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Kultur „Lohengrin“ in Bayreuth überzeugt vor allem musikalisch
Mehr Welt Kultur „Lohengrin“ in Bayreuth überzeugt vor allem musikalisch
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10:10 27.07.2010
Von Rainer Wagner
Die Ratten sind los: Szene aus Hans Neuenfels’ „Lohengrin“-Inszenierung. Quelle: ap

Das schönste Bild ist ein Klangbild. Fast unhörbar schweben die Streicherklänge heran, füllen das Bayreuther Festspielhaus und entwickeln die narkotische Wirkung, die einst Friedrich Nietzsche im „Lohengrin“-Vorspiel erkannt hatte. Der junge Dirigent Andris Nelsons nimmt sich sehr viel Zeit, legt Sphäre auf Sphäre – wie Schattenwürfe eines Seidenschals. Und wenn die Streicher des Bayreuther Festspielorchesters noch etwas homogener im Ansatz wären, dann müsste dieser Beginn verzaubern. So aber bleibt ein Erdenrest – und es schmälert den Erfolg des jungen Letten nicht, dass er als Bayreuth-Debütant doch gelegentlich seinen Tribut an die nicht nur akustisch, sondern überhaupt baulich besonderen Verhältnisse des Hauses leisten muss.

Noch während des Vorspiels öffnet sich der Vorhang, und wir sehen ein klinisch weißes Gebäude. Links und rechts zwei Seitenwände, in der Mitte eine ebenso knallweiße Wand, die Lohengrin beim Versuch, eine Tür zu öffnen, nach hinten schiebt. Der Mann will rein. Oder raus?

Dann aber naht das Volk der Ratten. Man war ja vorgewarnt, denn neuerdings gibt es in der einstigen Geheimnishochburg Bayreuth ja Probenberichte und viele, viele Interviews. Um Ratten solle es gehen, hatten Regisseur Hans Neuenfels und sein Ausstatter Reinhard von der Thannen vorab verraten. Und gleich eine Dechiffrierspur gelegt. Man habe sich von Alain Resnais’ Film „Mein Onkel aus Amerika“ inspirieren lassen. Doch in dessen Motivpuzzle tragen am Ende die Hauptdarsteller Rattenköpfe, hier wird nur der Verschwörer Telramund zur miesen Ratte, die Ratten vermenschlichen – und die Helden bleiben nagetiermäßig sowieso außen vor. Gemeinsam ist dem Film und der Oper allenfalls, dass sie im Spannungsfeld zwischen Rattenlabor und Beziehungskiste spielen.

Es gibt schwarze Ratten und weiße Ratten und später auch putzige kleine rosa Ratten. Mal tragen sie Vollkostüm, mal nur Kopfmasken oder Rattenpfoten. Mal fahren die Rattenkostüme an Haken in den Himmel, mal treten die Damen der Gesellschaft in knallbunten Kleidern an: samt Rattenschwanz.

In jeder Version sind die Tiere übrigens nicht eklig, sondern eher putzig. Und man muss Regisseur Neuenfels zumindest in einem Punkt recht geben. Wenn die Chorscharen ihr „Heil, König Heinrich“ schmettern, dann ist das etwas anderes, wenn da 80 Ratten singen als 80 Behelmte.

Man kann über die Tiermetapher lange nachgrübeln, man muss aber nicht. Wenn man den Ratten das sprichwörtliche Fell über die Ohren zieht, dann bleibt eine eher konventionelle „Lohengrin“-Inszenierung übrig. Altmeister Neuenfels zeigt bei den Zweierbeziehungen durchaus Spannendes, greift manchmal auch auf Routine zurück und aufs Selbstzitat und bleibt ansonsten verblüffend brav. Vielleicht kommt das Bayreuth-­Debüt des 69-Jährigen doch zu spät. Früher hätte der Religionskritiker Neuenfels ein Kreuz nicht nur demontiert und wieder zusammengesteckt.

