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Kultur Künstler protestieren gegen BP als Hauptsponsor der Kulturszene
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20:23 02.07.2010
Öl und Federn fürs Museum: Demonstranten vor der Tate Britain Gallery in London. Quelle: ap

BP sieht sich an einer neuen Front unter Druck. Einen „heißen Sommer“ haben Künstler und Umweltschützer dem in London ansässigen Ölkonzern versprochen. Das gleiche Gelöbnis gilt allen „von BP geölten“ Kultureinrichtungen an der Themse.

Gruppen, die sich „Greenwash Guerrillas“ oder „Good Crude Britannia“ nennen, wollen den Strom der Fördergelder stoppen, der aus den Taschen von BP in fast alle berühmten Kulturinstitutionen Londons fließt. Mit ihrer Unterstützung der Künste im Vereinigten Königreich wolle die Ölindustrie doch nur von ihrer „destruktiven Natur“ beim Rohölraubbau in der Welt ablenken, murren die Rebellen. Mehr als 170 britische Künstler, Musiker und Schriftsteller haben sich in einem offenen Brief der Aktion angeschlossen. Es sei Zeit, heißt es in ihrem Aufruf, dass die namhaften Kultureinrichtungen der Nation endlich auf die Förderung verzichteten und sich von diesem „Schmutzfleck“ auf der eigenen Reputation befreiten.

Erste Kundgebungen, denen noch sehr viel mehr folgen sollen, hat es bereits gegeben. Bei der jährlichen Preisverleihung der „BP Portrait Awards“ in der Britischen Nationalgalerie verteilten Mitglieder eines eingeschleusten Filmteams Weingläser, die mit einer zähflüssigen schwarzen Brühe gefüllt waren. In der Turbinenhalle der Tate Modern ließen Demonstranten schwarze Luftballons aufsteigen, an die sie tote Fische geknüpft hatten.

In der Tate Britain, der älteren und mehr um klassische Namen bemühten Tate-Schwester, störten zu Beginn dieser Woche mehrere Dutzend „Aufständische“ den Kreis hoher Gäste aus der Kulturwelt auf, die auf der Tate-Sommerparty BP für 20 Jahre Unterstützung dankten. Mit Öl und Federn verschmierten die Demonstranten den Museumseingang, um die Tate „zur Lösung ihrer Bande von BP“ zu bewegen. Einige der (geladenen) Partygäste fanden die Aktion höchst amüsant: Sie glaubten, dass es sich um einen für sie organisierten offiziellen Teil der Veranstaltung handelte.

Nicht zum Lachen fanden die Veranstalter den grünen Protest. Lord Brown of Madingley, der Aufsichtsratsvorsitzende der Tate, der früher einmal selbst Boss von BP war, konnte nur ungläubig den Kopf schütteln. Noch vorige Woche hatten Tate, Königliches Opernhaus, Britisches Museum und Nationale Porträt-Galerie gemeinsam BP ihre „Dankbarkeit“ für „langjährige Loyalität“ bezeugt. Immerhin soll die Summe, die BP zur Förderung der Künste in Britannien ausschüttet, mehr als eine Million Pfund pro Jahr betragen.

Die betreffenden Einrichtungen jedenfalls betrachten diese Zuwendungen ihrer Gönner als „lebensnotwendig“: „Das gibt uns überhaupt erst die Möglichkeit, ein reiches und lebendiges Kulturprogramm anzubieten.“ Auf die Unterstützung der Privatindustrie zu verzichten „würde zu einer regelrechten Dezimierung des Angebots führen“, warnt der frühere Vorsitzende des Englischen Kunstrates, Sir Christopher Frayling – zumal zu einem Zeitpunkt, da die britische Regierung im Zuge ihres finanziellen Radikalschlags auch für die öffentliche Kulturförderung Einschnitte plant, die bei 25 bis 30 Prozent liegen könnten.

Die Kombination dieser Kürzungen und schwindender Konsumkraft britischer Haushalte in den nächsten Jahren machten die weitere Hilfe der Großkonzerne unerlässlich, meint Frayling: „Jetzt ist nicht die Zeit, um plötzlich überempfindlich zu werden.“ Museen wie die Tate weisen überdies darauf hin, dass sie über „Ethikausschüsse“ verfügen, die sorgsam über innere Unabhängigkeit von den Sponsoren wachten. BP habe „einen langen und äußerst guten Ruf als Sponsor“, urteilt Maurice Davies vom Britischen Museumsverband. ­„Museen können schon selbst beurteilen, wer ein geeigneter Gönner ist und wer nicht.“

Londons BP-Kritiker bezweifeln das und halten weiteren öffentlichen Druck für notwendig. „Vor wenig mehr als einem Jahrzehnt wurde noch die Tabak­industrie als respektabler Partner für öffentliche Institutionen empfunden“, meint Hans Haake, Künstler und Erstunterzeichner des Aufrufs der 170. „Das ist heute nicht mehr der Fall. Wir hoffen, dass Öl und Gas bald denselben Weg gehen.“

Peter Nonnenmacher

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