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20:47 27.02.2015
Eintauchen in die Musik: Monster Magnet im Capitol. Foto: Christian Behrens
Hannover

Dave Wyndorf hat sich verändert. Das kantige Gesicht ist fast rundlich geworden, das dunkle Haar in Teilen dünn, und unter der schwarzen Lederjacke und dem schwarzen T-Shirt wölbt sich ein ordentlicher Bauch.

Doch wenn dieser große Wahnsinnige des US-Rocks zu singen beginnt, dann ist das Rock ‘n’ Roll.

Wyndorf ist mit seiner Band Monster Magnet in Hannover. Im gut gefüllten Capitol recken Fans schon vor dem Beginn die Faust mit abgespreiztem kleinen und Zeigefinger in die Luft - die Pommesgabel. Die Band beginnt mit zwei kurzen, knackigen Stonerrock-Nummern, die mit ihren trockenen Bassläufen und Riffs klingen, als käme diese Band nicht aus dem Garden State New Jersey, sondern eher aus einem US-Bundesstaat mit gewissem Wüstenanteil. Wyndorf, der „Spacelord“, wie ihn viele nach der gleichnamigen Single nennen, kann mit seiner Stimme brüllen und tieftourig grummeln wie ein Motor mit viel Hubraum, er kann ganz klassisch und monoton rocken, kann an anderen Stellen aber auch wie Ozzy Osbourne aus besten „Paranoid“-Zeiten klagen.

Wyndorf kann sich in seinen Songs mit Planeten unterhalten, es geht aber auch irdischer, wie in „Gods or Punks“, um Außenseiter, um Sex oder um die Ungerechtigkeit der Welt. Früher hat die Band auf Konzerten auch mal ganze Alben am Stück gespielt, zum Eintauchen, Fallenlassen in die Musik, wie das Wyndorf mal nannte. Beim Auftritt im Capitol gelingt es Monster Magnet, die ausufernden, psychedelischen Stücke neben den harten Stonerrock-Nummern nicht merkwürdig erscheinen zu lassen. Die Band klingt mit ihren drei Gitarren, Bass und Schlagzeug ordentlich druckvoll, ohne sich aber auf die Macht des Krachs zu verlassen. Wyndorf dreht dem Publikum auch immer wieder den Rücken zu, um an einem kleinen Reglerpult vor den Drums ein paar Klangeffekte ins Spiel zu bringen. Auf das weiße Stück Stoff an der Bühnenrückseite mit dem aufgedruckten „Bullgod“, dem Fantasy-Wappentier der Band, werden kleine Filmsequenzen projiziert. Zerberstende Schädel bei härteren Stücken, schwarz-weiße Drehscheiben bei ausufernden Nummern.

Ihr erfolgreichstes Album von 1995 betitelten die Bandmitglieder „Dopes to Infinity“. Ein psychedelisches, großes Stück Hardrock. Drogen bis der Arzt kommt, das war lange auch eines der Lebensmotive von Wyndorf außerhalb der Musik. Eine Überdosis in den Neunzigern, 2006 dann noch eine Überdosis, Schlaftabletten, vom Arzt falsch verschrieben, wie Wyndorf heute sagt. Nüchtern dasselbe tun können wie unter Drogen, das sei doch ein echtes Argument für das Clean-Sein, weil das eben noch viel härter sei, als diese Dinge zu machen, wenn man druff ist. Wyndorf beschrieb das schon Ende der Neunzigerjahre so: „Ich habe meinen Lebensstil überhaupt nicht geändert, nur dass ich eben keine Drogen mehr nehme.“

Von Gerd Schild

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