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Kultur So gut ist das neue Album von LaBrassBanda
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14:22 28.02.2017
Es gibt Volksmusik und es gibt LaBrassBanda. Mit ihrem neuen Album „Around The World“ bringen sie Trompete, Posaune und Tuba zurück. Quelle: LabrassBanda/Stefan Bausewein
Hannover

LaBrassBanda aus dem Chiemgau verzichtet auf dem neuen Album gänzlich auf Gitarren und Keyboards, ersetzt sie durch drei Trompeten, eine Posaune und eine Tuba. Gerade erst ist sie von einer sechswöchigen Welttournee zurückgekehrt, die sie unter anderem nach Ho-Chi-Minh-Stadt, Hongkong, Tokio, Sydney, Honolulu, Mexico-City und Marrakesch führte. Diese Riesenrunde um die Erde war für die Band sowohl Traumurlaub, als auch PR-Aktion für das neue, vierte Studioalbum „Around the World“.

LaBrassBanda bei einer spontanen Jam Session in Marrakesch. Quelle: dpa

Drei Erlebnisse blieben in Erinnerung:

1. Das Durcheinander der Mopedfahrer in Ho-Chi-Minh-Stadt. „Du musst nur beherzt losgehen, wenn du eine Straße überqueren willst. Sie fahren einfach um dich herum“, erzählt Sänger und Trompeter Stefan Dettl im Telefoninterview. Mit „beherzt“ könnte man auch Dettls musikalischen Mut umschreiben.

2. Tokio. „Die Stadt ist gar nicht hektisch und laut, so wie ich es mir vorgestellt hatte, sondern im Gegenteil: geradezu gemütlich.“

3. Der Besuch der Sambaschule Sulgueiro in einer der Favelas von Rio de Janeiro. Die deutsche Band sah 1500 Tänzern und Trommlern bei einer Karnevalsprobe auf der Hauptstraße zu. Dettl schwärmt von der Energie, die er dort spürte: eine völkerverbindende Kraft. „Ich habe weinen müssen“, sagt er. In einem Youtube-Clip kann man die Band bei einer Jam Session mit den Brasilianern erleben.

Zwischen Heim- und Fernweh gefangen

Ihn plage „brutales Heimweh“, wenn er verreist, erzählt Dettl, und „totales Fernweh“, sobald er wieder zu Hause ist. Heimatliebe und Abenteuerlust prägen auch die Songs von LaBrassBanda. Auf dem neuen Album erschafft die Band einen lässigen, weit gereisten Mix aus Mosch und Mariachi, mischt alpenländisches Trompetenecho mit Rap und Reggae.

Damit hat die vor zehn Jahren gegründete Band nicht nur in ihrer bayrischen Heimat Erfolg, sondern im ganzen deutschsprachigen Raum. Beim Vorentscheid zum Eurovision Song Contest 2013 wurde sie mit ihrem Titel „Nackert“ Zweiter. Sie war Vorgruppe der Ärzte, tourte auf Einladung des Goethe-Instituts durch Russland und spielte beim Roskilde-Festival. Ihr Livealbum „Kiah Royal“ nahm sie in einem Kuhstall auf; im Publikum: nur die Kühe.

Seit einer Tour durch Bosnien ist LaBrassBanda eine Barfußband. „Wir waren zu fünft in einem VW Passat unterwegs“, erzählt Dettl. Zwei Shows waren gespielt, anderthalb Wochen lagen noch vor ihnen. Der Geruch der durchgeschwitzten Turnschuhe war einfach nicht auszuhalten. Notgedrungen ließen sie sie irgendwo zurück. „Es hilft nichts: alle Schuhe raus!“ Seitdem treten sie immer ohne auf.

Mix aus Mosch und Mariachi

Die Chiemgauer sind Vorbild für eine neue Generation von Volksmusikern, die die Tradition wahren und Neues wagen, die nichts vorgaukeln, sich kein Musikantenstadl-haftes Dauerlächeln ins Gesicht schminken, die nichts gegen Gaudi haben, aber auch Moll-Akkorde zulassen, weil die Welt einfach nicht heile ist.

Gefeiert werden die sieben Musiker als Scheunenfetenstimmungsmacher, am stärksten aber klingen auf „Around the World“ die Balladen: Mit „LaBa“ gedenken sie einem lieben Menschen, möglicherweise dem Großvater, den man verloren hat. „Nacht“ ist ein Lovesong. „I bleib bei dir, ganz egal, was kommt.“ Sogar Dettls Trompete scheint dieses Versprechen zu flüstern.

Man erwartet von einer Blasmusikkapelle nicht unbedingt politische Statements. Auch hier brechen LaBrassBanda mit dem Lustige-Musikanten-Klischee. „Johnny“ ist ein Antikriegslied mit Mariachi-Melancholie. Es geht um einen Soldaten, der befürchtet, sein Zuhause, seine Frau und sein Kind nie mehr wiederzusehen. Für den Text von „Ujemama“ hat sich Dettl von der Geschichte eines Flüchtlings aus Eritrea inspirieren lassen, der fünf Jahre unterwegs war, bis er Asyl fand. Die Ska-Trompeten imitieren den Laufschritt.

Die Dance-Pop-Nummer „Cadillac“ entwickelt den gleichen hypnotischen Sog wie „Here comes the Night Time“ von der kanadischen Indie-Rockband Arcade Fire. Dettl besingt „a kloana Spinner“, den einsamen Außenseiter, den es in jeder Klasse, in jedem Dorf gibt, der einfach nicht gesellschaftskompatibel ist, als habe man ihm die PIN fürs Miteinander vorenthalten. „Ein spröder Typ.“ So einer tanzt auch komisch, sagt Dettl.

Vor LaBrassBanda sei er selbst menschenscheu gewesen, erzählt er. Die Wandlung zu einem „Groovemonster“, als das die Plattenfirma die Band bewirbt, ist deshalb umso bemerkenswerter. „Mir san net die Coolsten, san net die Besten, aber wir schmeißn die geilsten Festl“, rapt Dettl in „Indian Explosion (Bauwagn)“ – und man ahnt, dass ihn wohl die Band einst vor dem in der Ecke stehen bewahrt hat.

Von Mathias Begalke/RND

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