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Kultur „Multimedia-Powerdemo-Dingsbums“ mit Strunk
Mehr Welt Kultur „Multimedia-Powerdemo-Dingsbums“ mit Strunk
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09:35 23.02.2015
Von Daniel Alexander Schacht
Das von Heinz Strunk als „Multimedia-Powerdemo-Dingsbums“ angekündigte Programm entpuppt sich als Bild- und Tonkonservenmix mit Fotos, Filmen und Zeichnungen. Quelle: Tim Schaarschmidt

Ja, ist das denn ein Motivationskurs, ein Werbeworkshop, ein Psycho-Teach-in? Der Sprechgesang, neudeutsch Rap, mit dem Heinz Strunk startet, legt es nahe: „Aufnehmen, bewerten, handeln“, lautet der Refrain. Von Mehrwert, Selbstoptimierung, „Power Days“ ist viel die Rede an diesem Abend, der „Das Strunk-Prinzip“ heißt, also genauso wie Strunks Buch, das seine genauso betitelten „Titanic“-Kolumnen enthält. Und der doch „keine Lesung“ sein soll, sondern ein „Multimedia-Powerdemo-Dingsbums“.

Das entpuppt sich als Bild- und Tonkonservenmix mit Fotos, Filmen, Zeichnungen. Und – live! – dazu eben Strunk, der zum Playback-Sound singt, Flöte spielt oder redet, um seine Weltsicht darzutun. Die ist, kurz gesagt, sarkastisch, zynisch, manchmal komisch, oft denunziatorisch. „Ich habe mal bitter geweint, weil ich keine Schuhe hatte, bis ich jemanden gesehen habe, der keine Füße hatte“, sagt er da. Und (fast) alle lachen.

Doch worüber? Ist es der Schock der körperlichen Versehrung? Oder löst Mitleid mittlerweile Lachen aus? Strunk nimmt sich Senioren („Eine Generation ohne Zukunft“) vor, reduziert sie knackig-alliterierend auf „Indolenz, Inkompetenz, Inkontinenz“, springt dann zu Sex im Alter und vermag mit Formulierungen wie „orales Naschen“ oder „alte Haut will junge Lippen“ Heiterkeit im Saal hervorzurufen. Strunk ist ein Grenzgänger des Tabubruchs, der Überschreitung, der Geschmacklosigkeit. Der traut sich was, ist sein Gestus. Der nimmt sich wen vor, pfeift auf Political Correctness.

Strunk schaffe „Metaphernbrüche“ und zerlege „Leerformeln“ aus Medien und Werbung, war in Feuilletons über Mathias Halfpape, wie der 52-Jährige eigentlich heißt, schon zu lesen. Klar, Leerformeln greift er auf. Aber sind die schon zerlegt, wenn man sie nur zitiert? Strunk ist da schlichter als das Feuilleton. Das sei jetzt „schon problematisch“ gewesen, sagt er nach der Altenhäme. Öfter will er sich „schon mal vorab entschuldigen“. Nennt seine Beiträge „richtig peinlich“ oder „echt stumpf“. Er bleibt damit ein Grenzgänger, der sich brav hinter die Geschmacksgrenzen zurücktrollt, mit deren Verletzung er spielt. Also alles gar nicht so platt gemeint, wie es daherkommt?

Was Strunk wohl meint, ist das Marketing für sich selbst. Nach der Pause zeigt er Fotos aus der Zeit, da er noch mit Tanzkapellen getingelt ist, als wäre die Ochsentour durch die Provinz ein Wert an sich. Nach der Zugabe, die pünktlich um zehn endet, weist er noch auf seine künftige „Titanic“-Kolumne hin, auf einen Filmauftritt, einen Bildband, ein Album und noch ein Buch. Die Frucht des Eigenlobs: Strunks ebenso dankbares wie bescheidenes Publikum steht Schlange am Büchertisch.

Der Motivationskurs hat sich gelohnt.

Dass sich die Menschen die Hölle auf Erden schon selbst einrichten, sollen die Kunstinstallationen von „Himmel + Hölle“ demonstrieren. Das Werk des französischen Künstlers Jean-François Guiton ist noch bis zum 25. Mai in der Markuskirche zu sehen.

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