Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Kultur Islamisten verwüsten Museum in Mossul
Mehr Welt Kultur Islamisten verwüsten Museum in Mossul
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:16 27.02.2015
Screenshot aus einem Video, das von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) veröffentlicht wurde und das angeblich zeigt, wie IS-Anhänger im Museum der Stadt Mossul (Irak) bedeutende Bildwerke aus der Antike zertrümmern. Quelle: dpa
Mossul

Einige der Täter tragen Bärte und traditionelle Galabiyyas, andere sind glattrasiert, in Jeans und T-Shirt gekleidet. „Auch wenn diese Dinge hier Milliarden von Dollar wert sind, für uns sind sie absolut nichts“, deklamiert einer der Bärtigen mit erhobenem Zeigefinger in die Kamera.

Die Welt ist empört. Unesco-Chefin Irina Bokova hat eine Krisensitzung des UN-Sicherheitsrates beantragt. Archäologen in Europa und den USA vergleichen die Barbarei im irakischen Mossul mit der Zerstörung der Buddha-Figuren von Bamian 2001 durch die afghanischen Taliban. „Eine Tragödie und ein katastrophaler Verlust von unfassbaren Dimensionen“, urteilt der syrische Historiker Amr al-Azm. Thomas Campbell, Direktor des Metropolitan Museum of Art in New York spricht von der „katastrophalen Zerstörung eines der wichtigsten Museen des Nahen und Mittleren Ostens“.

Eine Tragödie aus purer Lust an der Gewalt

Bereits kurz nach der Eroberung von Mossul im Juni 2014 hatten die IS-Gotteskrieger in der zweitgrößten Stadt des Iraks Dutzende Moscheen und Kirchen gesprengt, darunter das berühmte Mausoleum des Propheten Jonas. Zuletzt jagten sie am Donnerstag die Rote Moschee im Stadtzentrum in die Luft, die aus dem 12. Jahrhundert stammt.

Im Januar bereits hatten sie die Universitätsbibliothek geplündert und die Zentralbibliothek von Mossul angezündet. 8000 unwiederbringliche Manuskripte verbrannten. Im Antikenmuseum drohten die Kämpfer damals, man werde wiederkommen und alle Skulpturen zerstören, wenn ihr Anführer Abu Bakr al-Baghdadi dies per Fatwa befehle. Acht Monate später haben sie nun ihre Ankündigung wahrgemacht.

Neben altorientalischen Skulpturen in Mossul wurde auf dem nahe gelegenen Ausgrabungsgelände von Niniveh auch eine monumentale assyrische Hüterstatue zerstört. Der geflügelte Stier aus Granit aus dem siebten Jahrhundert vor Christus gehörte zur Befestigung von Ninive, einer der Hauptstädte des assyrischen Reiches.

Ein Paradies für Plünderer

„Diese Statuen hinter mir sind Götzen von Menschen früherer Jahrhunderte, die diese anstelle von Allah anbeteten“, deklamiert einer der IS-Krieger, der in dem Video als Moderator des Schreckens fungiert „Diese Statuen und Götzen stammen nicht aus der Zeit des Propheten oder seiner Begleiter, sie wurden von Satanisten ausgestellt.“

Es scheint jedoch, dass die IS-Vandalen überwiegend die großen und monumentalen Stücke zerstörten, kleinere Ausstellungsstücke dagegen verschonten - möglicherweise, um mit ihrem Verkauf auf dem Schwarzmarkt ihre Kriegskasse zu füllen. Die von der IS-Terrormiliz beherrschten Gebiete im Irak und in Syrien sind zum Paradies für Plünderer geworden. Experten wie der Bostoner Archäologe Michael Danti schätzen, dass nach den Ölverkäufen der Antikenraub mittlerweile ihre zweitwichtigste Einnahmequelle ist - noch vor den Lösegeldern für Geiseln.

UN-Sicherheitsrat geht gegen Kunstmafia vor

Besonders gefährdet sind die vorislamischen Schätze Syriens und Mesopotamiens. In Syrien plünderten die Kämpfer des „Islamischen Staates“ die Museen von Aleppo und Raqqa, wo sie ihr Hauptquartier haben. Nach einem Bericht der Vereinten Nationen wurden seit Beginn des Bürgerkriegs 2011 fast 300 historische Stätten beschädigt, darunter die berühmte Kreuzritterburg Krak des Chevaliers, die römische Säulenstraße von Palmyra sowie die Altstadt von Aleppo. Die antike Stätte Apamea sieht auf Satellitenbildern aus wie eine Mondlandschaft, durchpflügt von Hunderten illegaler Grabungslöcher.

Die geraubten Fundstücke darunter werden mithilfe von Mittelsmännern über die porösen Grenzen in die Türkei sowie den Libanon geschmuggelt, wo Hehlerringe sie skrupellosen Kunden in Europa, den USA und den Golfstaaten anbieten. „Es ist absolut verblüffend“, zitiert die BBC den Antikenfahnder Arthur Brand aus Amsterdam. „Der illegale Handel ist total professionell organisiert - mit Büros und Visitenkarten.“

Laut einer internen Buchhaltung der Jihadisten, die dem irakischen Geheimdienst in die Hände fiel, brachte der Antikenraub dem „Islamischen Staat“ allein in der Region Al-Nabuk westlich von Damaskus 36 Millionen Dollar ein. Insgesamt taxieren Unesco und Interpol das globale Volumen des illegalen Antikenhandels mittlerweile auf 6 bis 8 Milliarden Dollar. Vor zwei Wochen hat der UN-Sicherheitsrat erstmals eine Resolution gegen die global vernetzte internationale Kunstmafia aus Händlern und Käufern verabschiedet. Sie verpflichtet alle 193 Mitgliedstaaten, „geeignete Schritte“ zu unternehmen „gegen den Schmuggel mit dem kulturellen Erbe von Syrien und Irak“.

Von Martin Gehlen

Der „Mr. Spock“-Darsteller Leonard Nimoy ist einem Bericht der „New York Times“ zufolge gestorben. Der Schauspieler sei am Freitag im Alter von 83 Jahren in seinem Haus in Los Angeles gestorben, berichtete die „New York Times“ am Freitag unter Berufung auf seine Ehefrau.

02.03.2015
Kultur Glosse: Das Ding - Essen unter Menschen (II)

Was ist denn nun das perfekte Partyessen? Unser Autor Imre Grimm hat sich Gedanken gemacht – und ist dabei bis nach Grönland vorgedrungen.

Imre Grimm 27.02.2015

Ein seit mehr als zehn Jahren vermisstes Gemälde von Pablo Picasso ist in einer Paketsendung in New Jersey aufgetaucht. Wie die „New York Times“ am Donnerstag berichtete, wurde das Werk „La Coiffeuse“ („Die Friseurin“) aus dem Jahre 1919 im Dezember mit einem Paketdienst von Belgien nach New York verschickt.

27.02.2015