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Kultur „Niveau Weshalb Warum“
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09:40 02.02.2015
Ein Mitglied der Band Deichkind steht auf der Bühne der Trabrennbahn in Hamburg. Quelle: Sven Hoppe/dpa

Die Protagonisten mit den eigenartig leuchtenden Pyramidenköpfen und Künstlernamen wie Porky, Kryptik Joe, DJ Phono und Ferris Hilton vertreiben ihre Songs künftig als Sultan Günther Music. Ihr Mix aus elektronischen Klängen, Hip-Hop-Anleihen und künftigen Einträgen im Jahrbuch für Jugendsprache dürfte sich trotzdem rentieren. Denn Deichkind setzt nach dem dröhnenden Lohnabhängigkeits-Lehrstück „Bück dich hoch“ von 2011 auf dem neuen Album „Niveau Weshalb Warum“ ganz auf unternehmerisches Risiko. Leider geil.

„Denken Sie groß“ lautet ein Titel des neuen Albums. Die Band versammelt darauf Sprachperlen aus dem Motivationstrainer-Satzsetzkasten wie „Bauen Sie kein Reihenhaus, bauen Sie ein’n Vorort“ oder „Kaufen Sie kein Weed, man, kaufen Sie Jamaica“. Sprachlich anspruchsvoll wird Agenturvokabular trefflich persifliert und atemlos präsentiert.

Seit ihrem Beginn 1997 überzeichnen die erfolgreichen Künstler Musikstile, Jugendkulturen, Lebensentwürfe. Sie machen sich als Rapper über Hip-Hop lustig, feiern die Party als Lebensinhalt am lautesten mit und nehmen sich nun etwa in „Like mich am Arsch“ die sozialen Medien vor, die sie selbst perfekt bedienen. Am deutlichsten konnte man die Deichkind-Arbeitsweise vor fünf Jahren in Hamburg ganz analog beobachten. Die Band gab ein Konzert ohne Ton, tanzte in Zeitlupe. Die grelle Show entlarvte sich selbst als durchkalkulierte Popparty-Choreografie. So schonungslos hatten sich selten Popstars offenbart. In dem neuen Stück „So ‘ne Musik“ heißt es über ihre Fans: „Immer noch die Gören / keine Chance sie zu erziehen“ und „Wir agieren Soziogruppenorientiert“. Mit diesem Mut zum offenen Visier lässt sich bestens über Werbetexter und Menschen, die sich über Krümel im Toaster beschweren, herziehen.

Musikalisch betätigen sich die Musiker als Kulturchronisten: Moderne Elektrobreaks treffen auf Synthie-Flächen und Drum-Computerklänge der Achtzigerjahre. Es blitzt Dance-Pop auf, bei „Denken sie groß“ setzt sogar eine niedelnde Gitarre ein - auch das galt einst als Innovation. Deichkind bewahren und entlarven die Ideen der Popkultur und reichern sie mit gesellschaftspolitischen Beobachtungen an. Es mag sein, dass man nicht jede Anspielung, jede noch so kleine gemeine Stilkritik, beim ersten Hören versteht. Aber zur Not lässt sich auch einfach gut zu diesem Tech-Rap-Zirkus tanzen.

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