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Kultur „Der Wunsch nach hornlosen Rindern ist alt“
Mehr Welt Kultur „Der Wunsch nach hornlosen Rindern ist alt“
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00:15 14.12.2015
Von Ronald Meyer-Arlt
Aus "Prall-Luftschiffe 1906-1913". Quelle: Screenshot
Hannover

Zum Beispiel das Getriebe: Wieso knirscht und kracht es eigentlich nicht, wenn wir vom dritten in den vierten Gang schalten? Oder Elefanten: Warum kippen sie nicht einfach um beim Gehen? Oder ein Wasserstrahl? Setzt er sich aus einzelnen Tröpfchen zusammen? Oder ist es eher ein Fluss?

Auf derartige Fragen können Wissenschaftsfilme Antworten geben. Sie haben einen besonderen Vorteil: Die Kamera kann sehr genau hinschauen. Durch entsprechende Objektive (von Mikroskop bis Teleskop) können Filmemacher den Raum modellieren, durch Raffung und Dehnung können sie die Zeit verändern - alles zu dem Zweck, dem Zuschauer möglichst genau zu zeigen, wie was funktioniert.

Wissenschaftsfilme haben ihren ganz eigenen Reiz. Sie reduzieren, sie streben Klarheit an und sie wollen meist keine Geschichte erzählen. Das wiederum kann für Künstler interessant sein. Der Berliner Experimentalfilmer Andreas Bunte war jetzt zusammen mit Werner Große, der lange am Institut für Wissenschaftlichen Film in Göttingen gearbeitet hat, beim Technik-Salon in der Technischen Informationsbibliothek der Uni zu Gast.

Etwa 11.500 Filme wurden beim Institut für den Wissenschaftlichen Film in Göttingen hergestellt. Im Zentrum stand stets die Wissenschaft, nie die Ästhetik: Der wissenschaftliche Film soll zeigen was ist - so klar und objektiv wie möglich. „Nie war es die Absicht in unserem Institut, ästhetische Filme zu machen“ sagt Werner Große - und doch haben die Wissenschaftsfilme ihre ganz eigene Ästhetik.

Das Institut für Wissenschaftlichen Film gibt es nicht mehr, 2007 wurde die Förderung eingestellt, 2010 wurde das Institut geschlossen. Das Archiv ging 2012 an die Technische Informationsbibliothek in Hannover. Dort wird es gerade so bearbeitet, dass es für jedermann am Computer zugänglich ist. Sind die Urheber- und Lizensfragen geklärt, werden die Filme in das „AV-Portal“ der Internetseite der Technischen Informationsbibliothek gestellt. (www.tib.uni-hannover.de)

Etwa 1300 der 11.500 Filme sind dort schon eingestellt worden - es ist ein wahrer Filmschatz, den man im Portal bewundern kann. Stummfilme zeigen gefährliche Startversuche von Prall-Luftschiffen, ein Schwarz-Weiß-Film aus dem Jahr 1974 führt in die Wunderlichkeiten des „Innerbetrieblichen Bahnverkehrs der Hütte Donawitz (Steiermark)“ ein. In dem Filmdokument „Rudolf Hillebrecht, Hannover 1967/68“ erläutert der Stadtbaurat - fortwährend rauchend - wie Hannover nach dem Krieg mit den vielen Flüchtlingen umgegangen ist.

Wissenschaftlicher Film kann auch blutig sein: Fast ein Splattermovie ist der IWF-Film „Enthornung beim Rind“ aus dem Jahr 1960. Er beginnt mit den harmlosen Worten „Der Wunsch nach hornlosen Rindern ist alt“ und zeigt, wie man einem Jungtier das Horn auch mit einem Gummiring abnehmen kann. Unheimlich. Aber man weiß jetzt, wie es funktioniert. Und darum geht’s beim wissenschaftlichen Film.

Der Technik-Salon am Donnerstag, 14. Januar, widmet sich um 19.30 Uhr dem Thema „Digital Bauen“. Ort: Laveshaus, Architektenkammer Niedersachsen, Friedrichswall 5 in Hannover.

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