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Kultur George Clooney – der Mann für alle Fälle
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00:16 14.02.2016
Von Stefan Stosch
Mit viel Beinfreiheit: George Clooney in „Hail, Caesar!“ Quelle: Universal Pictures
Berlin

Aber so viel Pointensinn ist wohl nicht einmal den wirklich pointensinnigen Brüdern Ethan und Joel Coen zuzutrauen, die am Donnerstag mit „Hail, Caesar!“ die 66. Filmfestspiele in eine echte Spaß-Veranstaltung verwandelten.

Gewitzt ist dieser Auftakt in gleich mehrfacher Hinsicht: Die Brüder sorgen dafür, dass gut gelaunte Stars von George Clooney über Tilda Swinton und Josh Brolin bis zu Channing Tatum über den roten Berlinale-Teppich wandeln - und gleichzeitig veralbern sie in ihrem Film das Hollywood-Starwesen. Sie nutzen den Medienrummel der Berlinale als Werberampe für den Europastart ihres Films (in Deutschland: 18. Februar) - und mokieren sich in „Hail, Caesar!“ über das PR-Gewese in den eigenen Reihen. Vor allem aber: Sie führen das Kino vor als Hort von Lug und Trug - und lassen doch immer wieder erkennen, wie sehr sie gerade seinen flirrenden Schein lieben.

Das gilt ebenso für ihre Hauptfigur, die mit oft grimmigem Gesicht durch diesen Film stapft und deren Tag nach Minuten getaktet ist - tägliche Beichten beim Pfarrer inklusive. Kein Wunder, Eddie Mannix (Brolin) ist in der goldenen Hollywood-Ära der fünfziger Jahre „Ausputzer“ des fiktiven Hollywoodstudios Capital Pictures. Coen-Freunde kennen das Studio schon aus der Satire „Barton Fink“, die aber viel böser geartet ist als nun „Hail, Caesar!“.

Zu Mannix’ Job als „Cleaner“ gehört es, das Image von lasterhaften Schauspielern zu schönen, Drehpläne zu forcieren oder Besetzungslisten auch mit weniger geeigneten Darstellern aufzufüllen. Kurz: Mannix ist der Mann für alle Fälle. Und jetzt hat er ein echtes Problem. Baird Whitlock (Clooney), der größte Star des Studios, ist abhanden gekommen.

Whitlock wurde vom Set eines Sandalenfilms weg entführt und wird im gesamten weiteren Filmverlauf römische Toga plus Brustpanzer und Schwert tragen. Clooney genießt es sichtlich, seine nackten Beine vorzuzeigen. In diesem Aufzug würde man den sonst so coolen und hier ein wenig tumben Graumelierten gern mal Espresso-Kapseln bewerben sehen.

Zwei Tratschkolumnistinnen (Tilda Swinton in einer Doppelrolle) sitzen Mannix bereits im Nacken. Und die Unterbrechung der Dreharbeiten ist sündhaft teuer: Was allein die Statistengagen all der Gekreuzigten am Wegesrand kosten!

Das ist die Ausgangslage für diesen leider nur außer Konkurrenz im Wettbewerb laufenden Frohsinn, um das alte Hollywood in technischer und handwerklicher Brillanz zu feiern. Eine Meerjungfrau wie weiland Esther Williams (gespielt von Scarlett Johansson) schwimmt mit grünem Nixenschschwanz durch den Wassertank, ein singender Cowboy nach Art von Roy Rogers (Newcomer Alden Ehrenreich) schwingt das Lasso, ein gar nicht keuscher Nachfahr von Gene Kelly (Channing Tatum) steppt im Matrosenkostüm über den Bartresen. Der gerade in der Entstehung begriffene Sandalenfilm erinnert an „Ben Hur“. Und sogar einen Ausputzer namens Eddie Mannix gab es mal beim Studio Metro-Goldwyn-Mayer, das einst von sich behauptete, es verfüge über mehr Stars als Sterne am Himmel strahlen.

Langeweile kommt keinesfalls auf in „Hail, Caesar!“. Und wenn hier jemand Hollywood als „Zirkus“ zu bezeichnen wagt oder dem Kino wegen des aufkommenden Fernsehens das baldige Ende prophezeit, dann guckt Eddie Mannix richtig böse. Er sieht das ganz anders - und hat ja auch recht: Das Kino gibt es noch immer. Und bei der Eröffnung der 66. Berlinale macht es richtig Freude.

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