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Kultur Staatliches Russisches Ballett tourt durch Deutschland
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14:44 27.12.2018
Wenn die Schwäne auf den Tischen tanzen: Primaballerina Anna Shcherbakova teilt mit ihrem Tanzpartner auch privat die Küche. Quelle: Alisa Caliypso
Moskau

Vladmir Mineev verbringt seit 17 Jahren das Neujahrsfest in Deutschland. Der 35-Jährige ist einer der führenden Solotänzer des Staatlichen Russischen Balletts Moskau. Die Truppe wiederum tourt seit 30 Jahren im Frühjahr durch Deutschland und Europa. Mineev ist verheiratet mit der 30-jährigen Anna Shcherbakova, der Primaballerina der Truppe.

„Sie ist meine Motivation, besser zu tanzen“, sagt er mit selbstironischem Ton. Sie berichtet, dass es heute gang und gäbe sei, als professionelle Tänzerin in Russland gleich mehrere Kinder noch während der Tanzkarriere zu haben. Bei den beiden ist das erst mal noch Zukunftsmusik.

Anna Shcherbakova und Wladmir Mineev in „Schwanensee“ Quelle: Dietmar Scherf

Sie habe sich damals für die Liebe und gegen das Geld entschieden, erzählt Anna, die vor Vladmir einen reichen Freund hatte. Das Paar wird vom Staatlichen Russischen Ballett als Verkörperung des Liebesideals vorgestellt, wie es in Klassikern wie „Schwanensee“ und „Giselle“ porträtiert wird, in den Inszenierungen des Künstlerischen Leiters Wjatscheslaw Gordejew werden die althergebrachten Geschlechterrollen besonders betont.

Wjatscheslaw Gordejew. Quelle: Staatliches Russisches Ballett Moskau

Tradition steht bei dem ehemaligen Spitzentänzer, der wegen seiner Rolle als „Nussknacker“ als „letzter romantischer Prinz“ bekannt wurde, generell an erster Stelle. Zu Ehren seines 70. Geburtstags hat das berühmte Bolschoi Ballett seinem einstigen Star jüngst einen Galaabend ausgerichtet. Während dort mittlerweile auch moderne Inszenierungen zu sehen sind, setzt Gordejew beim Staatlichen Russischen Ballett Moskau ganz auf das klassische russische Ballett. „Ästhetik ist Tradition“, sagt er. „Die Tänzer verschmelzen mit den alten Rollen, werden ein Teil des Stoffes. Es ist wie beim Gedichtlernen: Mit jeder neuen Wiederholung verinnerlicht man es ein bisschen mehr.“

Die Tourdaten

Als Staatliches Ballett ist die Truppe zu 100 Auftritten im Jahr in Russland verpflichtet. Den Rest der Zeit verbringt das Ensemble auf Tour. Auftritte in Deutschland 2019 mit „Schwanensee“ und „Der Nussknacker“: unter anderem in Dresden (7.1.), Berlin (ab 8.1.), Hamburg (ab 13.1.), Braunschweig (27.1.) und Rostock (29.1.)

Die Trainerin Olga Kokhanchuk pflichtet ihm bei. Die ehemalige Tänzerin steht auch noch mit mehr als 70 Jahren fast täglich im Ballettsaal. Einst legte sie mit 12 Jahren 150 Kilometer allein zu Fuß durch Sibirien zurück, um heimlich zur Aufnahmeprüfung zu gelangen. Diese eiserne Selbstdisziplin erwartet die kleine Frau heute von ihren Schülern. „Man muss mit sich kämpfen, sonst kann mein kein guter Tänzer sein“, sagt sie. Wenn jemand von modernem Tanz spricht, verzieht sie das Gesicht wie beim Biss in den sauren Apfel. „All diese Nackten, die haben beim Ballett nichts verloren.“ Wie Gordejew spricht sie mit einem Raunen in der Stimme vom russischen System des Tanzes.

Auch „Der Nussknacker“ gehört zum klassischen Repertoire. Quelle: Staatliches Russisches Ballett Moskau

Vladmir und Anna sind da etwas anderer Meinung. Das Paar lässt durchblicken: Sie würden gerne einmal Pfade jenseits von „Schwanensee“ und „Nussknacker“ erkunden. „Wir wollen nicht immer das Gleiche tanzen“, sagen sie.

Anna muss mit ihren 30 Jahren bereits an ein Leben nach der Bühne denken. Nach 15 Jahren als Primaballerina beziehungsweise nach 20 Jahren als Ensembletänzer bekommt man in Russland bereits eine kleine Rente. Anna lässt sich als Ballettmeisterin ausbilden. Vielleicht wird sie mit ihren Schülern eines Tages neue Wege ertanzen.

Von Nina May/RND

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