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Kultur „Norman“ – Richard Gere als Amerikas Münchhausen
Mehr Welt Kultur „Norman“ – Richard Gere als Amerikas Münchhausen
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00:00 20.09.2017
Bluff in New York: Norman Oppenheimer (Richard Gere) ist nicht der große Geschäftsmann, der er zu sein vorgibt. Quelle: Foto: Sony
Hannover

Norman Oppenheimer ist der Chef der von New York aus operierenden Firma „Oppenheimer Strategies“. So steht es jedenfalls auf seiner Visitenkarte, die er großzügig verteilt. Denn tatsächlich besteht sein Büro aus seinem Smartphone und seiner Umhängetasche, mit denen er tagtäglich über New Yorker Geschäftsstraßen flaniert, um dort angeblich Kontakte anzubahnen oder zu pflegen.

Einmal setzt Norman auf das richtige Pferd

Normans vermeintliche Kunden sind amerikanisch-israelische Juden, um deren Belange er sich scheinbar kümmert. Und er sieht sich selber als genialer Strippenzieher und Netzwerker, obwohl er meistens die Leute mit seinem Geschwätz und seinen Lügengeschichten verschreckt. Norman ist nämlich in Wirklichkeit ein Bluffer, ein Loser, der dann jedoch einmal rein zufällig auf das richtige Pferd setzt.

Eines Tages lernt er bei seinen Streifzügen den israelischen Politiker Micha Eshel (Lior Ashkenazi) kennen. Die beiden kommen ins Gespräch, und schließlich kauft Norman ihm sündhaft teure Schuhe. Drei Jahre später wird Eshel israelischer Premierminister und erinnert sich bei einem New-York-Besuch (in den besagten Schuhen steckend) an Normans Großzügigkeit. Und das hat für unseren angeblichen Netzwerker ungeahnte Folgen: Plötzlich ist er in der jüdischen Szene New Yorks tatsächlich ein gefragter Mann, also genau das, was er immer vorgab zu sein. Und ganz schnell verstrickt er sich in politische Machenschaften.

Eine leichte Tragödie, die von ihrem Hauptdarsteller lebt

Inszeniert hat diese Geschichte vom Aufstieg und Fall eines ewigen Verlierers der in Israel groß gewordene Regisseur Joseph Cedar. Und ihm ist mit „Norman“ eine charmante, amüsante und erstaunlich leichte Tragödie gelungen, die vor allem von ihrem Hauptdarsteller Richard Gere lebt. Er spielt seine Figur als durchweg liebenswerten alternden Sonderling und bleibt als moderner Münchhausen bis zum Schluss dennoch eine nie ganz durchschaubare Figur. Eine großartige Leistung! Gut unterstützt wird Gere dabei von prominenten Nebendarstellern wie Michael Sheen, Steve Buscemi und Charlotte Gainsbourg.

Von Ernst Corinth / RND

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