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Kultur Das alte Hannover in Farbe
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00:15 21.02.2014
Von Daniel Alexander Schacht
Sieht aus wie neu: Das Rathaus in Hannover wurde damals in Farbe aufgenommen. Quelle: Agentur Karl Höffkes, Gescher
Hannover

Schon in der Nazi-Zeit gab es Farbfilme. Aber als authentisch galt lange nur Schwarzweiß. Ein Paradox?
In der Tat. Tatsächlich wurden noch in den achtziger Jahren fast nur schwarzweiße „Wochenschau“-Ausschnitte aus dieser Zeit gezeigt. Erst in den neunziger Jahren kam vermehrt authentisches Farbmaterial zum Einsatz – ein Boom, den vor allem Guido Knopp mit seinen Zeitgeschichtsreihen und Formate wie „Spiegel TV History“ befördert haben. Das Material stammte überwiegend aus privaten Quellen und wurde erst nach und nach verfügbar. Vieles schlummert heute noch unentdeckt im Familienbesitz sowie in Archiven.

Enthalten solche Sendungen nicht viel neu inszeniertes Material?
Absolut. Nachinszenierungen, Zeitzeugengespräche und historische Aufnahmen wechseln oft im Zwanzig-Sekunden-Takt. Wenn historisches Material gezeigt wird, dann vorzugsweise in Farbe. Dabei waren die deutschen Agfacolor-Farbfilmanfänge nicht sehr überzeugend.
Agfacolor erreichte im internationalen Vergleich eine hervorragende Qualität, auch wenn die Farben der Kopien altersbedingt oft stark gelitten haben. Der historische Anschauungswert liegt in der größeren Unmittelbarkeit der Farbe gegenüber dem abstrakten Schwarz-Weiß.

Wieso war der Farbfilm den Nazis wichtig? Die nationalen Märkte waren doch noch recht abgeschottet, auch ohne Protektionismus und Zensur …
Vor Kriegsbeginn wurde die erstaunliche Farbqualität des US-Farbsystems Technicolor auch dem deutschen Kinopublikum vor Augen geführt. Adolf Hitler sah im Farbfilm die filmische Zukunft, sein Propagandaminister Joseph Goebbels wollte an der Farbfilm-Front eine Offensive gegen den Technologieführer USA. Da ging es um Devisen, aber auch um nationales Prestige – der Farbfilm wurde zum Politikum, zum propagandistischen Faktor. Im neutralen Ausland, etwa in der Schweiz, Portugal und Spanien, trafen deutsche und US-amerikanische Farbfilme aufeinander. Das besetzte Europa war exklusiv deutsches Filmexportgebiet.

Wurden deshalb kaum Dokumentarfilme und vor allem Spielfilme in Farbe gedreht, obwohl die sehr teuer waren?
Der materielle Aufwand spielte keine Rolle. Aber die technischen Ressourcen – Rohfilm und Kopierkapazitäten – reichten nicht für beides aus. Und mit den Spielfilmen ließ sich auch im Ausland Geld verdienen. Deshalb lag der Schwerpunkt der Farbfilmproduktion zwischen 1941 und 1945 auf dem Spielfilmbereich. Bis Kriegsende wurden neun abendfüllende Agfacolor-Filme uraufgeführt, von denen die Hans-Albers-Filme „Münchhausen“ und „Große Freiheit Nr. 7“ heute die bekanntesten sind. Dass diese unpolitischen Stoffe das Publikum begeisterten, beweist der Revuefilm „Die Frau meiner Träume“ mit Marika Rökk, der nach Kriegsende sogar in der Sowjetunion zum Kassenschlager wurde. Die farbigen Propagandafilme und Frontaufnahmen, mit denen ich mich in meinem Buch ebenfalls beschäftige, waren dagegen lange Zeit vergessen.

Am Donnerstag zeigen Sie im Kino im Künstlerhaus Farbfilme aus der NS-Zeit. Das wird auch die öffentliche Premiere der ersten Farbfilmszenen Hannovers. Wie sind Sie an diese Filme gekommen? Und was zeigen Sie da sonst noch?

Die Aufnahmen dauern nur wenige Minuten, zeigen aber einzigartige Motive der unzerstörten Altstadt. Ich bin auf diese und andere Hannover-Aufnahmen in der Filmsammlung Karl Höffkes gestoßen, einem der weltgrößten Archive privat gedrehter Filmaufnahmen vor 1945. Neben dem Filmarchiv des Bundesarchivs in Berlin war das Archiv von Karl Höffkes die wichtigste Anlaufstelle für meine Farbfilmrecherchen. Die farbigen Hannover-Aufnahmen habe ich da bei Vorarbeiten für ein regionalgeschichtliches Dokumentarfilmprojekt entdeckt. Ich war begeistert, da ich Althannover bis dato nur schwarz-weiß kannte. Im Künstlerhaus zeige ich außerdem sechs Propagandakurzfilme. Darunter sind frühe Zweifarbenaufnahmen vom Reichserntedankfest auf dem Bückeberg 1934, der propagandistische Zeichentrickfilm „Der Störenfried“ und die erste Ausgabe der Farbmonatsschau „Panorama“ mit Berichten über die Hitlerjugend, Kosakenverbände der deutschen Wehrmacht oder auch Berlin im Sommer 1944.

Zur Person

Dirk Alt hat in Hannover Geschichte und Germanistik studiert und arbeitet zurzeit an einem Dokumentarfilm über den „NSDAP-Gau Süd-Hannover-Braunschweig“, in dem weitere noch unbekannte Hannover-Aufnahmen zu sehen sein werden.

Seine Doktorarbeit über den Farbfilm in der NS-Zeit hat er unter dem Titel „Der Farbfilm marschiert“ publiziert (Belleville-Verlag, 635 Seiten, 106 Abbildungen, 58 Euro).

Unter diesem Titel präsentiert der 31-Jährige am Donnerstag um 20.15 Uhr im Kino im Künstlerhaus, Sophienstraße 2, Farbfilme aus der NS-Zeit.

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