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Kultur Von Utöya zum Song Contest
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08:55 20.02.2014
Auf der Gedenkfeier zum 2. Jahrestag des Utöya Masskers wurden Kränze niedergelegt. Der norwegische Sänger Mo Abdi will sich selbst und anderen Überlebenden helfen. Quelle: Aleksander Andersen
Stockholm

Mohamed „Mo“ Abdi Farah hatte Glück. Obwohl er sich das Kreuzband gerissen hatte, sprang er ins Wasser und wurde von einem Boot gerettet, als Anders Breivik vor drei Jahren die Insel Utöya abschritt und mit Kopfschüssen seine Opfer hinrichtete. Nun schaut der damals 19-jährige Mo nach vorne: Er möchte Norwegen beim Eurovision Song Contest (ESC) vertreten.

Mohameds bester Freund und Musikkollege, Ismail Hajoi Ahmed gehört zu denen, die das Massaker von Utöya nicht überlebten. „Du hast Freunde. Und dann hast du jemanden, der dein bester Freund ist. Das war er“, erzählt Mo. Viele Überlebende leiden auch heute noch aufgrund der Ereignisse des Sommers 2011. Viele können ihren Beruf weiterhin nicht ausüben, weil sie krankgeschrieben sind. Auch Mo, der nach der Tat ein halbes Jahr im Rollstuhl saß, leidet noch an posttraumatischen Belastungsstörungen. „Doch jetzt, nach drei Jahren, beginnt es langsam besser zu werden.“

Seine Karriere als Sänger hatte der 19-Jährige 2010 begonnen, als er das Halbfinale der norwegischen Ausgabe von X-Factor erreichte. Im Sommer 2011 nahm Mo gerade sein erstes Album auf – dann war lange nichts mehr von ihm zu hören. Doch nun will Mo in Kopenhagen beim ESC mit seiner Elektropop-Ballade „Heal“ auftreten. Er will damit sich selbst und seiner erschütterten Nation helfen, den Massenmord von Utöya besser zu verarbeiten. Über die Geschehnisse auf der Insel selbst redet er nicht gern. Aber über den Bewältigungsprozess schon. „Im Stück geht es darum, zu akzeptieren, dass Heilung Zeit braucht. Ich will den Menschen sagen, dass sie nicht aufgeben dürfen“, sagt der Sänger. Sein Beitrag und die der anderen norwegischen Bewerber wurden gestern erstmals vorgestellt. Der junge Mann muss sich gegen 14 Mitbewerber durchsetzen, um zum Finale nach Kopenhagen reisen zu dürfen.

Für den 21-Jährigen mit den himmelblauen Kontaktlinsen war der Weg ins Showgeschäft auch ohne die Tat von Anders Breivik länger als für andere. Seine Kindheit verbrachte er mit seiner Mutter in einem Asylbewerberheim für Bürgerkriegsflüchtlinge aus dem islamischen Somalia. Mit sieben Jahren lernte er dort seinen verstorbenen besten Freund kennen. Sie malten sich eine Karriere als Tänzer und Sänger aus, verkleideten sich als Stars und übten erste gemeinsame Songs. Beide hatten einiges zu vergessen. Mohammeds Vater wurde 1994 ermordet. Mutter und Sohn flohen mit Menschenschmugglern, denen sie 3500 Euro gaben, aus Mogadischu nach Norwegen.

Ob Mo es zum Eurovision Song Contest schafft, bleibt bis zum norwegischen Vorentscheid am 15. März offen. Unterstützer des Sängers kommen auch aus dem politisch linken Lager. Denn seit Herbst hat Norwegen eine Regierung, an der die einwanderungsfeindliche Fortschrittspartei beteiligt ist. Anders Breivik war dort einst aktives Mitglied. Mo Abdi mit seinem somalischen Ursprung als Vertreter Norwegens zum ESC zu schicken, würde „die richtigen Leute in Norwegen ärgern“, umschreibt es ein norwegischer Kulturjournalist.

Der ESC 2014 findet in diesem Jahr vom 6. bis 10. Mai in Kopenhagen statt. Im Vorjahr gewann die Dänin Emmelie de Forest das Finale mit dem Lied „Only Teardrops“ im schwedischen Malmö. Die Norwegerin Margaret Berger erreichte mit ihrem Beitrag „I Feed You My Love“ immerhin den vierten Platz. Nachdem Finnland, Schweden und Dänemark den ESC gewonnen haben, erhofft sich Norwegen nun auch wieder, einen der vorderen Plätze zu erreichen. Das Land konnte bisher dreimal den Eurovision Song Contest gewinnen. 1985 mit den Bobbysocks, 1995 mit der Gruppe Secret Garden sowie 2009 mit Alexander Rybak und dessen Beitrag „Fairytale“.

André Anwar

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