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Kultur Ist „Nafea“ das teuerste Bild der Welt?
Mehr Welt Kultur Ist „Nafea“ das teuerste Bild der Welt?
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08:10 09.02.2015
Von Johanna Di Blasi
Gauguins „Nafea“ soll für 300 Millionen Dollar nach Katar verkauft worden sein. Quelle: Darek Szuster

Zwei Südseeschönheiten haben es sich in freier Natur bequem gemacht. Eine ist leicht bekleidet, die zweite trägt die Bluse hochgeschlossen. Jahrzehntelang gehörte das bezaubernde Bild „Nafea faa ipoipo“ (Wann wirst du heiraten?) des Postimpressionisten Paul Gauguin (1848–1903) zu den Publikumsmagneten im Kunstmuseum Basel. Bald jedoch dürfte das 1892 entstandene Gemälde die Schweiz verlassen.

Verkäufer des Gauguin-Bildes ist die Schweizer Rudolf-Staechelin-Familienstiftung. Sie verfügt über eine umfangreiche Sammlung impressionistischer und postimpressionistischer Kunst. Rudolf Staechelin, der für die Stiftung zuständig ist und als früherer Mitarbeiter des internationalen Auktionshauses Sotheby’s den Kunstmarkt gut kennt, bestätigte gegenüber verschiedenen Medien den Verkauf des Gemäldes. Angaben zum Preis und zum Käufer machte er aber nicht. Ob der neue Besitzer tatsächlich ein Milliardär aus den Emiraten ist, womöglich gar das Herrscherhaus in Katar, ist Spekulation.

Bevor die Familienstiftung das Gauguin-Werk aus den Händen gibt, wird es vom 8. Februar an in einer Gauguin-Retrospektive in der Fondation Beyeler in Basel zu sehen sein. Im Zentrum der Ausstellung stehen „Nafea“ sowie andere auf Tahiti entstandene Bilder des französischen Künstlers. Danach wird das Gemälde in Museen in Madrid und Washington präsentiert. Die Leihverträge mit dem Kunstmuseum Basel, insgesamt befinden sich dort 17 Werke aus dem Staechelin-Besitz, hat die Stiftung nach Angaben der „New York Times“ bereits gekündigt, weil mit der Sammlung in dem Haus angeblich nicht ausreichend gearbeitet worden sei. Für das Kunstmuseum Basel, das bis 2016 wegen Sanierungsarbeiten geschlossen hat, ist der Abzug der Leihgaben ein bitterer Schlag. Der Verkauf eines Bildes kommt allerdings nicht überraschend. Bereits seit den 1960er-Jahren hat sich die private Stiftung immer wieder von einzelnen Bildern getrennt, darunter waren Werke bekannter Künstler wie Vincent van Gogh, Claude Monet, Alfred Sisley oder auch schon Paul Gauguin: 1989 erbrachte dessen bretonisches Landschaftsbild „Entre les lys“ 11 Millionen Dollar.

Verkäufe sind durchaus im Sinne des Baseler Unternehmers und Sammlers Rudolf Staechelin (1881–1946). Dieser wollte mit seiner Sammlung weniger die Öffentlichkeit beglücken als seinen Hinterbliebenen eine „Notreserve“ hinterlassen. Als beispielsweise 1967 eine ­geschäftliche Schieflage herrschte, veräußerte der Family Trust mehrere Kunstwerke, um sich zu sanieren.

Zum jetzigen Verkauf sagte der Enkel des Stifters im Interview mit der „New York Times“, dass keine finanzielle Notlage der Grund für den Verkauf sei, sondern die günstige Marktsituation: „Wir haben ein gutes Angebot bekommen. Der Markt ist im Moment sehr gut. Wer weiß, was in zehn Jahren sein wird.“ Das Emirat Katar ist einer der wichtigsten Käufer für moderne Kunst. Auch Paul Cézannes „Kartenspieler“, das mit dem kolportierten Verkaufspreis von 250 Millionen Dollar bislang als teuerstes Kunstwerk der Welt galt, soll nach Katar verkauft worden sein, an die dortige Herrscherfamilie.

In den Museen des Emirats befinden sich überwiegend traditionelle islamische Kunstschätze und Werke arabischer Gegenwartskünstler. Es ist wahrscheinlich, dass die verführerischen Exotinnen Gauguins, sollten sie tatsächlich nach Katar gelangen, für unabsehbare Zeit in einem Privatgemach verschwinden.

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