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Kultur „Lemmy hatte immer Angst vor Krankheiten“
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16:13 29.12.2015
Hat viele Jahre als Tourmanagerin von Motörhead gearbeitet: Ute Kromrey, die im niedersächsischen Einbeck lebt. Quelle: Ute Kromrey

Ein Anruf bei der „Mama der Motörhead-Familie“, die früher für das hannoversche Plattenlabel SPV gearbeitet hat und heute im niedersächsischen Einbeck lebt, wenige Stunden nach seinem Tod:

Sie kannten Lemmy seit mehr als 18 Jahren. Wie geht es Ihnen? 

Kleinen Moment, bitte. Ich hole mir kurz mein Glas mit Whisky-Cola. Das geht heute einfach nicht anders. Ich nehme gerade Abschied, so wie es Lemmy gemacht hätte – obwohl er ja zuletzt aus gesundheitlichen Gründen auf Wodka-Orange umgestiegen war. Ich habe gestern Nacht von seinem Tod erfahren. Einerseits kommt es nicht überraschend, er sah zuletzt wirklich sehr schlecht aus. Aber andererseits hatte er es bisher ja immer doch noch geschafft. Deshalb kommt es doch plötzlich. Es ist traurig.

Wann haben Sie Lemmy zuletzt gesehen?

Am 11. Dezember habe ich noch mit ihm gefeiert in Berlin, nach einem Konzert. Aber auf der Party saß er nur anteilslos daneben, war abgemagert, hat fast nichts mehr gegessen. Ich dachte, vielleicht sei er müde wegen der langen Tour. Lemmy hatte immer Angst vor Krankheiten. Aber er ist  dann vor ein paar Tagen beim Arzt gewesen, er hatte ja Diabetes. Aber der Blutzuckerspiegel war in Ordnung. Sie stellten stattdessen fest, dass ein großer Tumor in seinem Gehirn sitzt. Dieser Kerl! Steht in Berlin auf der Bühne und zieht seine Show ab! Mit diesem Teil im Gehirn! Unfassbar. 

Was war Lemmy für ein Mensch?

Er war immer ein einsamer Wolf. Er hat mir immer gesagt, dass wir Freunde seien. In meiner Welt ruft man dann einander an, hält Kontakt. Aber so war Lemmy nicht. Er ließ nicht viele Menschen nah an sich heran. Aber er trotzdem war der loyalste Mensch, den ich kenne. 

Hat er auf der Bühne eine Rolle gespielt?

Nein, es gab nur einen Lemmy. Das war ja das Geheimnis seines Erfolges, dass die Leute irgendwann gemerkt haben, dass der das ernst meint. Er hat das Leben genossen. Mit Alkohol, Drogen, Mädchen. Alles in vollen Zügen. Er hat dieselben Klamotten auf der Bühne getragen, wie zu Hause. Er hatte kein Haus auf Ibiza oder tolle Autos. Er hatte nicht einmal einen Führerschein. Sein einziger Luxus war seine Leidenschaft für einarmige Banditen.

Er hatte auch ein Faible für Nazi-Symbole.

Lemmy wusste immer, was Recht ist und was Unrecht. Er war auch nie Nazi. Er hatte nur irgendwann einmal gesagt, die bösen Menschen hätten die besten Uniformen. Daraufhin haben ihm immer mehr Fans Nazi-Devotionalien geschenkt. Bis seine Wohnung damit vollgerümpelt war.

Diese Wohnung war legendär. Waren Sie dort?

Ob ich dort war? Ich war oft in der alten, vollgerümpelten Bude in Los Angeles. Das war der Horror! Ich habe ihm vor drei Jahren eine neue besorgt. Lemmy hat mich die Mutter der Motörhead-Familie genannt. Und es stimmt schon. Er war für mich wie ein Baby, weil ich ja auch immer so viele Sorgen mit ihm hatte.

Ist Motörhead nun Geschichte?

Ja, das war’s. Es kann doch kein Motörhead ohne Lemmy geben. Lemmy war Motörhead. Diese Ära ist zu Ende. Alles andere wäre Leichenfledderei. 

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