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18:45 26.06.2013
Auf der schiefen Bahn: Die Akteure der Compagnie 111, getragen von einem ehemaligen Automonteur. Quelle: Aglaé Bory
Hannover

Was ist das nur für ein geheimnisvolles, gewaltiges Wesen, das sich da auf der Bühne des hannoverschen Schauspiels räkelt? Unter einer riesigen Folie, die im Scheinwerferlicht so samten changiert wie kostbarer Stoff, dehnt und dreht sich - ja, was eigentlich? Eben noch bewegt sich das Riesending anmutig langsam, dann plötzlich zuckt es blitzartig schnell zusammen wie ein erschrockenes Tier. In einem Ballett der Formen sieht es abwechselnd aus wie ein Dinosaurier, ein ruhender Riese oder ein Gebirge, das sich eben erst aus der Ebene emporfaltet. Dann endlich nähert sich ein Mensch vorsichtig diesem folienverpackten Monstrum. Ein zweiter folgt, und gemeinsam gelingt es ihnen, die Abdeckung abzustreifen. Sichtbar wird: ein Industrieroboter.

Der französische Theatermacher und studierte Physiker Aurélien Bory hat das Gerät (das er zu diesem Zweck gleich kaufen musste) in den Mittelpunkt seines Stückes „Sans Objet“ gestellt. Das war nun bei den Theaterformen zu sehen. „Sans Objet“ möchte der Regisseur im Sinne von „nutzlos“ verstanden wissen, was als Zeugnis für die zweckentfremdete Maschine allerdings denkbar ungerecht ist: Zwar erfüllt der Roboter nicht mehr die Aufgabe, für die er in den siebziger Jahren konstruiert wurde und montiert nicht länger Autos; dafür verwandelt er das Theater in einen Fantasieraum. Auf der Bühne wirkt der Roboter wie ein Kunstobjekt. Er ist eine gewaltige eiserne Faust, ein kräftiges und präzises Artefakt aus einer anderen Welt. Dazu passt auch der seltsame Geruch, den er zu verströmen scheint: Pfefferminzöl statt Maschinenschmiere.

Die beiden Männer mit weißen Hemden und dunklen Krawatten stehen diesem aller Banalität enthobenen Wunderwerk mit ehrfürchtiger Neugier gegenüber. Es zu entdecken bedarf keiner Worte. Stumm berühren sie das kalte Metall, wagen sich schließlich kletternd auf die Konstruktion, die die Menschen wie eine übergeordnete Macht bald hierhin, bald dorthin verschiebt.

Die Akteure der Compagnie 111 sind dabei eher Artisten als Schauspieler. Scheinbar mühelos hebeln sie die Schwerkraft aus, wenn sie sich seitlich vom Greifarm wegstemmen statt schlaff daran herunterzubaumeln. Und in einer engen Kiste, die der Roboter aufgenommen hat, können sie sich auch zu zweit so gewandt bewegen, als hätten sie einen ganzen Sportplatz für sich. Manchmal sind die Artisten auch Clowns: Eine große Platte, über die der Kopf des einen und unter der die Füße des anderen hervorlugen, macht aus zwei Männern einen einzigen dürren Riesen - dessen Ober- und Unterhälfte bald ein absurdes Eigenleben führen.

Tatsächlich wirkt der Abend oft wie eine Zirkusvorstellung mit Körperkunststücken und Bewegungsscherzen. Aber er ist überwölbt von der Poesie des „nutzlosen“ Roboters. „Sans Objet“ verzichtet nicht auf Objekte, sondern auf Subjekte: Es ist transhumanes Theater. Einmal leistet sich Regisseur Bory die Reminiszenz an eine seelenverwandte Maschine. Der kurze Dialog aus Stanley Kubricks „2001 - Odyssee im Weltall“ sorgt für die einzigen gesprochenen Worte des Abends und ist eine Verbeugung vor dem Bordcomputer des Filmraumschiffs, dem stillen Amokläufer HAL.

Am Ende wird es dann richtig pathetisch. Der Roboter, der zuvor gewaltige Bodenplatten aufgenommen und zu hoch aufragenden Wänden aufgestellt hatte, hängt die Folie vor das Bühnenportal, schneidet kleine Löcher in die schwarze Plane und strahlt von hinten mit Scheinwerfern dagegen. Als Zuschauer fühlt man sich dann endgültig im Himmel: Von der Bühne, die längst keine Menschen mehr braucht, leuchten die Sterne.

Heute bei den Theaterformen: „Late Night“ mit der griechischen Blitz Theatre Group im Ballhof Eins (19.30 Uhr), die türkische Produktion „War wohl nichts?“ im Ballhof Zwei (20 Uhr) und die Performance „Urwald“ (Treffpunkt 18 Uhr im Foyer des Schauspielhauses).

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