstraße“ im Fernsehen) spielt das Fräulein Kost sehr schön handfest und halbseiden zugleich.

Da ist natürlich viel mit extra breitem Pinsel gemalt – aber im Freilichttheater darf das auch so sein.

Jedenfalls war das ein starker Auftakt der 55. Ausgabe des größten Niedersächsischen Freilichttheaters. Nach zwei Stunden applaudierten die Zuschauer begeistert – und im Stehen.

Die Gandersheimer Domfestspiele dauern bis 4. August. Kartentelefon (05382) 73777.

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