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Kultur Warum lassen sich Menschen tätowieren?
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22:18 16.02.2015
Von Martina Sulner
Tätowiert rund um den Globus: Ma Hla Oo aus Myanmar. Quelle: Jens Uwe Parkitny
Hamburg

Was Irene „Bobbie“ Library tat, ist heute nahezu unvorstellbar: Die Frau, geboren 1893 in den USA, war fast am gesamten Körper tätowiert - und sie zeigte in der Öffentlichkeit nichts davon. Jahrzehntelang verbarg Mrs. Library die Darstellungen auf ihrem Körper, bis sie sich, kurz vor ihrem Tod, von Imogen Cunningham nackt fotografieren ließ. Library war zu dem Zeitpunkt über 80, die Fotografin sogar schon 93.

Heute hingegen zeigen Tätowierte die Kunst, die sie auf der Haut tragen, meist nur zu gerne. Wer sich wann wie und warum tätowieren ließ, ist das Thema der großen, spannenden Ausstellung „Tattoo“ im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe. Konzipiert wurde die Schau, die für Hamburg überarbeitet und ergänzt ist, vom Gewerbemuseum Winterthur. „Tätowierung ist ein Massenphänomen“, sagt dessen Kuratorin Susanna Kumschik. Auch wenn keine Statistiken darüber vorliegen: Aus eigener Erfahrung kann das fast jeder bestätigen. Besonders Menschen, die sich öfter mal in Freibädern oder Fitnessstudios aufhalten.

Die Ausstellung zeigt die Tradition der Tätowierung. Zu sehen sind japanische Holzschnitte aus dem 19. Jahrhundert, auf denen tätowierte Männer abgebildet sind. Zu sehen sind eine nach Stammesritus verzierte Burmesin und eine moderne Maori-Familie. Deren Gesichtstätowierungen geben Aufschluss über die Stellung des Einzelnen in der Familie, über seinen sozialen Status.

Service

„Tattoo“: Bis zum 6. September im Museum für Kunst und Gewerbe. Infos unter: www.mkg-hamburg.de

Meist muss oder will, wer sich tätowieren lässt, damit die Zugehörigkeit zu einer Gruppe dokumentieren. Das wird besonders deutlich an Fotos russischer Strafgefangener. Die Gefängnisinsassen haben ihre eigenen Motive entwickelt, von denen Eingeweihte den Rang innerhalb der Gefängnishierachie ablesen können. Ähnliches gilt auch für die jungen Latinos, die auf Fotografien und in Videos zu sehen sind: Deren Tätowierungen signalisieren, zu welcher Gang sie gehören. Wer sich ein Tattoo stechen lässt, trifft eine Entscheidung fürs Leben - und dafür, seine eigene Haut quasi als Leinwand zu nutzen, er ist fortan ein wandelndes Gemälde. Die Ausstellung nimmt diese „Gemälde“ ernst.

Zwar sind auch alte Fotos aus Hamburger Tätowierstuben in Reeperbahn-Nähe ausgestellt, und manche historische Aufnahmen verzierter Frauen in den USA haben durchaus etwas verruchtes. Doch hat das alles nichts mit der Schmuddelecke zu tun, in die Tätowierungen früher gerückt wurden. Und ein Unterschichtenphänomen sind Tätowierungen auch nicht. Schon im späten 19. Jahrhundert galt dieser Körperschmuck etwa in der amerikanischen Oberschicht als schick. Warum man sich überhaupt für diese Körperkunst entscheidet? Darum geht es in mehreren Videos. Die meisten der dafür Interviewten können zwar genau erläutern, warum sie sich für welches Motiv - und es gibt eine Unmenge an Schulen und Stilen! - entschieden haben. Die schlüssige Erklärung, warum sie ihren Körper überhaupt so gestalten, fällt ihnen hingegen schwer. Die Ausstellung umkreist diese Fragestellung, ohne selbst eindeutige Antworten zu geben. In einer modernen Gesellschaft, in der körperliche Schönheit und Individualität hohen Stellenwert haben, steht das körpereigene Kunstwerk gerade dafür: Es soll Ausdruck der eigenen Persönlichkeit sein. Seien es chinesische Schriftzeichen, Fantasymotive, grafische Muster, der Name der Freundin oder Jugendstilmotive.

Jedes neue Tattoo müsse zu seiner Persönlichkeit passen, sagt der 36-jährige Frisör Tim, den Ralf Mitsch fotografiert und befragt hat. Auf überlebensgroßen Fotografien sind Tim und fünf weitere Menschen im Treppenhaus des Museums zu sehen. Selbstbewusst zeigen sie ihre Körper. „Ich finde es cool, dass man seinen Körper verändern kann“, sagt die Ergotherapeutin Sylvie. Und sie sagt auch, dass manches Motiv für sie wie ein Talisman sei. Das Bild einer Pfauenfeder zum Beispiel „behütet meine Seele“. Sylvie ist jetzt 29; man wüsste gern, wie die Pfauenfeder auf ihrem Bauch in ein paar Jahrzehnten aussieht. Fotos alter Menschen mit Tätowierungen gibt es - bis auf Irene „Bobbie“ Library - selten. Meist sind es jüngere Männer und Frauen, die sich abbilden lassen.

Dass das Tätowieren nicht nur ein Spaß ist, zeigt die Ausstellung auch. In einer Vitrine liegen Tätowiermaschinen, die zum Teil ziemlich abschreckend wirken. Und eine Tube Heil- und Wundsalbe liegt auch aus.

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