Behalten hat er seine nicht immer glückliche Liebe zu Schautafeln und Filmen. Da fährt eine Leinwand herab und präsentiert uns „Wahrheit 1“: Telramunds Anklage gegen Elsa, die ihren Bruder verloren hat. Später ist zu erfahren, dass hier bereits ein erster (Trick-?)Film hätte laufen sollen, was wegen einer Panne allerdings aus-, wenn auch nicht auffiel. „Wahrheit 2“ ist dann zum Gottesurteil ein Rattenkampf-Zeichentrickfilm zu einem nicht sehr professionell gestalteten Zweikampf. Und „Wahrheit 3“ ist zum Finale ein weiterer Zeichentrickfilm, in dem viele, viele Ratten einen Hund im Laufen skelettieren (eine Anspielung auf Richard Wagners Lieblingshund Russ?). Wer er sei, erklärt Lohengrin vor einem großen Fragezeichen. Und danach bleibt dann nur noch ein Ausrufezeichen!

Am Schluss kommt kein Schwan mehr, der musste schon zu Ende des ersten Aufzugs Federn lassen. Warum er da gerupft ist, bleibt Neuenfels’ Geheimnis. Lohengrin bringt den Brabantern zum Abschied eine Kinderüberraschung: ein großes Ei. Das wird gedreht und zeigt einen reichlich deformierten Embryo, der seine Nabelschnur zerteilt und wie Bratwürste in die Massen wirft, die nicht nur deshalb dahinsinken.

Gewiss gelingen Neuenfels auch poetische Bilder, selbst wenn vieles in der Schwarz-Weiß-Zeichnung verharrt. Dass die gescheiterte Elsa und ihr verlorener Lohengrin am Ende in Schwarz auftreten, ist naheliegend, Aber warum trägt die schwarzseelige Intrigantin Ortrud nun Weiß?

Um einen gestandenen Wagnerianer aufzuregen, ist diese Provokation aus zweiter Hand noch tauglich, doch für Festspielglanz muss schon die Musik sorgen. Und da hätte Dirigent Andris Nelsons schon etwas mehr Begeisterung beim Applaus verdient. Nelsons wagt sich an die Hochromantik des Stücks, er lässt das Wunder brausen und Elsas Herzensnöte pulsieren und beben. Dieser Dirigent riskiert bei den Jubelchören auch, die Besinnungslosigkeit dieser Musik zu demaskieren. So gehört zu den spannendsten Momenten in Bayreuth, wenn beim Duett zwischen Ortrud und Elsa der eigentlich im Graben unten unsichtbare Dirigent durch eine Spiegelung zu sehen ist.

Gesanglich ist der Titelheld auch der Held des Abends – und wird entsprechend gefeiert. Startenor Jonas Kaufmann sieht nicht nur blendend aus, er singt auch so – zumindest, wenn er strahlend fokussiert. Das hat Glanz. Doch dass sein Piano wie ein – noch dazu leicht gaumiges – Mezza Voce klingt, mit halber Stimme (oder noch weniger), das ist Geschmackssache. Trotzdem bleibt die Gralserzählung, die er zunächst ganz leise intoniert, ein Kunststück.

Annette Dasch als Elsa ist nicht nur Wagner- und Bayreuth-Debütantin, sondern dabei auch Grenzgängerin. Das Mädchenhafte liegt ihr, das Hochromantische (über-)fordert sie – und die Forderung nach Textverständlichkeit auch. Die ist bei Evelyn Herlitzius ausgeprägter, solange sie ihre Ortrud nicht messerscharf und intonationsunscharf vorpreschen lässt. Dagegen liefert Routinier Hans-Joachim Ketelsen, der die Rolle des Telramund vom erkrankten Italiener Lucio Gallo übernahm, ein solides Fundament. Zumindest stimmlich souverän ist auch Georg Zeppenfeld als König Heinrich. Und Samuel Youn als Heerrufer tönt so selbstbewusst wie der Festspielchor.

Am Ende lauter Protest gegen Neuenfels, gemischter Beifall für die Musiker und Sänger und lauter Jubel für Kaufmann.

Aber Aufbruch sieht anders aus. Jonas Kaufmann hatte sich die Rolle des Lohengrin längst erobert. Und Andris Nelsons wird auch ohne Bayreuth Weltkarriere machen.

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