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Kultur Weltstar von der Alm
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13:52 02.02.2014
Von Stefan Stosch
Die USA liebte ihn: Maximilian Schell. Quelle: dpa

Der Ruf aus Hollywood erreichte ihn Ende der Fünfziger: Ob er die Rolle des Hauptmanns Hardenberg in dem Kriegsfilm „Die jungen Löwen“ haben wolle? Gewiss, dieser Hardenberg war ein typischer Nazi-Scherge, ein verblendeter Sadist, ein Endsieg-Fetischist - halt einer dieser Parts, für die bis heute allzu gerne deutsche Schauspieler im US-Kino herangezogen werden. Dafür aber durfte der blendend ausschauende Mime an der Seite von Marlon Brando (mit blondiertem Haar!) und Montgomery Clift treten - und das, obwohl er damals kaum ein Wort Englisch sprach, weil er in der Schule lieber Griechisch gebüffelt hatte. Seine Agentin jubelte. Und was sagte Maximilian Schell, keine 30 Jahre alt? Er möchte, bitte schön, erst mal das Drehbuch lesen.

Die Bitte wurde ihm gewährt. Noch oft sollte sich Schell in deutsche Uniformen zwängen lassen, etwa in Sam Peckinpahs „Steiner – Das eiserne Kreuz“ oder in Richard Attenboroughs „Die Brücke von Arnheim“. Die selbstbewusste Reaktion zeigt aber schon, dass sich Schell seiner Wirkung in der Welt bewusst war, lange bevor er als Charmeur mit locker drapiertem Schal, gepflegtem Bart und sonorer Stimme die Huldigungen seiner Fans entgegennahm - und dazu Preise als Opern- oder Filmregisseur, Dokumentarfilmer, Musiker, Maler oder Bühnenautor. Zudem steckte eine tragische Ironie in der Besetzung als Endsieg-Kämpfer: Schells Schauspielerfamilie war 1938 nach dem „Anschluss“ Österreichs in die Schweiz emigriert.

In Zürich studierte er Philosophie, Kunstgeschichte, Musik- und Theaterwissenschaft. In Basel schnupperte er erste Bühnenluft. Von dort trat er seine Karriere an westdeutschen Theatern an. Gustaf Gründgens holte ihn 1959 ans Deutsche Schauspielhaus in Hamburg - in Gründgens berühmter Abschiedsinszenierung gab er den Hamlet. Von 1978 bis 1982 triumphierte Schell als Jedermann bei den Salzburger Festspielen. Zu diesem Zeitpunkt war er schon ein Weltstar. Davon gab es nicht so viele, vielleicht noch Curd Jürgens, Klaus Maria Brandauer oder Hardy Krüger.

Schell hatte den anderen aber Entscheidendes voraus: Er war 1962 der erste deutschsprachige Gewinner eines Schauspieler-Oscars nach dem Krieg. Erst Christoph Waltz sollte ihm ein knappes halbes Jahrhundert später nachfolgen.  Wieder war es gewissermaßen die dunkle deutsche Vergangenheit, die ihm die wohl größte Stunde in seiner großen Karriere bescherte: Zusammen mit Marlene Dietrich und Spencer Tracy spielte er in Stanley Kramers Gerichtsfilm „Das Urteil von Nürnberg“ den fanatischen Verteidiger eines Nazi-Juristen. Nach diesem Erfolg konnte er seinen Rollenfach erweitern. Er drehte mit Vittorio de Sica („Die Eingeschlossenen“ nach Sartre), mit Sidney Lumet („Anruf für einen Toten“) und mit Peter Ustinow („Topkapi“).

1998 stand er für den Apocalypse-Thriller „Deep Impact“ noch einmal vor einer Hollywood-Kamera - leicht verdientes Geld, das er für ambitioniertere Projekte brauchte. In den USA fühlte sich Schell in den Bush-Jahren immer weniger heimisch. Er kehrte auf die Kärntener Alm zurück. Hier hatte er seine Kindheit verbracht, hier pflegte er seine demente Schwester Maria, deren „kleiner Bruder“ er nach eigenem Empfinden immer blieb. Über die noch weltberühmtere Schauspielerin drehte er das berührende Porträt „Meine Schwester Maria“ (2002). Hervorgetan als Dokumentarfilmer hatte sich Schell schon mit einem anderen Frauenporträt - auch wenn die Porträtierte darin gar nicht zu sehen ist: Grundlage war ein 17-stündiges Interview mit Marlene Dietrich.

„Marlene“ (1984) ließ in ihrem Pariser Apartment keine Kamera mehr an sich heran - wohl aber Schell mit seinem Tonband. Auf der Leinwand machte er sie durch Scherenschnitte und als Silhouette präsent. Überhaupt, die Frauen: Was ihn an denen fasziniere, wurde Schell mal gefragt. „Alles“, antwortete er. Aufsehen erregte er durch seine Liaison mit Soraya, der Gattin des letzten Schahs von Persien. Zuletzt war er verheiratet mit der 47 Jahre jüngeren deutschen Opernsängerin Iva Mihanovic. In hohem Alter hatte der Weltstar von der Alm gesagt: „Das Leben ist ein Theaterstück. Man wird von Gott ausgeschickt, und dann heißt es: Du spielst den, und du spielst den. Und hinterher kommen wieder alle zusammen, und es gibt eine Kritik.“ Im Alter von 83 Jahren ist Maximilian Schell nun in einem Innsbrucker Krankenhaus gestorben. Gute Kritiken ist er jedenfalls gewohnt.

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